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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Effektivität und Effizienz eines generellen Hautkrebsscreenings für Jugendliche und junge Erwachsene: Ergebnisse eines Modellvorhabens aus Sachsen

Meeting Abstract

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  • Jochen Schmitt - Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, Medizinische Fakultät, TU Dresden, Dresden
  • Günther Sebastian - Marcolini Praxisklinik Dresden, Dresden
  • Andreas Seidler - Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, Medizinische Fakultät, TU Dresden, Dresden

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds219

DOI: 10.3205/11gmds219, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds2197

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Schmitt et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Rund 15% der Melanome treten vor dem 35. Lebensjahr auf. Das Hautkrebs-Screening wird derzeit für Personen ab dem vollendeten 35. Lebensjahr angeboten. Die Effektivität und die Effizienz eines populationsbezogenen Hautkrebsscreenings allgemein und speziell für junge Erwachsene ist unklar.

Studienziele:

1.
Untersuchung der Effektivität und Effizienz eines durch eine gesetzliche Krankenkasse getragenen allgemeinen Hautkrebsscreenings für die Altersgruppe der 14 bis 34 Jährigen.
2.
Ermittlung von Einflussfaktoren auf die Detektion eines malignen Melanoms oder eines Melanompräkursors im Rahmen eines allgemeinen Hautkrebsscreenings in der Altersgruppe der 14 bis 34 Jährigen.

Methodik: Im Rahmen des Modellvorhabens „Haut-Check 14-34 Jahre“ der AOK PLUS wurden im ersten Halbjahr 2009 12.187 Versicherte aus Sachsen dermatologisch untersucht. Demographische Daten, klinische und histologische Befunde sowie Daten zu Lichtschutzverhal-ten und UV-Exposition in Solarien wurden standardisiert dokumentiert und anonymisiert ana-lysiert. Anhand multivariater logistischer Regressionsmodelle wurden Einflussfaktoren für die Detektion eines Melanoms oder eines dysplastischen melanozytären Nävus (histologische Befunde) ermittelt. Zur Abschätzung der Effizienz des Screenings wurden die gesamten direkten Kosten (Vergütung Dermatologen und Pathologen) pro im Rahmen des Screenings exzidiertem Melanom in Relation gesetzt.

Ergebnisse: Während des 6-monatigen Untersuchungszeitraums nahmen 2,8% der Versicherten das Hautkrebsscreening-Angebot in Anspruch, darunter überproportional viele Frauen. Bei 1.072 Screeningteilnehmern (8,8%) erfolgte mindestens eine Exzision, wobei bei 2 Screeningteilnehmern ein invasives Melanom, bei 4 Personen ein Melanoma in situ und bei 641 Personen ein dysplastischer Nävus histologisch verifiziert werden konnte. Unabhängige signifikante Einflussfaktoren für die Detektion eines malignen Melanoms oder eines dysplastischen melanozytären Nävus waren Solarienbesuch, höheres Alter, die Anzahl melanozytärer Nävi und frühere Nävusexzision. Die direkten Kosten pro exzidiertem Melanom betrugen 108.439 Euro.

Diskussion: Bei mehr als 5% der Screeningteilnehmer wurde ein malignes Melanom oder ein dysplastischer melanozytärer Tumor exzidiert. Es ist unklar, welcher Anteil dieser Befunde auch in der Routineversorgung erkannt worden wäre. Pro diagnostiziertem Melanom wurden 179 Exzisionen vorgenommen. Zur Untersuchung der Ursachen für diese geringe diagnostische Spezifität für die Melanomdiagnose sind weitere Studien notwendig. Diese Untersuchung zeigt die Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung von Routinedaten zur Evaluation von Screeningmaßnahmen auf und unterstreicht die Notwendigkeit der Erhebung zusätzlicher Daten zum Inanspruchnahmeverhalten.