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11. Symposium Health Technology Assessment

Deutsche Agentur für HTA des DIMDI – DAHTA

17. - 18.03.2011, Köln

Methodische Herausforderungen bei der frühen Nutzenbewertung

Meeting Abstract

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  • Stefan Lange - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Köln

11. Symposium Health Technology Assessment. Köln, 17.-18.03.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11hta13

DOI: 10.3205/11hta13, URN: urn:nbn:de:0183-11hta130

Veröffentlicht: 16. März 2011

© 2011 Lange.
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Gliederung

Abstract

Mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes in der gesetzlichen Krankenversicherung (Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz – AMNOG) sind auf den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) neue Aufgaben dazugekommen, die insbesondere eine frühe Bewertung des (Zusatz-)Nutzens von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen zum Zeitpunkt des Markteintritts (kurz nach erteilter Zulassung) betrifft [1]. Grundlage für diese Bewertung liefert ein durch den Hersteller anzufertigendes Dossier. Detaillierte Anforderungen an die Bewertung sind in einer Rechtsverordnung (Arzneimittel-Nutzenbewertungsverordnung – AM-NutzenV) beschrieben [2].

Der frühe Bewertungszeitpunkt kann zu einer größeren Unsicherheit bei der Bewertung führen, da zum Zeitpunkt des Markteintritts in der Regel nur begrenztes empirisches Datenmaterial auf Basis der Zulassungsstudien vorliegt. Als wesentliche methodische Herausforderungen lassen sich die folgenden (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) charakterisieren: (i) Stellenwert von Surrogaten. Bei Zulassungsstudien werden häufig Surrogate für einen Wirksamkeitsnachweis eingesetzt. Hier gilt es, die Validität der gewählten Surrogate im Hinblick auf die Vorhersage von patientenrelevanten Effekten zu beurteilen [3]. (ii) Indirekte Vergleiche. Gemäß AM-NutzenV „können verfügbare klinische Studien für die zweckmäßige Vergleichstherapie herangezogen werden, die sich für einen indirekten Vergleich mit dem Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen eignen“, wenn „keine direkten Vergleichsstudien für das neue Arzneimittel gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie [vorliegen] oder diese keine ausreichenden Aussagen über einen Zusatznutzen [zulassen]“. Wenngleich indirekte Vergleiche schon seit längerem insbesondere im Rahmen von so genannten Nicht-Unterlegenheitsstudien für Wirksamkeitsaussagen herangezogen werden [4], [5], gibt es noch zahlreiche ungelöste methodische Probleme bei deren Anwendung, auch und gerade, wenn Evidenz aus direkten und indirekten Vergleichen kombiniert werden soll [6]. Solche methodischen Probleme werden voraussichtlich zumeist mit einer Verringerung der Ergebnissicherheit einhergehen. (iii) Abstufung der Wahrscheinlichkeit für einen Zusatznutzen. In der AM-NutzenV ist vorgesehen, dass zu bewerten ist, „… mit welcher Wahrscheinlichkeit und in welchem Ausmaß ein Zusatznutzen vorliegt“. Diese Abstufung trägt offenbar den unter (i) und (ii) beschriebenen besonderen Unsicherheiten bei der frühen Nutzenbewertung Rechnung. Hier wird das vom IQWiG bereits verfolgte Konzept der so genannten Ergebnissicherheit weiter zu entwickeln sein [7].

Die beschriebenen, besonderen methodischen Herausforderungen stellen das Konzept einer frühen Nutzenbewertung nicht infrage. Vielmehr bedeuten sie einen Ansporn für methodische Weiterentwicklungen, die letztlich allen beteiligten Akteuren, nicht zuletzt auch den Patienten, zu Gute kommen.


Literatur

1.
Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz – AMNOG [Bundesgesetzblatt Jahrgang 2010 Teil I Nr. 67, 27.12.2010]. Bonn; 2010. S. 2262-2277.
2.
Arzneimittel-Nutzenbewertungsverordnung – AM-NutzenV [Bundesgesetzblatt Jahrgang 2010 Teil I Nr. 68, 31.12.2010]. Bonn; 2010. S. 2324-2328.
3.
IQWiG. Aussagekraft von Surrogatendpunkten in der Onkologie. IQWiG-Bericht Nr. 80. Köln; 2011.
4.
Bucher HC, Guyatt GH, Griffith LE, Walter SD. The results of direct and indirect treatment comparisons in meta-analysis of randomized controlled trials. J Clin Epidemiol. 1997;50(6):683-91. DOI: 10.1016/S0895-4356(97)00049-8 Externer Link
5.
Hauck WW, Anderson S. Some of the issues in the design and analysis of equivalence trials. Drug Inf J. 1999;33:109-18.
6.
Song F, Loke YK, Walsh T, Glenny AM, Eastwood AJ, Altman DG. Methodological problems in the use of indirect comparisons for evaluating healthcare interventions: survey of published systematic reviews. BMJ. 2009;338:b1147. DOI: 10.1136/bmj.b1147 Externer Link
7.
IQWiG. Allgemeine Methoden, Version 3.0 vom 27.05.2008.