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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Prototypische Entwicklung eines webbasierten Arzneimitteldokumentationssystems

Meeting Abstract

  • Hauke Johannes Franziskus Hund - Abteilung Innere Medizin III, Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
  • Johannes Thönes - Abteilung Innere Medizin III, Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
  • Simon Petrik Walter Schmitt - Abteilung Innere Medizin VI, Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
  • Dirk Loßnitzer - Abteilung Innere Medizin III, Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
  • Walter Emil Haefeli - Abteilung Innere Medizin VI, Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg
  • Evangelos Giannitsis - Abteilung Innere Medizin III, Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, Universitätsklinikum Heidelberg, Heidelberg

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds339

DOI: 10.3205/09gmds339, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds3395

Veröffentlicht: 2. September 2009

© 2009 Hund et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Am Universitätsklinikum Heidelberg wurde 2004 eine zertifizierte Chest-Pain Unit (CPU) [1] eingerichtet, die täglich 60 Notfallpatienten versorgt. Deren Arzneimitteltherapie ist zeitkritisch und bedarf sorgfältiger Dokumentation, in welcher die häusliche Medikation, die Verordnung und Gabe der Notfallmedikation sowie die Rezeptierung der Entlass/Verlegemedikation beachtet werden müssen [2]. Zur Realisierung einer guideline-konformen pharmakologischen Behandlung unter Berücksichtigung von z.B. Einschränkungen von Nieren- und Leberfunktion sowie Interaktionen, sollte ein Dokumentationssystem entwickelt werden. Durch Anbindung an das Arzneimittel-Informations-System AiDKlinik ® [3], [4] soll der Arzt bei der Entscheidungsfindung unterstützt, die Dokumentation verbessert und die Arzneimitteltherapiesicherheit erhöht werden [5].

Methoden: In den vergangenen Jahren sind Frameworks zur effizienten Implementierung von Webapplikationen entstanden. Im Zusammenspielt mit AJAX-Technologien besteht zudem die Möglichkeit, einfach zu bedienende Oberflächen zu erstellen. Um zu prüfen, ob eine webbasierte Lösung für die Arzneimitteldokumentation der CPU praktikabel ist, wurde ein Prototyp entwickelt. Zu den Anforderungen zählen schnelles Auffinden und Erfassen von Medikationen sowie das Verlagern von zeitaufwändigen Berechnungen und Prüfroutinen in den Hintergrund, um den Dokumentationsprozess nur minimal zu unterbrechen. Die technologische Basis hierfür bildet das Webframework Grails (http://grails.org/, [Stand: 30.03.2009, 17:25]). Die Anbindung an AiDKlinik® erfolgte über einen SOAP-Webservice.

Ergebnisse: Es wurde erfolgreich ein Prototyp mit dreigeteilter Weboberfläche zur Erfassung der unterschiedlichen Medikationstypen implementiert. Mit Hilfe von Text-Parsing-Algorithmen können nun die vorwiegend in Arztbriefen vorliegenden Medikationen benutzerfreundlich über "Copy&Paste" erfasst werden. Das Dokumentieren der Notfallmedikation wird unter Zuhilfenahme von Autocomplete-Textfields unterstützt. Durch asynchrone Webserviceanfragen können Interaktionsprüfung und Dosierungsfindung ohne Benutzerinteraktion zeitsparend durchgeführt werden.

Diskussion: Die beschriebene Lösung zeigt, dass ein webbasiertes Dokumentationssystem in einer Notfallambulanz realisiert werden kann. Eine Standardisierung verringert den Aufwand und erhöht dadurch die Geschwindigkeit der Arzneimitteldokumentation und ein zeitintensives, fehleranfälliges manuelles Übertragen von Arzneimittelnamen kann in den meisten Fällen vermieden werden. Durch die Anbindung an das Arzneimittel-Informations-System kann eine aktuelle pharmakologische Unterstützung sichergestellt werden. Eine Integration in die gesamte Notfalldokumentation ist geplant. Eine Evaluation der Oberfläche durch Endanwender wird im Rahmen der vollständigen Neuentwicklung des CPU-Dokumentationssystems durchgeführt.


Literatur

1.
Breuckmann F, Post F, Giannitsis E, Darius H, Erbel R, Görge G, Heusch G, Jung W, Katus H, Perings S, Senges J, Smetak N, Münzel T. Kriterien der deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung für "Chest-Pain Units". Der Kardiologe. 2008;5(2):389-94. DOI:10.1007/s12181-008-0116-7 Externer Link
2.
WalkSU, Bertsche T, Kaltschmidt J, Pruszydlo MG, Hoppe-Tichy T, Walter-Sack II, Haefeli WE. Rule-based standardised switching of drugs at the interface between primary and tertiary care. Eur J Clin Pharmacol. 2008;64(3):319-27.
3.
Kaltschmidt J, Gallin S, Haefeli WE. Essential functional requirements for an effective electronic drug information system in a hospital. Int J Clin Pharmacol Ther. 2004;42:615.
4.
Schmitt SPS, Kaltschmidt J, Haefeli WE; Zend Technologie GmbH Deutschland. Case Study "Wirksame Software ohne Risiken und Nebenwirkungen". 2008. Available from: http://static.zend.com/topics/aidklinik-de.pdf [Stand: 27.03.2009, 13:00] Externer Link
5.
Bertsche T, Walk SU, Pruszydlo MG, Kaltschmidt J, Hoppe-Tichy T, Haefeli WE. Arzneimitteltherapie an intersektoralen Schnittstellen – Lösungsstrategien zur Qualitätssicherung. Krankenhauspharmazie. 2008;29:163-6.