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53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

Angaben älterer Patienten zu Impfangelegenheiten und ihrem Impfschutz – eine Querschnittsuntersuchung in hausärztlichen Praxen

Meeting Abstract

  • Dirk Moßhammer - Uni-Klinikum Tübingen, Tübingen, Deutschland
  • Dino Novak - Ärztekammer, Abteilung Fortbildung, Berlin, Deutschland
  • Iris Zöllner - Landesgesundheitsamt Stuttgart, Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung, Stuttgart, Deutschland
  • Gernot Lorenz - Uni-Klinikum Tübingen, Tübingen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocP-4

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds029.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Moßhammer et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Da es in Deutschland keine zentrale Dokumentationsstelle für Erwachsenenimpfungen gibt, muss anhand von Stichproben (z. B. von Bevölkerungsumfragen oder sero-epidemiologischen Untersuchungen) auf den Impf- und Immunstatus der Bevölkerung geschlossen werden. Dabei finden sich die größten Impflücken bei Erwachsenen [1]. Beispielsweise sind nach einer deutschlandweiten Telefonumfrage des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahre 2003 rund 36 Prozent der Zielgruppe gegen Influenza geimpft [2]. Nach Schätzungen einzelner niedergelassener Praxen entsprechen bei ca. 40 Prozent der Patienten die Immunisierungen nicht dem aktuellen Stand der Ständigen Impfkommission [3]. Solide Daten über den Impfschutz hausärztlicher Patienten sind jedoch spärlich.

Zur Schließung möglicher Impflücken kann demnach die Kenntnis der Angaben hausärztlicher Patienten zu ihrem Impfschutz wertvoll sein. Diese wurden in einer Querschnittsuntersuchung bei älteren (über 62-jährigen) Patienten erhoben, die in den letzten zwei Jahren mindestens zwei Hausarztkontakte hatten.

Material und Methoden

Die Querschnittsuntersuchung wurde während des zweiwöchigen Blockpraktikums Allgemeinmedizin in 140 allgemeinmedizinischen Lehrarztpraxen der Universität Tübingen durchgeführt. Alle 140 Studierenden wurden im einleitenden Seminar gebeten, während des Blockpraktikums an jeweils fünf zufällig ausgewählte Patienten einen standardisierten Fragebogen auszuhändigen und diesen nach Bearbeitung durch den Patienten einzusammeln und im ausleitenden Seminar beim Seminarleiter abzugeben. Anhand des Fragebogens wurden sozioökonomische Daten und Daten zu Impfangelegenheiten sowie die Kenntnis über den Impfschutz verschiedener Impfungen erfragt. Die Teilnahme war freiwillig; die Ethikkommission gab ihr positives Votum.

Ergebnisse

Die Beteiligungsrate der Studierenden und der Patienten war mit 84 bzw. 97 Prozent sehr hoch. So konnten impfbezogene Daten von 557 Patienten (54 Prozent weiblich, n=305; Durchschnittsalter 72 Jahre, 91 Prozent deutsch, n=507) erhoben werden. Tabelle 1 [Tab. 1] listet allgemeine und Daten zu Impfangelegenheiten auf. Die Angaben der Patienten zu ihrem Impfschutz sind in Tabelle 2 [Tab. 2] dargestellt.

Diskussion

Die Daten reflektieren, dass die Mehrheit dieser über 62-jährigen, hausärztlichen Patienten hauptsächlich ärztlichen Kontakt mit dem Hausarzt (96%) haben, von diesem an Impfungen erinnert (65%) und geimpft (71%) worden sind. Allerdings besitzt jeder fünfte Patient dieser Altersgruppe keinen Impfausweis.

Bemerkenswert ist die Angabe der Durchimpfungsrate hausärztlicher Patienten bei Influenza, die annähernd dem angestrebten Ziel der World Health Organization und US-amerikanischer Bestrebungen (Healthy People 2010) von 75 bzw. 90 Prozent entspricht; allerdings belaufen sich die Angaben über die gesamtdeutsche Durchimpfungsrate für Influenza bei Patienten über 60 Jahre derzeit auf ca. 50 Prozent [4].

Unter den Beweggründen von Bundesbürgern für und gegen eine Impfung findet sich die Empfehlung vom Hausarzt bzw. das Fehlen einer solchen Empfehlung [4]. Für Diphtherie, Pneumokokken und FSME scheint das Bewusstsein, dass es sich um Standardimpfungen handelt, nicht ausreichend verbreitet. Dieses könnte durch systematische und gezielte Ansprache und Aufklärung der Patienten durch die Hausarztpraxis im Rahmen der hohen Kontaktdichte (69 Prozent haben mehr als 10 Arztkontakte in zwei Jahren) erreicht werden.


Literatur

1.
Reiter S; Robert Koch Institut. Ausgewählte Daten zum Impf- und Immunstatus in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 2004; 47:1144-150.
2.
RKI. Influenza-Schutzimpfung: Impfstatus der erwachsenen Bevölkerung Deutschland. Bundesweite Querschnittsuntersuchung zur Situation in der Saison 2003/2004. Epidemiol Bull 2004; 14:113-117.
3.
Piesold V. Impflücken werden größer. Deutsches Ärzteblatt 2007; 48:2922.
4.
Szucs TD. Grippeimpfung in Deutschland – eine bevölkerungsbezogene Querschnittsanalyse der drei Influenzasaisons von 2002 bis 2005. Med Klinik 2006; 101:537-45.