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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Ein Anforderungskatalog und Architekturkonzept zur IT-Unterstützung von Biomaterialbanken

Meeting Abstract

  • Hans-Ulrich Prokosch - Lehrstuhl für Medizinische Informatik, Universität Erlangen, Erlangen
  • Michael Hummel - Institut für Pathologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Berlin
  • Michael Kiehntopf - Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik des Universitätsklinikums Jena, Jena
  • Ulrich Sax - Abteilung Medizinische Informatik, Universitätsmedizin, Georg-August-Universität Göttingen, Göttingen
  • Frank Ückert - Institut für medizinische Informatik und Biomathematik, Universitätsklinikum Münster, Münster
  • Johannes Drepper - Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze e. V., Berlin
  • Sebastian C Semler - Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze e. V., Berlin

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds187

DOI: 10.3205/09gmds187, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds1879

Veröffentlicht: 2. September 2009

© 2009 Prokosch et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Bei der Suche nach Erkrankungsursachen und molekularen Therapienansätzen kommt der molekularbiologischen Forschung immer größere Bedeutung zu. Hierfür ist sie auf die Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger humaner Proben angewiesen. Biobanken (auch Biomaterialbanken genannt) mit Bezug zu klinischen Patientendaten stellen somit ein wichtiges Forschungsinstrument dar.

Problemstellung: Sowohl in deutschsprachigen als auch in internationalen Publikationen zum Thema Biobanken wurden in den letzen Jahren vor allem die organisatorischen, juristischen, ethischen, vertrags- und datenschutzrechtlichen Aspekte in den Vordergrund gestellt [1], [2], [3], [4], [5], [6], [7], [8], [9], [10]. Die Beschreibung von IT-Werkzeugen oder den Anforderungen für ein effizientes und zukunftsfähiges Biobank-Management ist in der Fachliteratur (abgesehen von der Darstellung der zu berücksichtigenden Datenschutzkonzepte) äußerst spärlich. Nur wenige Ansätze adressieren die umfassenden integrativen Anforderungen eines Biobanken-Management-Systems und grenzen diese von den basalen Funktionen eines Laborsystems ab [11]. Umfragen bei Biobankbetreibern haben ergeben, dass es für die IT-Unterstützung von Biobanken (zumindest in Deutschland) oftmals nur prototyphafte Eigenentwicklungen oder Unterstützungen auf der Basis von Tabellenkalkulationsprogrammen gibt. Aus diesem Grund wurde im Rahmen der TMF ein strategischer Anforderungskatalog zur IT-Unterstützung für Biobanken erarbeitet.

Methode: In einem mehrstufigen Abstimmungsverfahren wurde die Expertise der Autoren schrittweise in einen konsolidierten Anforderungskatalog und entsprechende IT-Architekturkonzepte umgesetzt.

Ergebnisse: Der Anforderungskatalog gliedert sich in ein Modul „Organisation und Betrieb einer Biobank“, ein Modul „Probenanforderung durch Forscher“ und ein Modul „Schnittstelle Biobank/klinische Daten/Analysedaten zur Probe“.

Die entwickelten Architekturkonzepte berücksichtigen eine verteilte IT-Infrastruktur von miteinander kooperierenden Softwaremodulen, die

a) Biobankbetreibern ein skalierbares Management von Biobanken ermöglicht,

b) Forscher mit Biomaterialien bei der klinischen Annotation unterstützt und die verfügbaren Biomaterialbestände aufzeigt,

c) Forschung in der translationalen Forschung verbessert, und

d) die Umsetzung und einfache Nachvollziehbarkeit ethischer und datenschutzrechtlicher Erfordernisse bietet.

Der Anforderungskatalog soll in Konsensverfahren national und europäisch abgestimmt und für künftige Projekte öffentlich verfügbar gemacht werden.

Danksagung: Dieses Projekt ist Teil des TMF-Projekts V054-01 IT-Strategie und wurde durch die TMF e.V. unterstützt.


Literatur

1.
Nationaler Ethikrat. Stellungnahme: Biobanken für die Forschung. Berlin: Saladruck; 2004.
2.
Gesundheitsforschungsrates (GFR). Stärkung von Forschungsinfrastrukturen: Biomaterialbanken - Sachstandsbericht für den GFR. 26. Sitzung des Gesundheitsforschungsrates (GFR) am 12. Dezember 2008. http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/_media/Sachstandsbericht_Biobanken.doc, letzter Zugriff 1.03.2009. Externer Link
3.
Gesundheitsforschungsrates (GFR). Entschließung: Stärkung der Infrastruktur in der Gesundheitsforschung: Biomaterialbanken. 26. Sitzung des Gesundheitsforschungsrates (GFR) am 12. Dezember 2008. http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/_media/Beschluss_Biobanken_090216.doc, letzter Zugriff 1.03.2009. Externer Link
4.
TMF. Schriftenreihe des TMF e.V., Biomaterialbanken-rechtliche Rahmenbedingungen, Band 2. 2006
5.
Becker R, Goebel JW, Hummel M, Ihle P, Kiehntopf M, Krawczak M, Leopold C, Pommerening K, Rienhoff O, Sellge E, Semler SC. Bestandsaufnahme und Charakterisierung von Biobanken: Systematisierung, wissenschaftliche Bewertung, Finanzierungsmodelle und Konzepte zu Datenschutz und Patienteneinwilligung. Ein Gutachten im Auftrag des Deutschen Bundestages (Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag; TAB) Version 1.20, 2006.
6.
Becker R, Ihle P, Pommerening K, Harnischmacher U. Ein generisches Datenschutz-konzept für Biomaterialbanken (Version 1.0), April 2006. TMF-Projektbericht.
7.
Pommerening K, Becker R, Sellge E, Semler SC. Datenschutz in Biomaterialbanken. In: Steyer G, Tolxdorff T, Eds. TELEMED 2006: Gesundheitsversorgung im Netz. Tagungsband zur 11. Fortbildungsveranstaltung und Arbeitstagung - Nationales Forum zur Telematik für die Gesundheit. Berlin: Aka GmbH; 2006. p. 89-99.
8.
Riegmana PHJ, Morenteb MM, Betsouc F, de Blasiod P, Gearye P, the Marble Arch International Working Group on Biobanking for Biomedical Research. Biobanking for better healthcare. Molecular Oncology. 2008;2:213-222.
9.
Posch MG, Gelbrich G, Pieske B, Lehmkuhl E, Angermann CE, Störk S, Neumann T, Düngen HD, Scheffold T, Müller-Tasch T, Maisch B, Rauchhaus M, Dietz R, Özcelik C. The Biomaterialbank of the German Competence Network of Heart Failure (CNHF) is a valuable resource for biomedical and genetic research. International Journal of Cardiology. 2008. Epub ahead of print
10.
Simon J, Paslack R, Robienski J, Cooper DN, Goebel JW, Krawczak M. A legal framework for biobanking: the German experience. European Journal of Human Genetics. 2007;15:528-532.
11.
Ölund G, Lindqvist P, Litton JE. BIMS: An information management system for he biobanking in the 21st century. IBM Systems Journal. 2007;46:171-182.