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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Bevorzugte Sterbeorte in Rheinland-Pfalz: Ergebnisse der EPACS-Studie

Meeting Abstract

  • Matthias Claus - Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz
  • Martin Weber - Interdisziplinäre Einrichtung für Palliativmedizin, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz
  • Kirsten Isabel Zepf - Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz
  • Stephan Letzel - Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz
  • Luis Carlos Escobar Pinzón - Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds349

DOI: 10.3205/11gmds349, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds3496

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Claus et al.
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Gliederung

Text

Einleitung/Hintergrund: Das Versterben am gewünschten Ort wird oftmals als wichtiges Element für einen menschenwürdigen Tod angesehen. Ziel der vorliegenden Studie war die Bestimmung des bevorzugten Sterbeortes sterbender Menschen in Rheinland-Pfalz und ihrer Angehörigen. Weiterhin sollten Faktoren ermittelt werden, die einen Einfluss darauf haben ob Menschen am Ort ihres Wunsches versterben.

Material und Methoden: Die Querschnittstudie basierte auf einer Zufallsstichprobe von 5.000 Einwohnern in Rheinland-Pfalz, die zwischen Mai und August 2008 verstarben. Nach Bereinigung der Stichprobe verblieben 4.967 verstorbene Personen, an deren Adresse im September 2008 ein Fragebogen verschickt wurde. Mit Hilfe einer multiplen logistischen Regressionsanalyse wurden die relevanten Einflussfaktoren für einen Tod am gewünschten Ort (vs. Tod an anderem Ort) identifiziert.

Ergebnisse: 3.832 Fragebögen wurden zugestellt, 1.135 kamen als unzustellbar zurück. Insgesamt wurden 1.378 Fragebögen ausgefüllt, so dass eine Rücklaufquote von 36,0% erzielt wurde. 93,8% der Verstorbenen wollte zu Hause versterben, 0,7% im Krankenhaus, 2,8% in einer Palliativeinrichtung, 2,4% in einem Pflegeheim und 0,3% woanders. Die korrespondierenden Angaben der Hinterbliebenen waren jeweils 80,7%, 4,3%, 7,5%, 7,1% und 0,5%. 58,9% der Verstorbenen starb am gewünschten Sterbeort. Die multiple logistische Regressionsanalyse ergab eine höhere Wahrscheinlichkeit des Versterbens am gewünschten Ort, falls der Verstorbene in einer ländlichen Gemeinde (aOR:1.88; 95%-KI:1.02-3.43), in einer Landstadt (aOR:2.30; 95%-KI:1.17-4.49) oder in einer Kleinstadt (aOR:1.95; 95%-KI:1.04-3.68) lebte. Zusätzlich beeinflusste ein Nicht-berufstätiger Angehöriger (aOR:1.79; 95%-KI:1.16-2.76), sowie das Zusammenleben mit einem Angehörigen in einem gemeinsamen Haushalt (aOR:2.28; 95%-KI:1.57-3.32) die Wahrscheinlichkeit des Versterbens am gewünschten Ort positiv.

Diskussion/Schlussfolgerungen: Fast alle Verstorbenen in unserer Studie gaben vor ihrem Tod an zu Hause versterben zu wollen. Ungefähr zwei Drittel aller Patienten konnten am Ort ihres Wunsches versterben. Dieser Befund wurde durch den Wohnort, den Berufsstatus des Angehörigen sowie das Leben in einem gemeinsamen Haushalt zusammen mit dem Angehörigen beeinflusst. Unsere Studie zeigt, dass die Verfügbarkeit eines nahen Angehörigen sehr wichtig für das Versterben am gewünschten Ort ist. Gründe dafür liegen sicherlich in der Möglichkeit informeller Pflege durch Angehörige. Durch die Einführung von spezialisierten ambulanten Palliativpflegeteams, wie von der Deutschen Gesetzgebung vorgesehen, dürfte den Angehörigen ein Teil ihrer Pflegebelastung abgenommen werden, so dass es Menschen zusätzlich erleichtert wird zu Hause zu versterben.