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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Untersuchung des Blutungsrisikos unter Phenprocoumon-Behandlung anhand von Routinedaten deutscher Krankenversicherungen

Meeting Abstract

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  • Sigrid Behr - BIPS Universität Bremen, Bremen
  • Frank Andersohn - Charite Universitätsmedizin Berlin, Berlin
  • Edeltraut Garbe - BIPS Universität Bremen, Bremen

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds026

DOI: 10.3205/09gmds026, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds0262

Veröffentlicht: 2. September 2009

© 2009 Behr et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Schwere Blutungen sind bekannte Komplikationen bei der Behandlung mit oralen Antikoagulantien. Da außerhalb Deutschlands überwiegend Warfarin zur Antikoagulation eingesetzt wird, gibt es nur wenige Studien, die das Blutungsrisiko unter Phenprocoumon beschreiben.

Material und Methoden: Basierend auf Abrechnungsdaten gesetzlicher Krankenversicherungen wurden zwei eingebettete Fall-Kontroll-Studien zur Untersuchung der Risiken von gastrointestinalen und cerebralen Blutungen bei Phenprocoumon-Behandlung in einer Kohorte aus 6.3 Millionen Versicherten durchgeführt. Als Fälle wurden Patienten eingeschlossen, die zwischen Juli 2004 und November 2006 wegen einer Blutung in ein Krankenhaus eingeliefert wurden. Jedem Fall wurden zehn Kontrollen nach Geschlecht, Geburtsjahr, Krankenversicherung und Länge der Beobachtungszeit zugeordnet. Risikofaktoren für gastrointestinale bzw. cerebrale Blutungen wie z.B. die Einnahme von Thrombozytenaggregationshemmern oder gastroprotektiven Medikamenten, Alkoholabhängigkeit oder Leber- und Nierenerkrankungen wurden über Verschreibungen und ambulante sowie stationäre Diagnosen identifiziert. Das Blutungsrisiko wurde in Abhängigkeit von der Phenprocoumon-Behandlung und anderen Risikofaktoren mittels bedingter logistischer Regression geschätzt.

Ergebnisse: Es konnten 9749 Fälle gastrointestinaler Blutungen und 4309 Fälle cerebraler Blutungen in die Analysen eingeschlossen werden. Beide Studien wiesen erhöhte Risiken für gastrointestinale (OR: 2.2; 95%-KI: 2.0-2.4) bzw. für cerebrale Blutungen (OR: 4.4; 95%-KI: 3.7-5.3) für Phenprocoumon-Exponierte gegenüber nicht Exponierten auf. Weiterhin zeigte sich für beide Blutungsendpunkte eine Wechselwirkung zwischen Alter und Phenprocoumoneinnahme, wobei das Risiko für exponierte Versicherte jüngeren Alters (<60) gegenüber nicht exponierten Versicherten höher war als das Risiko älterer Versicherter. Für gastrointestinale Blutungen wurde außerdem ein erhöhtes Risiko für Frauen festgestellt.

Diskussion: Beide Studien bestätigen die bekannten Risiken von Phenprocoumon und weisen damit indirekt auf die Eignung deutscher Krankenversicherungsdaten in der Arzneimittel-Risikoforschung hin. Die Größe der zugrunde liegenden Kohorte erlaubt eine präzise Schätzung des Blutungsrisikos. Es lagen allerdings keine Informationen über die Intensität der Antikoagulation vor, die einen wichtigen Risikofaktor für Blutungen darstellt. Es bleibt zu untersuchen, ob die über Diagnosen ermittelten Indikationen für Phenprocoumon-Behandlungen als Surrogat für diese Intensität dienen können.