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80. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

20.05. - 24.05.2009, Rostock

Status epilepticus als unerwünschte Arzneimittelwirkung bei Therapieversuch eines chronischen Singultus mit Baclofen

Meeting Abstract

  • corresponding author Sabine Liebler - Universitäts-HNO-Klinik Heidelberg, Heidelberg
  • Bettina Neumayer - Neurologische Universitätsklinik, Heidelberg
  • Frank Schulz - Anästhesiologische Universitätsklinik, Heidelberg
  • Philipp A. Federspil - Universitäts-HNO-Klinik Heidelberg, Heidelberg

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. 80. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Rostock, 20.-24.05.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09hnod126

DOI: 10.3205/09hnod126, URN: urn:nbn:de:0183-09hnod1264

Veröffentlicht: 17. April 2009

© 2009 Liebler et al.
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Gliederung

Text

Ein chronischer Singultus kann für den Patienten durch die Störung des normalen Schlafrhythmus ausgesprochen belastend sein. Da der Reflexbogen durch den HNO-Bereich verläuft, ist auch der HNO-Arzt in der Differentialdiagnose und Therapie gefragt.

Wir berichten über einen 78-jährigen Patienten, der sich mit einem seit 12 Monaten bestehenden Singultus (Frequenz bei Aufnahme ca. 30/min) bei uns vorstellte. Der Patient berichtete über maximal 2-tägige Pausen des Schluckaufs, welcher jedoch immer wieder, häufig nach der Nahrungsaufnahme, auftrete. An Vorerkrankungen waren eine medikamentös gut eingestellte Epilepsie, ein M. Parkinson, eine Bradyarrhythmia absoluta, ein paroxysmales Vorhofflimmern, eine arterielle Hypertonie, ein kombiniertes Aortenvitium, eine Mitralklappeninsuffizienz sowie eine Antrumgastritis bekannt.

Da bisherige Therapieversuche mit einfachen respiratorischen Manövern sowie eine Refluxtherapie ohne Erfolg waren, nahmen wir den Patienten zur weiteren Abklärung und einem einschleichendem Therapieversuch mit dem GABA-Agonisten Baclofen (Lioresal®) 5 mg, 3x1, stationär auf. Am Morgen nach der ersten Einnahme war der Patient desorientiert, hatte Sprachschwierigkeiten und zeigte nestelnde Bewegungen. In einem neurologischen Konsil wurde ein non-konvulsiver Anfallstatus festgestellt. Der Singultus sistierte während des epileptischen Anfalles. Baclofen wurde abgesetzt und durch Gabapentin (Neurontin®) einschleichend ersetzt.

Diese sehr seltene und trotz der sehr geringen Dosierung möglicherweise als unerwünschte Arzneimittelwirkung zu deutende Reaktion sollte bei Patienten mit bekannter Epilepsie beachtet werden.