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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Identifikation von unerwünschten Arzneimittelereignissen mit der ICD-10-GM

Meeting Abstract

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  • Jürgen Stausberg - Ludwig-Maximilians-Universität München, München
  • Joerg Hasford - Ludwig-Maximilians-Universität München, München

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds282

DOI: 10.3205/09gmds282, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds2821

Veröffentlicht: 2. September 2009

© 2009 Stausberg et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Die in Deutschland etablierten Meldesysteme sind nur eingeschränkt geeignet, unerwünschte Arzneimittelereignisse (UAE) zu erfassen [1]. Diese Lücke kann durch die Nutzung von Routinedaten geschlossen werden, falls dort typische Manifestationen eines UAE identifizierbar sind. Ziel dieser Untersuchung war es, die diesbezügliche Eignung der ICD-10-GM zu untersuchen.

Material und Methoden: Typische oder häufige Manifestationen von UAE wurden über die Publikationsplattform des BfArM, Analysen der Forschungsgruppe Pharmakoepidemiologie des IBE sowie Angaben der Literatur recherchiert. Die Manifestationen wurden mit dem Medical Dictionary for Regulatory Activities (MedDRA) in Version 11.1G kodiert und anschließend über das in [2] beschrieben „Concept-based“-Verfahren auf die ICD-10-GM 2009 gemappt. Parallel wurde die ICD-10-GM auf Klassen untersucht, bei denen die Verbindung mit Arzneimitteln explizit benannt ist. Dies wurde mit der Liste aus [3] abgeglichen. Die Genauigkeit des Mappings wurde über die Kategorien aus [4] bewertet.

Ergebnisse: Von 96 mit MedDRA kodierten Manifestationen von UAE konnten 87 (90.6 %) auf die ICD-10-GM gemappt werden, für 9 (9,4 %) gelang dies nicht. Bei 39 Manifestationen war eine präzise Übertragung möglich (40,6 %). Insgesamt wurden in der ICD-10-GM 505 Klassen zur Kodierung häufiger oder typischer UAE identifiziert. Hiervon kann bei 360 Klassen von einer eindeutigen (z. B. arzneimittelinduzierte Polyneuropathie) oder sehr sicheren Identifikation (z. B. Enterokolitis durch Clostridium difficile) ausgegangen werden.

Diskussion: Der überwiegende Teil mit MedDRA kodierter Manifestationen von UAE konnte auf die ICD-10-GM 2009 gemappt werden. Zudem bietet die ICD-10 selbst verschiedene Konzepte zu deren Abbildung an, so die explizite Nennung der Verursachung durch Arzneimittel oder die Verwendung eines Zusatzkodes. Bei vollständiger Dokumentation von UAE und korrekter Anwendung der ICD-10-GM können Routinedaten somit eine interessante Quelle zur Identifikation von UAE darstellen.

Danksagung: Für die Auswertung der Forschungsgruppe Pharmakoepidemiologie am IBE danken wir Frau Marietta Rottenkolber. Die Untersuchung wurde durch ID Information und Dokumentation im Gesundheitswesen GmbH & Co. KGaA, Berlin gefördert.


Literatur

1.
Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Kooperation und Verantwortung. Voraussetzungen einer zielorientierten Gesundheitsversorgung. Gutachten 2007. http://www.svr-gesundheit.de/ [Zugriff am 16.12.2008]. Externer Link
2.
Stausberg J, Dahmen B, Drösler SE. A methodological framework for the conversion of procedure classifications. Meth Inf Med. 2005; 44: 57-65.
3.
Waller P, Shaw M, Ho D, Shakir S, Ebrahim S. Hospital admissions for ‘drug-induced’ disorders in England: a study using the Hospital Episodes Statistics (HES) database. British Journal of Clinical Pharmacology. 2004; 59: 213-219.
4.
The International Health Terminology Standards Development Organisation. SNOMED CT® Technical Reference Guide - January 2009 International Release