gms | German Medical Science

53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

Die Bedeutung von Wikis im Wissensmanagement

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • Benedikt Irsch - FH Trier, Trier, Deutschland
  • Christopher Terfehr - FH Trier, Trier, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocP-14

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds045.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Irsch et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Beeinflusst durch den Knowledge-(Wissens-)Management-Hype in den Neunzigern gab es einen wahren Run auf Knowledge-Management Systeme. Wissen wird als eine wichtige, wenn nicht als „die wichtigste“ Ressource in Unternehmen angesehen. Eine Unzahl an Systemen überschwemmte daraufhin den Software-Markt. Doch schon bald kehrte Ernüchterung ein. Es stellte sich heraus, dass Wissensmanagement weniger ein technisches, sondern vielmehr ein psychologisches Problem ist. Das Wissen aus ihren Köpfen in das Intranet zu transferieren, war schwieriger als erwartet. So werden in vielen Unternehmen, die intelligenten und wissensfördernden Knowledge-Managementsysteme kaum verwendet. Ein Jeder hat jedoch in einem solchen System die Möglichkeit sich gewinnbringend einzusetzen. Man kann, unabhängig von seiner Rolle, Texte beitragen, modifizieren, erweitern und auch löschen. Als Anwender reicht ein Web-Browser. Formatierungen und Hyperlinks werden über die schnell zu erlernende Wiki-Syntax direkt eingefügt (Fähigkeiten des Web 2.0). Aber welche Auswirkungen hat diese Entwicklung für das Wissenmanagement in Unternehmen und Projektgruppen [1]?

Wiki ist eine neue Technologie

Wiki, abgeleitet vom Hawaiianischen wiki wiki (schnell), ist eine Technologie zum Management von Inhalten, die im Intranet oder Internet betrieben werden kann. Durch die Nutzung der Wiki-Technologie wird es ermöglicht, dass eine eingegrenzte Benutzergruppe, bzw. bei öffentlicher Nutzung im Internet, alle Besucher die Inhalte nicht nur lesen, sondern diese ohne große Vorkenntnisse auch direkt im Browser bearbeiten und ergänzen können. Im Gegensatz zu den weit verbreiteten Content-Management-Systemen heißt das, dass alle zugelassenen Leser auch gleichzeitig Redakteure der Inhalte sind. Das System wächst durch das Hinzufügen neuer Inhaltsseiten die mit bestehenden Inhalten verknüpft werden können. Auch das Hinzufügen von Mediendateien und Dokumenten (z.B. pdf) sowie die Verlinkung zu externen Informationsquellen ist möglich. Durch eine Volltextsuche, sowie über das Navigieren durch die verknüpften Inhalte können Wiki‘s schnell erschlossen und zur eigenen Aufgabenlösung eingesetzt werden.

Wiki-Wissensmanagement

Unter Wiki-Wissensmanagement versteht man allgemein Konzepte, welche die Möglichkeiten und Vorteile der Wiki-Technologie gezielt einsetzen, um wissensbezogene Problemstellungen in Teams oder Unternehmen zu lösen. Im Fokus des Wiki-Wissensmanagements stehen hier Problemstellungen, die den Aufbau und die Pflege einer gemeinsamen Wissensbasis der Mitarbeiter erfordern. Dies kann z.B. entscheidend bei der effizienten Erfüllung von Aufgaben sein, die während der Zusammenarbeit in Projekten, in Abteilungen, in Bereichen, in Funktionen, in Prozessen oder im gesamten Unternehmen ausgeführt werden müssen.

Der Begriff Wiki kann dementsprechend auch als Wissens- und Kompetenzintegration aufgefasst werden.

Durch die Ausschöpfung der Wiki-Technologie wird erreicht, dass in kürzester Zeit eine Wissensgrundlage geschaffen wird, die sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln kann. Wiki-Wissensmanagement erreicht die Integration von Wissen und Kompetenz zu einer gemeinsamen Wissensbasis dabei durch die gezielte Unterstützung der Zusammenarbeit der Mitarbeiter im Hinblick auf gemeinsame und persönliche Zielsetzungen.

Ein weiterer Vorteil der für den Einsatz eines Wiki- Systems ist die Mitarbeitermotivation. Durch die Nutzung dieser Technologie, die es den Mitarbeitern ermöglicht ihr Wissen mit Anderen zu teilen, entsteht ein psychologischer Anreiz sich einzubringen. Unter diesem Hintergrund entsteht eine gemeinsame Wissensbasis. Als Schlüsselfaktoren für eine gesteigerte Mitarbeitermotivation werden folgende genannt [2]:

  • alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit zu Wissensredakteuren werden,
  • ohne Einarbeitung kann schnell gestartet werden,
  • bestehende Inhalte können sofort verändert und ergänzt werden,
  • dadurch weisen Inhalte eine hohe Aktualität auf, und
  • können schnell zur eigenen Problemlösung und Aufgabenunterstützung eingesetzt werden.

Für wen ist die Nutzung interessant?

Der Einsatz von Wiki-Wissensmanagement eignet sich für alle Unternehmen und Projektgruppen, die ein Instrument zur Unterstützung der effizienten Aufgabenerfüllung suchen. Auch hilft ein solches System bei der Bewahrung und Pflege wertvollen Insiderwissens und dem Schutz der Kernkompetenzen des Unternehmens. So ist beim Ausscheiden eines Leistungsträgers aus dem Unternehmen sein Wissen und seine Erfahrung auch weiterhin abrufbar.

Ein eigenes Wiki

Beim Wiki-Wissensmanagement können grundsätzlich drei Herangehensweisen unterschieden werden:

1.
Vom persönlichen Wissensmanagement zu einer gemeinsamen Wissensbasis, d.h. man stellt den Mitarbeitern zunächst die Wiki-Technologie zur Organisation des eigenen Wissens zur Verfügung. Durch die Volltextsuche haben Mitarbeiter aber auch Zugriff auf die Wissensbestände anderer Mitarbeiter. Mit der Zeit wachsen die persönlichen Wissensbasen durch Überschneidungen zu einer gemeinsamen Wissensbasis der Abteilung, des Bereichs oder des Unternehmens zusammen.
2.
Die gezielte Unterstützung von selten ausgeführten aber wichtigen Aufgabenstellungen, beispielsweise die Erstellung des jährlichen Lage- und Geschäftsberichts von Aktiengesellschaften.
3.
Die gezielte Unterstützung bestimmter organisatorischer Aufgabenstellungen, beispielsweise im Rahmen von Projekten, Abteilungen oder Funktionen, die eine gemeinsame Wissensbasis der Mitarbeiter erfordern [1].

Literatur

1.
Alexander Raabe. Social Software im Unternehmen. Wikis und Weblogs für Wissensmanagement und Kommunikation. Vdm Verlag; 2007.
2.
Volker Bach, Peter Vogler, Hubert Österle. Business Knowledge Management. Springer Verlag; 1999.
3.
Thomas A. Stewart. Der vierte Produktionsfaktor. Carl Hanser Verlag; 1998.