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53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

Die Analyse epidemiologischer Daten unter dem Aspekt möglicher Korrelationen mit verschiedenen Klimafaktoren am Beispiel der Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) in Baden-Württemberg

Meeting Abstract

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  • Valeria Schick - Universität Stuttgart, Stuttgart, Deutschland
  • Günter Pfaff - Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, Stuttgart, Deutschland
  • Wolf Dieter Blümel - Institut für Geographie, Universität Stuttgart, Stuttgart, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocP-16

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds047.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Schick et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Die bisherige Darstellung der FSME-Verbreitung bzw. der Risikogebiete erfolgt auf Kreisebene und basiert auf den gemäß dem IfSG an das RKI übermittelten FSME-Erkrankungsdaten. Zur Abschätzung des Infektionsrisikos wurden bis zum Jahr 2006 die absoluten Fallzahlen verwendet. Seit 2006 dient nun die Fünfjahresinzidenz zur Abschätzung des Risikos in den einzelnen Landkreisen. Problematisch bei dieser Art der Risikoabschätzung kann sich der Zusammenhang von Inzidenz und Impfstatus auswirken. So kann eine steigende Impfquote ein Sinken der Inzidenz bei gleichbleibendem Infektionsrisiko im Naturherd zur Folge haben.

Die Kenntnisse über den Impfstatus der Bevölkerung und somit den Durchimpfungsgrad sind sehr begrenzt. So ist die Durchimpfungsrate besonders exponierter Risikogruppen (z.B. Waldarbeiter) heute sehr hoch. Sie fallen aus diesem Grund als Indikator für das Infektionsrisiko in einem bestimmten Gebiet weg.

Seit Januar 2001 werden die FSME-Fälle nach dem Infektionsschutzgesetz gemeldet und die Daten liegen für Deutschland in elektronischer Form auf Kreisebene vor. Zusätzliche Angaben zum wahrscheinlichen Infektionsort und -datum wurden für diese Untersuchung - soweit möglich - erfasst. An Hand dieser Angaben können Aussagen zu lokalen und saisonalen Häufungen getroffen werden. Des Weiteren lässt sich die zeitliche Entwicklung der Verteilung der Fälle von 2001 bis 2007 verfolgen.

Die FSME ist eine vektorgebundene Infektionskrankheit. In Baden-Württemberg ist der wichtigste Überträger Ixodes ricinus, der Gemeine Holzbock. Diese Zeckenart wird auf unterschiedliche Art und Weise vom Klima beeinflusst. Zum einen direkt und zum anderen indirekt über ihr Habitat, die Wirts- und Reservoirtiere.

Problematisch für die geplante Untersuchung ist der Umstand, dass in Bereichen die sich besonders als Habitat für Ixodes ricinus eignen, nicht zwingend das FSME-Virus auftritt.

Der Mensch ist für die Zecken nicht der gängige Wirt, da die Zecken beim Befall eines Menschen in der Regel getötet werden. Der Lebenszyklus der Zecke und somit auch der Vermehrungszyklus des Virus endet hier. Der Mensch wird somit nur zufällig in den Vermehrungszyklus des FSME-Virus mit einbezogen, der mit einer Infektion abbricht.

Die Zahl der FSME-Fälle in einem Gebiet ist nicht nur abhängig vom allgemeinen Infektionsrisiko, welches durch die Gegebenheiten im Naturherd bedingt ist, sondern vor allem vom Verhalten der Bewohner.

Aus den vorangegangenen Betrachtungen wurden die nachfolgenden Fragestellungen abgeleitet, die im Zuge dieser Arbeit beantwortet werden sollen:

  • Kann die Schärfe der Darstellung von FSME-Verbreitungskarten verbessert werden?
  • Treten lokale Häufungen von FSME-Fällen auf?
  • Treten zeitliche (saisonale) Häufungen von FSME-Fällen auf?

Material und Methoden

Die Analyse/Interpretation und Visualisierung der Ergebnisse erfolgt mittels eines GIS (hier: ArcGis 9 von ESRI). In die Auswertung wurden neben den Daten zu gemeldeten FSME-Fällen in Baden-Württemberg auch Klimadaten des Deutschen Wettedienstes (DWD) einbezogen.

Ergebnisse und Diskussion

Auf Basis der durch diese Analyse gewonnenen Ergebnisse sollen nach Möglichkeit genauere Aussagen über die räumliche Verbreitung der FSME in Baden-Württemberg getroffen werden können. Ein Fernziel dieser Arbeit wäre die Ergebnisse dieser Arbeit als Grundlage für weiterführende Untersuchungen zu nutzen und möglicherweise eine präzisere FSME-Risikokarte zu erstellen.

Die Darstellung der FSME-Verbreitung bzw. der Risikogebiete auf Kreisebene erscheint zu unscharf, da Landkreise in der Regel nicht nur in einem Naturraum liegen und somit größere Unterschiede in ihrer Ausstattung bezüglich verschiedener Umweltfaktoren (Z.B. Klima, Vegetation, Relief, etc.) aufweisen. So erstreckt sich beispielsweise der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald von der Rheinebene bis in die zentralen Bereiche des Hochschwarzwalds. Dies führte zu der Überlegung, die Darstellung der FSME-Verbreitung auf Gemeindeebene zu analysieren.

Betrachtet man die Verteilung der FSME-Fälle auf Gemeindeebene, so fällt auf, dass sich die Fälle an der Westseite des Schwarzwalds von Freiburg bis Karlsruhe und an den Rändern des Nordschwarzwaldes häufen. Weitere Gebiete mit Häufungen von FSME-Fällen sind der Bereich des Odenwaldes bei Heidelberg, die Gäuflächen zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, das Gebiet südlich von Schwarzwald und Schwäbischer Alb und die Bodenseeregion (siehe Abbildung). Auffällig ist auch die Tatsache, dass sowohl im zentralen Bereich des Schwarzwalds wie auch im gesamten Bereich der Schwäbischen Alb praktisch keine FSME-Fälle aufgetreten sind. Es sind also klar lokale Häufungen von FSME-Fällen sowie Gebiete ohne FSME-Meldungen in Baden-Württemberg zu erkennen. Worin die Gründe und Ursachen für diese Verteilungsdifferenzen liegen, gilt es in weiteren Untersuchungen herauszufinden.

Durch die Analyse der FSME-Meldedaten von 2000-2007, die an das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg übermittelt wurden, wurden verschiedene Auffälligkeiten deutlich:

Die Auswertung der gemeldeten FSME-Fallzahlen der einzelnen Jahre ergab deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Jahren. Die Betrachtung des vermuteten Infektionsdatums ergab zusätzlich klare saisonale Häufungen in den Sommermonaten. Diese jahreszeitlichen Auffälligkeiten legen die Vermutung nahe, dass das Auftreten von FSME mit den meteorologischen Verhältnissen der Jahreszeiten korreliert. Um diese Vermutung zu untermauern werden die Klimadaten (Temperatur, rel. Luftfeuchte und Niederschlag) für Baden-Württemberg im Zeitraum 2000-2007 analysiert und mit den Meldedaten verglichen. Diese Klimaelemente beeinflussen das Aktivitätsoptimum der Zecken aber bis zu einem gewissen Grad auch das menschliche Verhalten.