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11. Symposium Health Technology Assessment

Deutsche Agentur für HTA des DIMDI – DAHTA

17. - 18.03.2011, Köln

Medikamentöse Behandlung von ADHS bei Erwachsenen in Deutschland

Meeting Abstract

  • Diana Benkert - CAREM GmbH, Sauerlach
  • Klaus-Henning Krause - Friedrich-Baur-Institut, München
  • Jürgen Wasem - Lehrstuhl für Medizinmanagement, Universität Duisburg-Essen, Essen
  • Pamela Aidelsburger - CAREM GmbH, Sauerlach

11. Symposium Health Technology Assessment. Köln, 17.-18.03.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11hta16

DOI: 10.3205/11hta16, URN: urn:nbn:de:0183-11hta162

Veröffentlicht: 16. März 2011

© 2011 Benkert et al.
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Gliederung

Abstract

Hintergrund und Ziel: Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) war lange Zeit ausschließlich im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie angesiedelt. Diese psychische Störung endet aber keineswegs immer mit dem Erwachsenwerden. Die Persistenzrate wird je nach Studie zwischen bis zu 66% angegeben. Eine medikamentöse Behandlung ist zwar möglich, wird aber derzeit bei erwachsenen Patienten von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet.

Vor diesem Hintergrund sollen die Effektivität verschiedener medizinischer therapeutischer Maßnahmen untersucht, die Kosten-Effektivität der Behandlungen aufgezeigt und ethische, rechtliche, soziale und gesellschaftliche Aspekte beleuchtet werden.

Methodik: Zur Bearbeitung der Fragestellung wird eine systematische Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken unter Berücksichtigung verschiedener Ein- und Ausschlusskriterien durchgeführt. Die Daten der Literaturstellen werden extrahiert, evaluiert und aggregiert. Die systematische Suche wird durch eine Handsuche ergänzt.

Ergebnisse: Es werden 19 Studien identifiziert, die den vorab festgelegten Kriterien entsprechen, darunter neun kontrollierte Studien (RCT), fünf Metaanalysen, drei Studien mit ökonomischen und zwei Studien mit rechtlichen Aspekten.

Die Untersuchung in den Studien zur medizinischen Effektivität zeigt eine überwiegende Überlegenheit der medikamentösen Behandlung – vor allem mit Methylphenidat, Amphetaminen, Dextroamphetaminen und Bupropion – im Vergleich zu Placebo hinsichtlich patientenrelevanter Endpunkte. Die Ansprechraten der RCT liegen in den Behandlungsgruppen zwischen 17% und 59%, während diese in den Kontrollgruppen zwischen 7% und 42% zu verzeichnen sind.

Für die Bewertung der ökonomischen Aspekte der ADHS im Erwachsenenalter lassen sich insgesamt für Patienten mit ADHS hohe jährliche direkte und indirekte Kosten im Vergleich zu einer Kontrollgruppe für Personen ohne ADHS feststellen. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe belaufen sich die Medikamentenkosten, die der ADHS-Symptomatik zuzuschreiben sind, für das Jahr 2009 nach Währungs- und Inflationsbereinigung auf 1.270 bis 1.619 Euro. Indirekte Kosten entstehen u.a. durch häufige Fehlzeiten der ADHS-kranken Arbeitnehmer.

Bei der Anwendung von Stimulanzien sind insbesondere rechtliche Besonderheiten in den Bereichen Straßenverkehr, Reisen, Wehrdienst und Leistungssport zu berücksichtigen. Keine der eingeschlossenen Studien gibt Auskunft über ethische, soziale und gesellschaftliche Aspekte bezüglich einer medikamentösen ADHS-Therapie.

Schlussfolgerung: Bei einer medizinischen Behandlung der ADHS im Erwachsenenalter sind positive Effekte belegt. Die Effekte können durch individuelle Medikamenteneinstellung optimiert werden. Differenziertere Aussagen zur Kosten-Effektivität bedürfen weiterer gesundheitsökonomischer Studien.