gms | German Medical Science

80. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

20.05. - 24.05.2009, Rostock

Prevotella disiens – Ursache für eine einseitige nekrotisierende Tonsillitis

Meeting Abstract

  • corresponding author Bastian Gebhardt - HNO-Uni Magdeburg, Magdeburg
  • Kerstin Herrmann - Pathologie Uni-Klinik, Magdeburg
  • Albert Roessner - Pathologie Uni-Klinik, Magdeburg
  • Ulrich Vorwerk - HNO-Uni Magdeburg, Magdeburg

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. 80. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Rostock, 20.-24.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09hnod146

DOI: 10.3205/09hnod146, URN: urn:nbn:de:0183-09hnod1466

Veröffentlicht: 17. April 2009

© 2009 Gebhardt et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Bei der Gattung Prevotella handelt es sich um anaerobe, gramnegative Stäbchen. Sie sind Teil der normalen Bakterienflora des Menschen. Durch die Bildung eines schwarzen Protohämpigments auf bluthaltigen Nährmedien, sowie ihrer enzymatischen Ausstattung ist eine Charakterisierung in verschiedene Subspezies möglich.

Entsprechend ihres Standortes gelten sie als Leitkeime für verschiedene Infektionsprozesse:

  • Prevotella disiens (Infektionsprozesse der Genitale und des kleinen Beckens),
  • Prevotella bivia (Infektionsprozesse der Genitale und des kleinen Beckens),
  • Prevotella intermedia (orale Infektionsprozesse),
  • Prevotella melaninogenica (Rachenflora).

Die Therapie der Wahl stellen Clindamycin, Metronidazol und Amoxicillin dar.

Kasuistik: Während des Notfalldienstes stellte sich eine 30-jährige Frau vor, bei der sich ein fibrinös nekrotisierendes Ulkus im Bereich der Regio tonsillaris links fand.

Es bestand ein ausgeprägter Foetor ex ore und eine druckdolente Lymphadenitis colli links.

Im initialen Labor zeigte sich eine diskrete Erhöhung der Entzündungsparameter (Leukozyten 8,9 Gpt/l; CRP 151 mg/l). Die Behandlung erfolgte mit Augmentan und der Tonsillektomie beidseits. In der mikrobiologischen Untersuchung wuchsen in der anaeroben Kultur Prevotella disiens und in der aeroben Kultur vereinzelt Neisseria spp. und vergrünende Streptokokken an. Die Gewebeuntersuchung ergab eine chronisch-fibrosierende und leicht floride unspezifische Tonsillitis.

Zusammenfassung: Differentialdiagnostisch sind ein Tonsillenkarzinom, Lues, Angina Plaut-Vincenti, Leishmaniose möglich. Dagegen stellt eine Prevotella disiens Infektion eine äußerst seltene Variante dar. Die Übertragung ist durch mangelnde Hygiene oder Sexualverkehr möglich.