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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Hat die Einführung des DRG-Systems im akutstationären Versorgungssektor Folgen für die Anschlussrehabilitation nach Hüft- und Kniegelenksendoprothesen-Operationen ?

Meeting Abstract

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  • Gisa Kopp - Reha-Klink Eisenmoorbad, Bad Schmiedeberg
  • Ingolf Hinkel - Saale- Reha- Klinikum I, Fachklinik für Orthopädie, Bad Kösen
  • Wilfried Mau - Institut für Rehabilitationsmedizin, Medizinische Fakultät der Martin-Luther- Universität Halle- Wittenberg, Halle (Saale)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds017

DOI: 10.3205/09gmds017, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds0178

Veröffentlicht: 2. September 2009

© 2009 Kopp et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Mit Einführung des Fallpauschalensystems nach DRGs im akutstationären Sektor wurden negative Folgen für die nachgeschaltete Versorgung vermutet [1], [2]. Deshalb sollten über einen langen Zeitraum vor und während der DRG-Konvergenzphase bei der Anschlussrehabilitation bzw. Anschlussheilbehandlung (AR/AHB) von Patienten nach Hüft- oder Knie-TEP-Implantationen neben Veränderungen der Krankenhausverweildauer (VWD) und Verlegungszeiten vor allem die Komplikationsraten, Rückverlegungen und Therapieänderungen in der AR/AHB untersucht werden.

Patienten und Methoden: Jeweils vom 1. Februar bis 30. April der Jahre 2001–2007 wurden retrospektiv die Akten von insgesamt 3196 Patienten einer Rehabilitationsklinik im Anschluss an Knie- oder Hüft-TEP-Implantationen analysiert. Die Auswertungen erfolgten mit T-Test, Chi-Quadrat-Test, Varianzanalysen und logistischer Regression.

Ergebnisse: Die mittlere Krankenhaus-VWD ging um 4,2 Tage zurück (p<0,001). Die Häufigkeit der Direktverlegungen zur AR/AHB stieg von 9,0 auf 46,7% (p<0,001). Die Gesamtkomplikationsrate erhöhte sich von 3,0 auf 21,8% (p<0,001) vor allem auf Grund von Wundheilungsstörungen mit einem Anstieg von 0,6 auf 14,4% (p<0,001). Krankenhausrückverlegungen wegen akuter Komplikationen stiegen von 1,6 auf 3,7% (p=0,07). Wundheilungsstörungen waren gehäuft bei kürzerer Gesamtzeit aus VWD und Übergangszeit zur AR/AHB (p<0,001), Frauen (p=0,01) sowie Operationen wegen Schenkelhalsfrakturen, dagegen vermindert bei primärer Knie-TEP gegenüber anderen Operationen. Die Häufigkeit anderer Komplikationen stieg mit höherem Alter an (p<0,001) bis auf 12,4% bei den über 80-Jährigen. Im Studienzeitraum erhöhten sich die Häufigkeiten von Antikoagulantien und Analgetika, dagegen wurde Einzelkrankengymnastik reduziert bei gleichzeitig geringem Anstieg der Gruppenkrankengymnastik.

Schlussfolgerungen: Mit der DRG-Einführung werden bereits vor Abschluss der Konvergenzphase Hinweise auf eine Verlagerung von postoperativen Komplikationen und Leistungen aus den Akutkrankenhäusern in den Bereich der Rehabilitation gefunden. Die weitere Entwicklung ist in der Zukunft zu untersuchen, um Grundlagen für vernetzte Rehabilitationsprozesse zu schaffen, die auf den Erhalt bzw. die Wiederherstellung der Aktivität und Teilhabe als zentrale Rehabilitationsziele und die angemessene Ressourcenallokation fokussieren.


Literatur

1.
Haaf HG. Vergütung mit DRG-Fallpauschalen im Krankenhaus und die Konsequenzen für die medizinische Rehabilitation. Deutsche Rentenversicherung. 2003;10:620-31.
2.
von Eiff W, Meyer N, Klemann A, Greitemann B, Karoff M. Rehabilitation und Diagnosis Related Groups (REDIA-Studie): Auswirkungen der DRG-Einführung im Akutbereich auf die medizinische Rehabilitation. Rehabilitation. 2007;46:74-81.