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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Symptombelastungen von Krebs- und Demenzpatienten im Vergleich: Ergebnisse der EPACS-Studie

Meeting Abstract

  • Luis Carlos Escobar Pinzon - Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz
  • Matthias Claus - Universitätsmedizin, Mainz
  • Kirsten Isabel Zepf - Universitätsmedizin, Mainz
  • Stephan Letzel - Universitätsmedizin, Mainz
  • Martin Weber - Universitätsmedizin, Mainz

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds288

DOI: 10.3205/11gmds288, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds2880

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Escobar Pinzon et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Forschungsanstrengungen zur Palliativversorgung konzentrieren sich häufig ausschließlich auf die Gruppe der Krebspatienten. Auswirkungen nicht-maligner Erkrankungen, wie bspw. Demenz, werden oftmals vernachlässigt. Ziel der nachfolgenden Analyse war es, Symptombelastungen von Krebs- und Demenzpatienten am Lebensende miteinander zu vergleichen, um die Notwendigkeit einer Palliativversorgung auch von Menschen mit nicht-malignen Krankheiten hervorzuheben.

Methodik: Die Querschnittstudie basierte auf einer Zufallsstichprobe von 5.000 Einwohnern in Rheinland-Pfalz, die zwischen Mai und August 2008 verstarben. Nach Bereinigung der Stichprobe verblieben 4.967 verstorbene Personen, an deren Adresse im September 2008 ein Fragebogen verschickt wurde. Zur Erhebung der Symptome wurden die Hinterbliebenen befragt, inwiefern ihr verstorbener Angehöriger während der letzten zwei Tage vor dem Tod gar nicht, leicht, mittel oder stark von insgesamt 15 verschiedenen Symptomen belastet war. Die Kategorien gar nicht/leicht, sowie mittel/stark wurden jeweils in eine Kategorie zusammengefasst. Zum Vergleich von Krebs- und Demenzpatienten hinsichtlich verschiedener Symptome wurden Chi²-Tests verwendet.

Ergebnisse: 3.832 Fragebögen wurden zugestellt, 1.135 kamen als unzustellbar zurück. Insgesamt wurden 1.378 Fragebögen ausgefüllt, so dass eine Rücklaufquote von 36,0% erzielt wurde. Für die vorliegende Analyse wurden die Angaben Hinterbliebener von 480 Krebs- und 310 Demenzpatienten verwendet. Unter den fünf häufigsten Symptomen waren sowohl bei den Krebs- als auch den Demenzpatienten Schwäche (jeweils 94,9% und 94,2%), Müdigkeit (93,4% und 94,0%), Appetitmangel (88,3% und 84,8%), und Hilfebedarf bei der Selbstversorgung (88,0% und 87,3). Krebspatienten litten weiterhin häufig unter Schmerzen (64,4%) und Demenzpatienten unter Desorientiertheit/Verwirrung (89,2%). Schmerzen (p < 0,001), Übelkeit (p < 0,01) und Erbrechen (p < 0,05) traten signifikant häufiger bei Krebskranken auf, während Demenzpatienten wiederum signifikant häufiger unter Desorientiertheit/Verwirrtheit (p < 0,001), Problemen mit Organisation der Versorgung (p < 0,001), sowie Pflegeproblemen wegen Wunden/Dekubitus (p < 0,001) litten.

Diskussion: Hohe Symptombelastungen am Lebensende erfordern eine fachgerechte palliativmedizinische Versorgung. Die vorliegende Analyse bekräftigt die Forderung, Palliativversorgung nicht auf die Gruppe der Krebspatienten zu beschränken, sondern allen Menschen mit unheilbarer Erkrankung zur Verfügung zu stellen. Dies impliziert auch die Unterstützung von Angehörigen, die mit den Symptomen ihrer Verwandten konfrontiert werden.