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10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2010)

Deutsche Gesellschaft für Infektiologie,
Deutsche AIDS-Gesellschaft,
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit,
Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie

23.06. - 26.06.2010, Köln

Gruppe B-Streptokokken (GBS): ein neonataler Sepsiserreger bei älteren Erwachsenen – Ergebnisse einer nationalen Studie

Group B-streptococci: a causative agent of neonatal sepsis in elderly adults – results of a nationwide surveillance study

Meeting Abstract

  • E. Kemgne-Djomkam - Robert Koch Institut, Abteilung für Infektionsepidemiologie, Berlin, Germany
  • F. Lander - Universitätsklinikum Freiburg, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Freiburg, Germany
  • B. Heinrich - Universitätsklinikum Düsseldorf, Erfassungseinheit seltener pädiatrischer Erkrankungen (ESPED) in Deutschland, Düsseldorf, Germany
  • M. Hufnagel - Universitätsklinikum Freiburg, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Freiburg, Germany
  • K. Flügge - Universitätsklinikum Freiburg, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Freiburg, Germany
  • R. von Kries - Universitätsklinikum Düsseldorf, Erfassungseinheit seltener pädiatrischer Erkrankungen (ESPED) in Deutschland, Düsseldorf, Germany
  • G. Krause - Robert Koch Institut, Abteilung für Infektionsepidemiologie, Berlin, Germany
  • R. Berner - Universitätsklinikum Freiburg, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Freiburg, Germany
  • Studiengruppe der ESPED

10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2010). Köln, 23.-26.06.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. DocINF 08-4

DOI: 10.3205/10kit016, URN: urn:nbn:de:0183-10kit0163

Veröffentlicht: 2. Juni 2010

© 2010 Kemgne-Djomkam et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: GBS sind weltweit die häufigsten Erreger der neonatalen Sepsis. Über die Rolle als Erreger invasiver Infektionen jenseits der Neugeborenenperiode ist relativ wenig bekannt. Wir stellen Zwischenergebnisse einer laufenden, bundesweit altersübergreifend durchgeführten Studie von ESPED und RKI vor.

Methode: Deutschlandweit wurden im Jahr 2009 Infektionen durch GBS mit Keimnachweis in Blut, Liquor oder einer anderen sonst sterilen Körperflüssigkeit in allen Altersgruppen durch eine Abfrage mikrobiologischer Labore durch das RKI erfasst und um eine Zusendung des Isolats gebeten. Parallel dazu wurden über das Meldesystem der ESPED alle deutschen Kinderkliniken bezüglich Erkrankungsfällen bei Neugeborenen und Säuglingen bis zu einem Alter von drei Monaten abgefragt.

Ergebnisse: Im Jahr 2009 wurden insgesamt 531 GBS-Isolate eingesandt, davon stammten 497 von invasiven Infektionen. 97 Patienten (20%) mit invasiver Infektion waren jünger als vier Monate. Bei den restlichen 400 Fällen (80%) handelt es sich überwiegend um Erkrankungen jenseits des 50. Lebensjahres (Median 71 Jahre). Auffällig ist ein Überwiegen männlicher Patienten mit 1,28:1. In der Gruppe der NG-Infektionen wurden die Keime fast ausschließlich aus Blut (91%) und Liquor (9%) isoliert. Vorherrschend fand sich in dieser Altersgruppe der Serotyp III (80%), gefolgt von den Serotypen V und Ia (je 7%). Im Erwachsenenalter wurde GBS ebenfalls meist im Blut nachgewiesen (82%); daneben finden sich in 10% der Fälle Gelenk-assoziierte Infektionen. Häufigste Serotypen waren hier V (33%), III (26%), Ib (14%) und Ia (11%). Alle Stämme zeigten sich gegenüber Penicillinen und Cephalosporinen empfindlich.

Fazit: Invasive GBS treten in Deutschland offensichtlich in relevanter Größenordnung auch jenseits der NG-Periode auf. Dies könnte eine auch gesundheitsökonomisch hohe Signifikanz haben. Betroffen sind insbesondere ältere Patienten. Interessanterweise unterscheiden sich die Infektionen bei Neugeborenen und Erwachsenen bezüglich der Serotyp-Verteilung.