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10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2010)

Deutsche Gesellschaft für Infektiologie,
Deutsche AIDS-Gesellschaft,
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit,
Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie

23.06. - 26.06.2010, Köln

Notwendigkeit der Pertussis-Impfung für Erwachsene

Necessity of immunization against pertussis in adults

Meeting Abstract

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  • W. Pfister - Universitätsklinikum Jena, Institut für Medizinische Mikrobiologie, Jena, Germany

10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2010). Köln, 23.-26.06.2010. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2010. DocINF 06-3

DOI: 10.3205/10kit013, URN: urn:nbn:de:0183-10kit0133

Veröffentlicht: 2. Juni 2010

© 2010 Pfister.
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Gliederung

Text

Die Pertussis ist eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit nicht nur der Kinder. 2003 erkrankten weltweit etwa 17 Millionen Menschen an Pertussis, davon ca. 90% in Entwicklungsländern. Bei Adoleszenten und Erwachsenen wurde Pertussis in vielen Ländern mit einer jährlichen Inzidenz zwischen 0,18% und 0,51% gefunden, wobei diese Werte unabhängig von der Durchimpfung im Kindesalter waren [1]. Für Deutschland liegen Daten einer Studie aus Krefeld und Rostock vor, die eine Häufigkeit von 165 Fällen pro 100.000 und Jahr ergaben [2]. Interessant dabei war, dass die Inzidenz von Pertussis bei Erwachsenen in beiden Städten statistisch nicht unterscheidbar war, obwohl einer sehr hohen Durchimpfungsrate der Kinder in Rostock eine bis 1995 sehr niedrige in Krefeld gegenüber stand. Damit konnte gezeigt werden, dass die Impfung im Säuglingsalter keinen Einfluss auf die Häufigkeit der Erkrankung im Erwachsenenalter hat. Man muss auch davon ausgehen, dass der Impfschutz nach Einführung der sehr gut verträglichen azellulären Pertussis-Vakzine (aP) nicht länger als 5–6 Jahre beträgt. Obwohl in Deutschland verlässliche epidemiologische Daten nur aus den neuen Bundesländern vorliegen, zeigen diese jedoch eindeutig eine weitere Zunahme der Pertussis-Inzidenz trotz der STIKO-Empfehlung einer Auffrischungsimpfung zwischen 10 und 17 Jahren aus dem Jahr 2000. Neben den schweren und auch zunehmend häufiger sicher diagnostizierten Fällen muss auch noch mit einer hohen Anzahl milder bzw. unerkannter Krankheitsfälle gerechnet werden. Während es insgesamt zu einer deutlichen Zunahme der Erkrankungshäufigkeit bei älteren Kindern und besonders auch bei älteren Erwachsenen kam, konnte aber eine deutliche Abnahme der Pertussis-Inzidenz bei den 5–9-Jährigen nach Einführung einer Boosterimpfung für 5–6-Jährige im Jahr 2006 beobachtet werden. Die STIKO hat in ihren Impfempfehlungen aus dem Jahr 2009 dieser Entwicklung Rechnung getragen und empfiehlt jetzt zunächst eine einmalige Pertussis-Auffrischung der Erwachsenen im Zusammenhang mit der nächsten Auffrischungsimpfung gegen Tetanus und Diphtherie (Td). Das alles kann aber nur als ein Schritt hin zu einer generellen Impfempfehlung für Erwachsene aller 10 Jahre angesehen werden, wie sie beispielsweise in Österreich existiert.


Literatur

1.
von König CH, Halperin S, Riffelmann M, Guiso N. Pertussis of adults and infants. Lancet Infect Dis. 2002;2(12):744-50. DOI: 10.1016/S1473-3099(02)00452-8 Externer Link
2.
Riffelmann M, Littmann M, Hülsse C, O'Brien J, Wirsing von König CH. [Pertussis: incidence, symptoms and costs]. Dtsch Med Wochenschr. 2006;131(50):2829-34. DOI: 10.1055/s-2006-957208 Externer Link