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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Die räumliche Verteilung psychiatrischer und psychotherapeutischer Patienten des Marien-Hospitals Euskirchen

Meeting Abstract

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  • Stephan Luther - Geographisches Institut, Universität Bonn, Bonn
  • Charis Lengen - IHPH, Universität Bonn, Bonn
  • Thomas Kistemann - IHPH, Universität Bonn, Bonn

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds342

DOI: 10.3205/09gmds342, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds3420

Veröffentlicht: 2. September 2009

© 2009 Luther et al.
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Gliederung

Text

Einleitung/Hintergrund: An einer psychischen Störung zu leiden, bedeutet für Betroffene und Angehörige ein hohes Maß an Behinderung und Einschränkung der Lebensqualität. Dabei wird davon ausgegangen, dass etwa 40% der deutschen Bundesbürger mindestens einmal in ihrem Leben an einer psychischen Störung leiden. Darüberhinaus stehen Psychische Störungen an dritter Stelle der kostenintensivsten Krankheitsklassen und sind zudem für steigende Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich. Die vorliegende Studie stellt im räumlichen Kontext eine Vielzahl sozioökonomischer und soziodemographischer Einflussvariablen den psychiatrisch-, psychotherapeutischen Behandlungsraten gegenüber.

Material und Methoden: Im Rahmen einer explorativen, ökologischen Studie wurden für den Landkries Euskirchen (200.000 Einwohner) über einen Zeitraum von 3 Jahren (2004–2006) 4293 anonymisierte, psychiatrische Behandlungsfälle des Marien-Hospitals Euskirchen mit Hilfe eines GIS und eines Statistik-Softwarepakets ausgewertet. So wurden Auswirkungen der Entfernung (Jarvis‘ Law) und von sozioökonomischen und soziodemographischen Variablen (Kaufkraft, Bevölkerungsdichte, Arbeitslosenquote, etc.) auf die Behandlungszahlen untersucht.

Ergebnisse: Durch ein inverses Regressionsmodell konnten 57% der Streuung der Behandlungsraten allein durch die zunehmende Entfernung zum Krankenhaus erklärt werden. Mit Hilfe eines multiplen linearen Regressionsmodells konnten durch die Variablen: Bevölkerungsdichte, Personen je Haushalt, Arbeitslosenquote und Ausländeranteil 79% der Streuung in den Behandlungsraten erklärt werden.

Diskussion: Eine direkte Wirkung der untersuchten Faktoren auf die Behandlungswahrscheinlichkeit für einzelne Personen ist aufgrund des Studiendesigns und der vorliegenden Literatur nicht begründbar. Es wird davon ausgegangen, dass die untersuchten Faktoren als Urbanitätsindikatoren aufgefasst werden können. Daher ist von einer Wirkungskette auszugehen in der stärker urbanisierte Räume aufgrund von Umweltstressoren und sozialen Stressoren höhere Häufigkeiten psychischer Störungen in der Bevölkerung aufweisen, woraus sich, beeinflusst durch die Entfernung zu einer Einrichtung, Behandlungszahlen in einer beobachteten Einrichtung ableiten lassen.


Literatur

1.
Jarvis E. The Influence of Distance from and proximity to an insane hospital, on its use by any people. Boston medical and surgical journal. 1850:209–22.