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9. Symposium Health Technology Assessment

Deutsche Agentur für HTA des DIMDI – DAHTA@DIMDI

17. - 18.10.2008, Köln

Qualität gibt es nicht zum Nulltarif – Zum Umgang mit begrenzten finanziellen Ressourcen aus medizinethischer Perspektive

Meeting Abstract

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  • Daniel Strech - Universität Tübingen, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Tübingen

9. Symposium Health Technology Assessment. Köln, 17.-18.10.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08hta19

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/hta2008/08hta19.shtml

Veröffentlicht: 14. Oktober 2008

© 2008 Strech.
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Gliederung

Abstract

Die finanziellen Ressourcen von Gesundheitssystemen sind weltweit begrenzt. Die entsprechenden Gründe ebenso wie die praktische Relevanz des gegenwärtig und mittelfristig zu erwartenden Ausmaßes der Begrenzung werden von gesundheitspolitischen und -ökonomischen Experten weiterhin kontrovers diskutiert. Der Umgang mit Mittelknappheit führt bei Entscheidungen im Gesundheitswesen zu medizinischen, ökonomischen, juristischen und ethischen Problemen. Aus ethischer Perspektive sind die Probleme einer gerechten Verteilung knapper Ressourcen sowie mögliche Rollen- oder Interessenskonflikte der verschiedenen Professionen im Gesundheitswesen besonders relevant. Diese Problembereiche stellen sich für Entscheidungsträger in der Gesundheitspolitik (Makroebene), für Krankenkassen und Krankenhausmanagement (Mesoebene) sowie für praktizierende Ärzte und Pflegepersonal (Mikroebene) in z.T. unterschiedlicher Ausgestaltung.

Wie ist der gegenwärtige Umgang mit begrenzten finanziellen Ressourcen im Gesundheitssystem aus ethischer Perspektive zu bewerten und welche begründeten Empfehlungen zu Änderungen ergeben sich daraus? Aus ethischer, wie auch aus ökonomischer und medizinischer Perspektive erscheint es geboten, einer praxisrelevanten Mittelknappheit primär mit Rationalisierungen, also dem Abbau von Über- und Fehlversorgung entgegenzutreten. Mit der Evidenz-basierten Medizin und dem Health Technology Assessment sind erste Schritte in diese Richtung durch in Systematik und Transparenz optimierte Nutzenbewertungen und höherwertige klinische Leitlinien unternommen worden. Wünschenswert wäre die Optimierung dieser Ansätze durch die verstärkte Berücksichtigung der Versorgungswirklichkeit sowie sozialer und ethischer Aspekte.

In Deutschland finden Leistungsbegrenzungen bereits statt, wenn auch in noch geringem Ausmaße. In einer repräsentativen Umfrage unter deutschen Klinikern in den Bereichen Kardiologie und Intensivmedizin wurde dies von der Mehrheit der Teilnehmer bestätigt. Weitere Potentiale zur ärztlichen Effizienzsteigerung im Sinne einer Rationalisierung klinischer Leistungen sieht hingegen nur etwa ein Drittel der Ärzte. Leistungsbegrenzungen in der Klinik werden gegenwärtig auf intransparente Art und Weise durchgeführt (implizite Rationierung). Welchen Kriterien zur Priorisierung von Patienten dabei mehr oder weniger Beachtung geschenkt wird, kann von Arzt zu Arzt stark variieren. Auch die Auswirkung auf die Versorgungsqualität ist dabei nicht zu kontrollieren. Gefordert wird deshalb aus ethischer Perspektive eine bestmögliche Umwandlung der implizit-ärztlichen in eine explizite Rationierung, welche oberhalb der Arzt-Patienten Beziehung durch demokratisch legitimierte Institutionen unter Einbeziehung relevanter Interessensgruppen Leistungsbegrenzungen bestimmt. Die hierbei angewendeten und im Einzelfall gegeneinander abgewogenen Kriterien sollten offen und transparent kommuniziert werden. Aus ethischer Sicht sind u.a. das Nutzenausmaß und die Kosteneffektivität einer medizinischen Maßnahme, der Schweregrad der Erkrankung und die Bedürftigkeit des Patienten akzeptable Kriterien für eine explizite Leistungsbegrenzung. Besonders die schlechte Studienlage zur Kosteneffektivität medizinischer Maßnahmen wird diese komplexen Entscheidungsprozesse in der Praxis deutlich erschweren. Ebenso werden gegenwärtig die jeder Nutzen- und Kosten-Nutzenbewertungen immanenten Werturteile noch zu wenig systematisch und transparent kommuniziert.