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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Aspekte und Methoden der Fallzahlplanung bei Tierversuchen

Meeting Abstract

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  • Rainer Muche - Universität Ulm, Ulm
  • Michael Rau - Universität Ulm, Ulm
  • Benjamin Mayer - Universität Ulm, Ulm

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds087

DOI: 10.3205/11gmds087, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds0871

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Muche et al.
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Gliederung

Text

In Deutschland müssen sich Wissenschaftler für einen genehmigungspflichtigen Tierversuch mittels eines Genehmigungsantrages eine Erlaubnis der zuständigen Behörde einholen. Diesen Genehmigungsbehörden steht wiederum eine Tierschutzkommission beratend zur Seite. Seit dem Sommer 2010 verlangt die für Ulm zuständige Tierschutzkommission für jeden Tierversuch eine formelle Fallzahlplanung, mit Ausnahme von Pilotversuchen. Im Rahmen dieses Beitrags wird dargestellt, welche Grundlagen für Tierversuche bestehen. Derzeit existieren keine gesetzlichen Vorgaben oder Vorschriften, die genauere Angaben zur Fallzahlplanung und den Aufbau von biometrischen Gutachten geben.

Des Weiteren werden die wichtigsten bekannten Grundlagen für die Fallzahlplanung dargestellt. Die Größe einer berechneten Fallzahl hängt in der Regel von der Effektgröße, der Art der Fragestellung, der gewählten Fallzahlplanungsmethode, dem Signifikanzniveau, der Power und der Varianz ab. Eine exakte Berechnung der Fallzahl ist nur dann möglich, falls genaue Vorinformationen vorliegen. Dies ist bei einem Tierversuch jedoch so gut wie unmöglich, da die Wiederholung eines Versuches in der Regel durch das Tierschutzgesetz ausgeschlossen ist. Die Vorinformationen, die für Fallzahlplanungen vorliegen, sind sehr unterschiedlich. Sie variieren von im besten Falle Originaldaten über Parameterangaben und Grafiken bis hin zu Literaturangaben. Aufgrund der oft unzureichenden Vorinformationen ist eine formelle Fallzahlplanung meist ausgeschlossen. Im Falle von Originaldaten können die wichtigen Parameter für die Fallzahlberechnung und die Verteilung der Zielgröße bestimmt werden. Durch die Angabe von Parametern oder Grafiken ist es hingegen schwierig die notwendigen statistischen Kenngrößen zu berechnen. Um dennoch die nötigen Angaben für die Fallzahlplanung bestimmen zu können, müssen meist fiktive Annahmen unterstellt werden. Weiterhin steht man bei der Auswahl der richtigen Fallzahlplanungsmethode vor einem Problem, da die Verteilungsannahme in seltenen Fällen durch die wenigen Vorinformationen überprüft werden können.

Da bei Tierversuchen in der Regel mehrere Variablen und Zielgrößen untersucht werden, müssen sich die Antragsteller für die Fallzahlplanung auf eine Hauptzielgröße festlegen. Durch das Untersuchen mehrerer Zielgrößen entsteht das Problem des multiplen Testens. Dieses Problem ließe sich durch eine Adjustierung des Signifikanzniveaus lösen. Allerdings würde sich diese Adjustierung auf eine Erhöhung der Anzahl an Versuchstieren niederschlagen.

Insgesamt betrachtet lässt sich zusammenfassen, dass eine Berechnung der Fallzahl auch mit wenigen Vorinformationen möglich ist, dass diese Fallzahlberechnung aber durch verschiedene Parameter beeinflusst werden kann. Umso weniger Vorinformationen gegeben sind, umso mehr kann die Fallzahl durch die dann oft ungenauen Parameter beeinflusst werden.


Literatur

1.
M Rau. Aspekte und Methoden der Fallzahlplanung bei Tierversuchen. Bachelorarbeit im Fach Medizinische Dokumentation und Informatik, HS Ulm. 2011.