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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Multiperspektivische Leitbildanalyse zur Entwicklung und Einführung der elektronischen Gesundheitskarte

Meeting Abstract

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  • Paul Drews - Universität Hamburg, Hamburg

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds212

DOI: 10.3205/09gmds212, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds2126

Veröffentlicht: 2. September 2009

© 2009 Drews.
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Gliederung

Text

In §291a SGB V wurde festgelegt, dass die bisherige Krankenversichertenkarte bis Anfang 2006 durch die elektronische Gesundheitskarte (eGK) ersetzt werden soll. Bis heute kommt der Roll-Out nur schleppend voran und die Diskussionen über Vor- und Nachteile der eGK sowie zu Details der technischen Ausgestaltung halten an.

Das Projekt zur Entwicklung und Einführung der eGK ist davon geprägt, dass eine Vielzahl von Akteuren mit teilweise divergierenden Interessen daran beteiligt ist. Die Analysen zu den in den Testregionen aufgetretenen Problemen beschränken sich weitgehend auf technische und organisatorische Probleme [1]. Dabei wird nicht deutlich, welche grundsätzlich unterschiedlichen Zielsetzungen der Akteure im Hintergrund wirksam sind. Eine tiefer gehende Analyse kann diese aufdecken und Hinweise für eine Anpassung der Entwicklungs- und inführungsaktivitäten geben.

Eine Methode, um diese Hintergründe zu erforschen, ist die in der sozialwissenschaftlichen Technikforschung entwickelte Leitbildanalyse [2], [3], [4]. Sie nimmt an, dass Kommunikation und Entscheidungen bei der Entwicklung und dem Einsatz von Informationstechnik von Leitbildern geprägt wird. Leitbilder „drücken unsere Kultur, unsere Werte, Wünsche, Hoffnungen, Visionen aber auch Verdrängungen, Defizite und Unkenntnis aus“ [4]. Für die Identifikation von Leitbildern

werden verschiedene empirische Quellen genutzt. Die Ergebnisse zeigen, welche Akteure sich am Diskurs beteiligen und an welchen Leitbildern sie sich orientieren. Gegensätzliche Positionen wie die „autonome Arztpraxis“ und die „Leistungs- und Kostentransparenz“ oder zwischen dem „gläsernen Patienten“ und dem „Patienten als Herr seiner

Daten“ treten dabei ebenso wie komplementäre Ansichten zutage. Die stakeholderorientierte Multiperspektivität verweist auch darauf, dass einzelne Diskursgruppen weniger homogen bezüglich der verfolgten Leitbilder sind, als es auf den ersten Blick anscheint. Eine rein technik-, organisations- und akzeptanzorientierte Analyse der Probleme im eGK-Projekt greift zu kurz. Vielmehr müssen grundlegende Orientierungsmuster der Akteure einbezogen werden. Dieser Beitrag liefert einen ersten Ansatz für eine Berücksichtigung dieser Aspekte in der Diskussion zur eGK. Ein Ausblick zeigt, wie die Ergebnisse in Handlungs- und Gestaltungsempfehlungen umgesetzt werden können.


Literatur

1.
Gematik. Testbericht Feldtest (Teststufe 3) Release 1. 2008. http://www.gematik.de/upload/gematik_Testbericht_Feldtest_R1_Zwischenbericht_V1_0_3_4381.pdf, zuletzt abgerufen am 28.05.2009. Externer Link
2.
Dierkes M, et al. Leitbild und Technik: Zur Entstehung und Steuerung technischer Innovationen. Berlin: Edition Sigma; 1992.
3.
Hellige HD. Technikleitbilder auf dem Prüfstand: Leitbild-Assessment aus Sicht der Informatik und Computergeschichte. Berlin: Edition Sigma; 1996.
4.
Rolf A. Organisations- und Wirtschaftsinformatik. Berlin: Springer; 1998.