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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Probleme im Umgang mit grenzüberschreitender Medikation und deren mögliche Lösung mittels des Terminologieservers ID LOGIK® und des multilingualen semantischen Netzes ID MACS®

Meeting Abstract

  • Michael Ermisch - ID Information und Dokumentation im Gesundheitswesen GmbH & Co KGaA, Berlin
  • Lukas Faulstich - ID Information und Dokumentation im Gesundheitswesen GmbH & Co KGaA, Berlin
  • André Sander - ID Information und Dokumentation im Gesundheitswesen GmbH & Co KGaA, Berlin
  • Stefan Schwenzer - ID Information und Dokumentation im Gesundheitswesen GmbH & Co KGaA, Berlin

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds010

DOI: 10.3205/11gmds010, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds0104

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Ermisch et al.
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Gliederung

Text

Einleitung/Hintergrund: Es kommt im klinischen Alltag in den letzten Jahren häufiger vor, dass ausländische, chronisch kranke Patienten eine stationäre Behandlung in Deutschland benötigen. Neben der Sprachbarriere stellt auch die Medikation dieser Patienten das medizinische Personal vor besondere Probleme: Die ambulante Medikation muss mitunter durch in Deutschland verfügbare Präparate ersetzt werden und auch in Deutschland nicht verfügbare oder bekannte Präparate müssen aus Gründen der Arzneimitteltherapiesicherheit in die Medikationsprüfung einbezogen werden. Weiterhin müssen nur in fremder Sprache vorliegende Informationen zu Diagnosen und Allergien bei der Therapie berücksichtigt werden.

Wir illustrieren hier am Beispiel eines fiktiven niederländischen Patienten mit vorhandener Arzneimittelallergie die dabei auftretenden Probleme und stellen vor, wie diese unter Nutzung der von ID Information und Dokumentation im Gesundheitswesen GmbH & Co. KGaA entwickelten Softwarelösungen auf Basis des Terminologieservers ID LOGIK® und des multilingualen semantischen Netzes ID MACS® gelöst werden können.

Materialien/Methoden: Der hier gezeigte Patientenfall wurde in Anlehnung an reale Krankenfälle entwickelt um verschiedene bei der grenzüberschreitenden Behandlung auftretende Probleme in einem Beispiel zu illustrieren. Er steht somit beispielhaft für verschiedene, ähnliche Probleme in der Realität.

Als Wissensbasis für die Medikationsprüfung dient das semantische Netz ID MACS® – medical semantic network. Es umfasst etwa 90.000 Konzepte, die über ca. 300.000 Relationen miteinander verbunden sind. Neben allgemeinen medizinischen Konzepten (Topographien, Krankheiten, Behandlungsverfahren, Materialien) werden darin speziell pharmazeutische Sachverhalte abgebildet. Die Abstraktion von länderspezifischen Arzneimitteln auf die im semantischen Netz beschriebenen Wirkstoffe ist die unerlässliche Voraussetzung für grenzüberschreitende Medikationsprüfungen. Diese Prüfungen werden in Form von Diensten des Terminologieservers ID LOGIK® gekapselt und können in unterschiedlichen Applikationen eingebunden werden.

Ergebnisse: Wir konnten demonstrieren, dass die bei der grenzüberschreitenden Therapie auftretenden speziellen Probleme durch Softwareunterstützung mit deutlich verringertem Zeitaufwand gelöst werden können. Warnmeldungen, die unabhängig von der Eingabesprache und der Herkunft verwendeter Präparate generiert werden, konnten dazu beitragen Fehler in der Medikation zu vermeiden. Als leistungsfähige Basis für diese Prozesse konnten wir das multilinguale semantische Netz ID MACS® in Verbindung mit dem Terminologieserver ID LOGIK® etablieren.

Diskussion/Schlussfolgerung: In einer zusammenwachsenden Welt werden grenzüberschreitende Patientenfälle in ihrer Häufigkeit zunehmen. Wie auch auf nationaler Ebene ist es hierbei für eine sichere Arzneimitteltherapie unerlässlich, Therapieprozesse im Krankenhaus softwaregestützt zu begleiten. Eine verlässliche Softwareunterstützung setzt nicht nur Effizienzreserven frei und führt zur Entlastung des medizinischen Personals, sie erhöht auch durch fallspezifische Warnhinweise die Therapiesicherheit. Wir können daher alle Beteiligten nur ermutigen, entsprechende Technologien in ihrem Arbeitsumfeld zu etablieren.


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