gms | German Medical Science

53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

Entwicklung einer mobilen Dokumentationslösung für die administrative und medizinische Verlaufsbeschreibung von Intensivpatienten während des innerklinischen Transportes

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • Florian Brenck - Uniklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen, Gießen, Deutschland
  • Rainer Röhrig - Uniklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen, Gießen, Deutschland
  • Achim Michel-Backofen - Uniklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen, Gießen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocP-43

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds229.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Brenck et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Der Transport von intensivbehandlungspflichtigen Patienten zu weiterführenden diagnostischen Maßnahmen (CCT, Stamm-CT, MRT), therapeutischen Anwendungen (Angiographie, Operation) bzw. die innerklinische Verlegung (prä- und postoperativ, interdisziplinär) stellt besondere Herausforderungen an Planung, Durchführung aber auch Dokumentation. Generell bedeutet ein Transport immer ein erhöhtes Risiko für den Patienten. Überwachungsgeräte sind oft durch Artefakte gestört oder überlagert, ihre kompakte Größe wird zudem durch Einschränkungen in Funktion/Anwenderunterstützung erkauft, Zugänge sind ungünstiger zu erreichen, Maßnahmen insgesamt schlechter durchführbar als auf der Intensivstation oder im OP. Vom begleitenden Arzt ist demnach eine erhöhte Aufmerksamkeit gefragt, da er den Zustand des Patienten und die Funktionsfähigkeit der angewendeten Geräte permanent selbst überprüfen muß. Trotzdem bzw. gerade deshalb ist eine umfassende Dokumentation wichtig, die sich an den Vorgaben der Fachgesellschaften orientiert. Diese fordern eine zeitnahe, authentische, nachvollziehbare und klare Protokollierung des Geschehens. Diese Dokumentation sollte die Verpflichtung des Arztes gegenüber dem Patienten nach einer nachvollziehbaren Darstellung seiner Handlungen und Maßnahmen und deren korrekter Durchführung erfüllen [1]. Dies ist auch aus forensischen Gründen [2], [3], zur Qualitätssicherung und für die Leistungserfassung vonnöten. Aus diesem Spannungsfeld ergeben sich die Anforderungen an eine mobile Dokumentationslösung, die vom anwendenden Arzt nur die notwendigsten Daten verlangt, ihn bei der Eingabe unterstützt, klein, leicht und handlich ist und mit dem führenden Intensivdokumentationssystem kommunizieren kann, um eine kontinuierliche Dokumentation zu gewährleisten.

Die bisherigen mobilen Dokumentationslösungen stellen sich vorwiegend der Problematik, wenn sich der Arzt bewegt, nicht jedoch, wenn auch der Patient von einem Ort zum anderen verbracht wird. So existieren beispielsweise mobile Lösungen für die dezentrale Versorgung von Patienten [4] diese werden aber nach dem herkömmlichen Verfahren mit der zentralen Datenbank synchronisiert, was eine Bearbeitung des gleichen Patienten von mehreren Benutzern zum gleichen Zeitpunkt ausschließt. Auch der Zugriff auf Patientenakten [5], [6], Röntgenbilder oder Zusatzinformationen aus dem Internet [7] am Bett des Patienten wurde realisiert und evaluiert [8], [9], [10]. Dabei konnte auch gezeigt werden, dass die direkte Dokumentation am Patienten über eine mobile Dokumentationseinheit mit wenigern Fehlern behaftet ist als die konventionell notierten Informationen [11]. Bei den mobilen Dokumentationslösungen für den Rettungsdienst liegt die Problematik in der Übermittlung der Daten in das Krankenhausinformationssystem (KIS) bzw. das Patienten-Daten-Management-System (PDMS).

Ziel war die Konzeption und Programmierung einer mobilen Dokumentationslösung für den Intrahospitaltransport intensivpflichtiger Patienten unter der Bedingung die während der Fahrt erhobenen Daten anschließend in die elektronische Krankenakte des Patienten importieren zu können, um eine unterbrechungsfreie Verlaufsdokumentation zu gewährleisten.

