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79. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.

30.04. - 04.05.2008, Bonn

Isolierte Aphagie bei Infarkt der dorsolateralen medulla oblongata (Wallenberg-Syndrom)

Meeting Abstract

  • corresponding author Albert Goxhufi - Hals-Nasen-Ohrenklinik der Friedrich-Schiller-Universität, Jena
  • Claus Wittekindt - Hals-Nasen-Ohrenklinik der Friedrich-Schiller-Universität, Jena
  • Orlando Guntinas-Lichius - Hals-Nasen-Ohrenklinik der Friedrich-Schiller-Universität, Jena

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. 79. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Bonn, 30.04.-04.05.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. Doc08hnod169

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/hnod2008/08hnod169.shtml

Veröffentlicht: 22. April 2008

© 2008 Goxhufi et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Das Wallenberg-Syndrom gehört zur Gruppe der gekreuzten Hirnstammsyndrome, und entsteht bei Hirnschädigung im Versorgungsgebiet der Arteria cerebelli inferior posterior.

Patienten/Methoden: Wir berichten über eine 61-jährige Patientin, die nach reichlichem Abendessen mit plötzlich aufgetretener kompletter Aphagie vorstellig wurde. Die Laryngoskopie zeigte eine massive Speichelretention, jedoch eine regelrechte Stimmlippenfunktion. Bei der durchgeführten Oesophagoskopie fanden sich keine Speisereste oder Fremdkörper. Am Folgetag wurde im Rahmen der klinischen Untersuchung ein Horner-Syndrom am linken Auge festgestellt. Das MRT zeigte einen Infarkt des rostralen Teils der linken dorsolateralen medulla oblongata. Die Therapie mit Heparin, Hydroxyethylstärke, und Acetylsalicylsäure, führte aber zu keiner wesentlichen Befundbesserung, sodass nach 2 Wochen eine PEG-Anlage erfolgte.

Ergebnisse: In den nächsten 12 Monaten erfolgten logopädische und eine intensive Rehabilitationsmaßnahmen, worauf sich die neurologischen Symptome deutlich verbesserten. Nach 6 weiteren Monaten konnte die PEG wieder entfernt werden. Letztendlich zeigten die klinische Symptomatik und der MRT-Befund den Zusammenhang zwischen kompletter Aphagie und dorsolateralem Hirnstamminfarkt.

Diskussion: Die Schluckstörung ist ein häufiges Symptom des lateral-medullären Syndroms und von erheblicher klinischer Relevanz und beeinflusst stark die Lebensqualität der Patienten. Die Gefahr einer Aspirationspneumonie bei neurogener Dysphagie ist von erheblicher Bedeutung, da sie die zweithäufigste Todesursache nach Hirninfarkt darstellt. Bei isolierter Aphagie ohne weitere neurologischen Zeichen muss daher immer auch an das Wallenberg-Syndrom gedacht werden.