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53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

CDISC für die Standard basierte elektronische Archivierung klinischer Studien

Meeting Abstract

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  • Wolfgang Kuchinke - Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
  • Christian Ohmann - Heinrich-Heine Universität, Düsseldorf, Deutschland
  • Sebastian Semler - TMF e.V., Berlin, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocMI5-6

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds127.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Kuchinke et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Die Archivierung klinischer Studien hat zwei grundlegende Aspekte: die Archivierung aller wesentlichen Dokumente der Studie im Trial Master File (TMF) und die Archivierung der Studien-Datenbank. Während die Studiendokumente größtenteils als Papier vorliegen, wird die Studien-Datenbank überwiegend in einem Software spezifischen Format, oder als XML und PDF gespeichert. Hier stehen sich zwei Konzepte gegenüber, die eine integrierte Langzeitspeicherung klinischer Studien wesentlich erschweren. Eine Archivierung der gesamten essentiellen Dokumente inklusive der Datenbank, ist aber eine Forderung von Good Clinical Practice (GCP) [1], [2].

Das Clinical Data Interchange Standard Consortium (CDISC) (www.cdisc.org) hat eine Reihe von Standards und Modellen für klinische Studien herausgegeben: ODM (Operational Data Model), SDTM (Study Data Tabulation Model) und LAB (Laboratory Data Standard). Inzwischen gibt es zudem das „Analysis Dataset Model“ für statistische Auswertung und das Model der Protocol Representation Group zur Standardisierung von Studienprotokollen Mit ODM (http://www.cdisc.org/models/odm/v1.3/index.html) hat CDISC einen Datenstandard entwickelt der neben dem Austausch von Studiendaten auch der Archivierung von Studien dienen soll. Auch ohne das Daten generierende System bereitzuhalten, läßt sich nach längeren Zeiträumen eine in ODM gespeicherte Studie ansehen, ihr Ablauf nachvollziehen und eventuell durch eine Behörde auditieren. Dies ist möglich, da ODM Daten und Metadaten gemeinsam speichert, hierarchisch, gemäß der CRF-Metapher (ODM entspricht einer elektronischen annotierten Case Report Form, CRF) aufgebaut ist, einen Audit Trail besitzt und Daten im offenen Format XML speichert [3]. Somit beinhaltet eine ODM Instanz alle Informationen einer Studiendatenbank in Maschinen lesbarer Form. Aber eignet sich dieser CDISC Standard wirklich für den komplexen Vorgang der Archivierung einer gesamten klinischen Studie?

Material und Methoden

Im Rahmen eines Projektes der TMF e.V. (Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze, http://www.tmf-ev.de) wurde der CDISC-Standard in Hinblick auf die Archivierung klinischer Studien hin evaluiert. Es wurde dabei der gesamte Lebenszyklus der Studiendaten, also der Datenfluß von der Rekrutierung des Patienten bis zur Analyse der klinischen Daten für den Studienbericht berücksichtigt. Ein Fokus bestand in der Befolgung der Vorgaben durch Good Clinical Practice (GCP) für das Datenmanagement und die Langzeitspeicherung. Dabei wurden eigene Erfahrungen mit CDISC, bestehende Implementationen und zukünftige Entwicklungen berücksichtigt. Exemplarisch wurde der TMF einer typischen kleinen, mittleren und großen klinischen Studie auf Dokumententyp, Vorhandensein einer Unterschrift, Art der Erstellung und Dokumenten-Format hin untersucht und die Konsequenzen dieser Vorgaben für die elektronische Archivierung erfasst.

Ergebnisse

Im Problem der elektronischen Archivierung von klinischen Studien kommen die Bereiche der Dokumenten orientierten Archivierung, wie sie auch in der klinischen Versorgung (Archivierung der elektronische Patientenakte) und die Archivierung von Forschungsdatenbanken zusammen. Aus beiden Bereichen sind für das Thema der Archivierung klinischer Studien nur mit Einschränkungen Lösungen zu finden, da in der klinischen Forschung besondere Bedingungen vorherrschen: einerseits ein seltener Zugriff auf die archivierten Daten (nur für Audits durch Behörden), andererseits die Notwendigkeit eine Vielzahl unterschiedlicher Daten und Dokumente zu speichern und strenge Vorgaben durch Gesetze (AMG, GCP) zu beachten. Überwiegend findet in den Verbünden der Telematikplattform eine Mischarchivierung statt, wobei der TMF Papier basiert archiviert wird und die Studiendatenbank und eventuell spezifische Dokumente (z.B. Präsentationen, Validierungsdokumente) auf elektronische Weise als PDF oder XML. Je nach der Art der klinischen Studie kann der TMF unterschiedlich aufgebaut sein und stark im Umfang variieren. So besitzt der TMF einen zentrumsspezifischen Teil der mit der Anzahl der beteiligten Studienzentren zwangsläufig anwächst. Unsere Analyse zeigte, daß der Umfang der zentrumsspezifischen Dokumentation zudem stark von der Anzahl der rekrutierten Patienten, der Anzahl an Nebenwirkungsmeldungen und der Anzahl an Queries abhängt. Die Anzahl und Art der Dokumente, insbesondere die Korrespondenz, unterscheidet sich beträchtlich zwischen unterschiedlichen Studien. Emails machen einen wachsenden Anteil hierbei aus.