Methodik

Aus Platz- und Praktikabilitätsgründen wurde als Eingabegerät ein Personal Digital Assistant (PDA) gewählt (HP ipaq hx2750). Dieser bietet zwar nicht die Übersichtlichkeit eines tablet-PCs kann aber viel schneller in der Kittel- oder Jackentasche verstaut oder auf der Trage abgelegt werden, sodass der Arzt immer die Hände frei hat. Unter Berücksichtigung der Notarztprotokolle der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensivmedizin (DIVI) wurde mit php ein Webformular programmiert, dass nur die tatsächlich während des Transportes anfallenden Daten abfragt, da der Patient ja bereits aufgenommen und seine Anamnese bekannt ist. Webtechniken wurden verwendet, da die Bedienung von Browsern heutzutage als beim Anwender bereits bekannt vorausgesetzt werden kann. Um die Übersichtlichkeit zu verbessern, wurde nur ein Eingabefeld pro Zeile programmiert. Parametergruppen wie Vitalwerte, Beatmungswerte sowie Medikamentenapplikationen wurden farblich gegeneinander abgegrenzt. Außerdem könne nicht zutreffende Parameter ausgeblendet werden. Soweit als möglich wurden Auswahlfelder oder Auswahlbuttons verwendet, um die Eingabe auch während des Transportes schnell und korrekt durchführen zu können. Um einen validen Datensatz zu erhalten, wurden Pflichtfelder definiert, ohne deren Eingabe der Abschluss des Fahrtberichtes nicht möglich ist. Logichecks sollen grobe Fehler erkennen und den Benutzer dementsprechend hinweisen. Als Datenbank wurde SQLite gewählt, da diese Datenbank sehr klein ist, sich leicht konfigurieren lässt, sehr gut mit php zusammenarbeitet und einfach zu sichern ist, da hier alle Informationen in einer einzigen Datei abgelegt werden. Aus Sicherheitsgründen und mangelnder W-LAN-Ausleuchtung werden die Daten zu geeigneten Zeitpunkten über ein Synchronisationsterminal gesichert. Dabei können die abgeschlossenen Fahrten bearbeitet und fakultative Informationen nachgetragen werden. Zudem werden die Fall-Nummern der betreuten Patienten über eine Anfrage an den ADT-Server des Klinikums in Klarnamen aufgelöst. Mehrere Fahrten können zusammengefasst, gedruckt und unterschrieben werden, um Dokumentenstatus zu erreichen. Auf ein aufwendiges Benutzeridentifikationssystem wurde bewusst verzichtet, da dies zusätzliche Eingaben des Arztes während der Fahrt notwendig macht. Abschließend werden die Fahrten durch den Arzt freigegeben und HL7-Nachrichten generiert, die dann an das klinikumsweit betriebene Patienten-Daten-Management-System geschickt werden, wo sie sofort einsehbar sind.

Diskussion

Die Entwicklung einer mobilen Dokumentationslösung für den Intrahospitaltransport hilft dem begleitenden Arzt die administrative und medizinische Dokumentation zeitnah und einfach zu erledigen und damit die Datenqualität zu steigern. Zudem wird durch den HL7-Import der medizinischen Parameter die kontinuierliche Verlaufsdokumentation innerhalb des PDMS erstmals unterbrechungsfrei fortgesetzt. Die Verwendung eines PDA und Webtechnologien erspart zudem aufwendige Schulungen des ärztlichen Personals. Inwieweit diese Lösung von den Anwendern akzeptiert wird uns somit eine Verbesserung der Dokumentation erreicht wird, muss in weiterführenden Untersuchungen eruiert werden.


Literatur

1.
Landesärztekammer Hessen. Berufsordnung für die Ärztinnen und Ärzte in Hessen. Hess Ärztebl 1994; 55(9):135-138.
2.
Gibbs RF. The present and future medicolegal importance of record keeping in anesthesia and intensive care: the case for automation. J Clin Monit 1989; 5(4):251-255.
3.
Schwarz-Schilling G. Dokumentation als ärztliche Haftungsprophylaxe. Hess Ärztebl 1997; 58(3):78-80.
4.
Anantraman V, Mikkelsen T, Khilnani R, Kumar VS, Pentland A, Ohno-Machado L. Open source handheld-based EMR for paramedics working in rural areas. Proc AMIA Symp 2002; 12-6.
5.
Carroll AE, Saluja S, Tarczy-Hornoch P. Development of a Personal Digital Assistant (PDA) based client/server NICU patient data and charting system. Proc AMIA Symp 2001; 100-4.
6.
Carroll AE, Saluja S, Tarczy-Hornoch P. The implementation of a Personal Digital Assistant (PDA) based patient record and charting system: lessons learned. Proc AMIA Symp 2002; 111-5.
7.
Lapinsky SE, Weshler J, Mehta S, Varkul M, Hallett D, Stewart TE. Handheld computers in critical care. Crit Care 2001; 5(4):227-231.
8.
Goldstein DH, VanDenKerkhof EG, Rimmer MJ. A model for real time information at the patient's side using portable computers on an acute pain service. Can J Anaesth 2002; 49(7): 749-54.
9.
Hall ES, Vawdrey DK, Knutson CD, Archibald JK. Enabling remote access to personal electronic medical records. IEEE Eng Med Biol Mag 2003; 22(3): 133-39.
10.
John R, Buschman P, Chaszar M, Honig J, Mendonca E, Bakken S. Development and evaluation of a PDA-based decision support system for pediatric depression screening. Medinfo 2007; 12(Pt 2): 1382-6.
11.
Carroll AE, Tarczy-Hornoch P, O'Reilly E, Christakis DA. The effect of point-of-care personal digital assistant use on resident documentation discrepancies. Pediatrics 2004; 113(3 Pt 1): 450-4.