Der Export der Studiendaten als ODM aus Studienmanagementsystem zum Zweck der Archivierung oder um eine veraltete Studiensoftware (Legacy System) zu ersetzen wird häufig schon routinemäßig durchgeführt [4], [5]. Trotzdem, ODM ist, bedingt durch seine verschachtelte hierarchische Struktur und die Größe der XML-Datei, eine schwerfällige Datenbank und es gibt keine einfache Möglichkeit der Verknüpfung der heterogenen Dokumentation des TMFs (z.B. als TIFF oder PDF) mit den Studiendaten im starren ODM-Format. Außerdem werden für Berichterstellung, Metaanalyse und Behörden-Einreichung die Studiendaten zunehmend in das analysefreundliche SDTM umgewandelt und in einem entsprechenden Datenspeicher vorgehalten.

Diskussion

Die elektronische Archivierung von klinischen Studien stellt, bedingt insbesondere durch die Komplexität und Größe des TMFs eine besondere Herausforderung da. Das Problem liegt nicht so sehr in der Digitalisierung einer Vielzahl an Dokumenten sondern in der Integration und der Anbindung der Dokumente an die Studiendatenbank. ODM bietet zwar effektive Möglichkeiten zur Archivierung der Studiendatenbank, zeigt aber noch Mängel, insbesondere für die gemeinsame Archivierung von Daten und Dokumenten. Es gibt noch keine überzeugende Möglichkeit die Vielfalt der TMF Dokumente, die Email Korrespondenz und die Studiendatenbank gemeinsam zu archivieren. Die Weiterentwicklung von ODM betrifft zudem Bereiche der Studiendatenbank, wie z.B. die Repräsentation logischer Regeln und Validierungsregeln, Query Management, Möglichkeiten eines Patientenzugriffs auf Daten, Feld basierte Verschlüsselung und ODM basierte Anonymisierung. Die für eine rechtssichere Archivierung elektronischer Dokumente empfohlene qualifizierte elektronische Signatur spielt bei CDISC noch keine Rolle, wobei z. B. noch nicht feststeht auf welcher Ebene von ODM eine Signatur überhaupt erfolgen sollte. Der Aufwand für eine qualifizierte elektronische Signatur, die gesetzeskonform dem Schutz der archivierten Dokumente und Daten vor Manipulation dient, ist für die akademische Forschung enorm. Aber nur eine qualifizierte elektronische Signatur würde die Archivierung mit der nachfolgenden Vernichtung der aufwändig zu haltenden Papierdaten, also der Archivierung elektronischer "Source Dokumente" erlauben. Zwei Entwicklungen bei CDISC [6] werden aber Auswirkungen auf die Studienarchivierung haben: die Weiterentwicklung von ODM im Bereich „eCRF-Submission“ (CRFs als PDF-Dokumente) und insbesondere der Einsatz von „Electronic Source Data“ (die Erfassung klinischer Studiendaten aus der Patientenakte heraus). Von der „CDISC Electronic Source Data Interchange (eSDI)“ Gruppe [7] wird die direkte Extraktion von Daten aus der Patientenakte beschrieben, wobei ODM für die Archivierung der elektronischen Daten im Studienzentrum dienen soll. Der „Healthcare Link“ von CDISC soll Anbietern von elektronischen Patientenakten die Möglichkeit der Archivierung von Source Dokumenten unter Berücksichtigung von ODM bieten. Hier könnte eventuell über die elektronischen Patientenakte eine Möglichkeit zur Einbindung der Source Dokumente des TMFs mit den Studiendaten über ODM und einer gemeinsamen Archivierung bestehen.


Literatur

1.
Leitline zur Guten Klinischen Praxis (CPMP/ICH/135/95), konsolidierte ICH-Leitlinie, Stufe 4 vom 1. Mai 1996, Übersetzung durch das BPI und VFA, 1997
2.
Semler SC. Archivierungsaspekte aus Sicht der klinischen Forschung – Archivierung von Forschungsunterlagen, Hannöversche Archivtage, 21. Treffen der GMDS AG AKU, Vortrag 16. Juni 2005
3.
Cassells S. The Data Archiving Challenge. Vortrag 22.5.2001
4.
Kubick W. Using the CDISC Operational Data - Model as an e-Archiving Solution, CDISC, Vortrag 22. Oktober 2002
5.
Kubick W. Case Study: Applying CDISC Standards to Replace a Legacy Clinical Data Management System. CDISC European Interchange 2005, Vortrag 8 Mai 2005
6.
Hardison CD. The State of the CDISC Union, CDISC International Interchange, Bethesda, USA, 2. Oktober 2007
7.
CDISC Electronic Source Data Interchange (eSDI) Group. Leveraging the CDISC Standards to Facilitate the use of Electronic Source Data within Clinical Trials, Version 1 vom 20. 11.2006