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53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

Prognostische Wertigkeit, klinische Relevanz und Kosten-Effektivität des hochsensitiven C-reaktiven Proteins als Marker für Herzinfarktgefährdung

Meeting Abstract

  • Petra Schnell-Inderst - Universität Duisburg-Essen, Essen, Deutschland
  • Ruth Schwarzer - UMIT, Hall in Tirol, Österreich
  • Norma Grandi - UMIT, Hall in Tirol, Österreich
  • Kristin Grabein - Universität Duisburg-Essen, Essen, Deutschland
  • Björn Stollenwerk - UMIT, Hall in Tirol, Österreich
  • Volker Klauss - Universität München, München, Deutschland
  • Jürgen Wasem - Universität Duisburg-Essen, Essen, Deutschland
  • Uwe Siebert - UMIT, Hall in Tirol, Österreich

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocEPI2-4

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds009.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Schnell-Inderst et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Bei einem erheblichen Anteil der Patienten (≥ 25 %) mit koronarer Herzkrankheit (KHK) stellt ein Herzinfarkt oder der plötzliche Herztod ohne vorausgehende Symptome die Erstmanifestation der Erkrankung dar. Eine Verwendung von neuen Risikomarkern für die koronare Herzkrankheit (KHK) wie die des hochsensitiven C-reaktiven Proteins (hs-CRP) zusätzlich zu den bekannten Risikofaktoren könnte eine bessere Vorhersage der KHK ermöglichen. In Folge der veränderten Risikoeinschätzung könnten modifizierte Präventionsmaßnahmen zu einer Verminderung von kardialen Todesfällen und nicht-tödlichen Herzinfarkten führen.

Fragestellung

Führt die zusätzliche Information durch die Messung des hs-CRP bei asymptomatischen Personen zu einer klinisch bedeutsamen Verbesserung der Risikoprädiktion gegenüber der Risikoprädiktion mit den traditionellen Risikofaktoren und ist der Einsatz von hs-CRP kosteneffektiv?

Methoden

Der Health Technology Assessment-Bericht wurde im Auftrag von DAHTA@DIMDI durchgeführt. Für die Bewertung des medizinischen Nutzens wurden populationsbasierte prospektive Beobachtungsstudien mit Prädiktionsmodellen, die die zusätzliche Vorhersagekraft von hs-CRP bei asymptomatischen Personen untersuchten und Assoziationsmaße und Maße für die Testgüte berichteten, eingeschlossen. Ferner wurden Interventionsstudien oder Modellierungen sowie gesundheitsökonomische Evaluationen zum CRP-Screening eingeschlossen. Es wurde eine systematische Literaturrecherche in den elektronischen Datenbanken des DIMDI durchgeführt. Die Selektion der Literatur wurde von mindestens zwei Bearbeitern unabhängig voneinander durchgeführt, die Studienqualität anhand von standardisierten Checklisten bewertet. Extrahierte Assoziationsmaße umfassten relatives Risiko und die Fläche unter der ROC-Kurve (AUC) nach Kontrolle von relevanten Kovariablen. Die Ergebnisse der eingeschlossenen Studien wurden systematisch in Evidenztabellen präsentiert.

Ergebnisse

Es wurden acht Publikationen zur prädiktiven Wertigkeit [1], [4], [7], [8], [9], [10], [11], [12], eine Publikation zur klinischen Effektivität [2] und drei gesundheitsökonomische Modellierungen [1], [6], [5] identifiziert. In den sieben Studienpopulationen der Prädiktionsstudien waren erhöhte CRP-Spiegel fast durchgängig mit einem erhöhten Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis bzw. für einen nicht-tödlichen Myokardinfarkt oder einen kardialen Tod bzw. schweren kardiovaskulären Ereignissen assoziiert. Die gegenüber den traditionellen Risikofaktoren adjustierten Effektschätzer zeigten eine moderate unabhängige Assoziation zwischen CRP und kardialen bzw. kardiovaskulären Ereignissen mit Effektschätzern (OR, RR oder HR) zwischen 0,7 und 2,47. Bei sechs von sieben Studien war durch das Hinzufügen von CRP zu den Regressionsmodellen mit den etablierten Risikofaktoren in geringem Ausmaß ein AUC-Anstieg zu beobachten, in drei Fällen ohne statistische Signifikanz. Die Differenzen der Modelle mit und ohne CRP lagen zwischen 0,00 und 0,027 mit einem Median von 0,003. Eine entscheidungsanalytische Modellierung berichtete einen vergleichbaren Gewinn an Lebenserwartung für eine Statintherapie bei erhöhtem CRP-Spiegel und normalem Lipidspiegel wie bei erhöhtem Lipidspiegel (ca. 6,6 Monate bei 58-jährigen). Zwei entscheidungsanalytische Modelle (drei Publikationen) zur Kosteneffektivität berichteten inkrementelle Kosten-Effektivitätsrelationen zwischen 8665 und 49835 Euro pro gewonnenem Lebensjahr (deutscher Kontext) und zwischen 52005 bis 708391 Euro pro gewonnenem Lebensjahr (US-amerikanischer Kontext). Die empirische Datenbasis der Modelle ist mit großer Unsicherheit behaftet.

Schlussfolgerung

Es liegt derzeit keine ausreichende Evidenz dafür vor, dass bei der globalen Risikobestimmung für eine KHK zusätzlich zu den traditionellen Risikofaktoren der hs-CRP-Wert bestimmt werden sollte. Eine zusätzliche Bestimmung des CRP-Wertes erhöht die inkrementelle prädiktive Wertigkeit der Risikovorhersage. Ob diese Erhöhung klinisch relevant ist, so dass daraus eine relevante Verminderung der kardialen Morbidität und Mortalität resultiert, ist nicht abschließend geklärt. Eine Unterstützung der Entscheidung, ob eine zusätzliche Statintherapie zur Primärprävention durchgeführt werden soll, durch eine Bestimmung des hs-CRP-Wertes erscheint grundsätzlich am ehesten bei Personen mit mittlerem kardiovaskulärem Risiko (5-20% in 10 Jahren) klinisch relevant. Die Frage, ob eine Statintherapie bei asymptomatischen Personen mit normalen Lipid- aber erhöhten CRP-Spiegeln das Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse reduzieren kann, wird derzeit in einer großen randomisierten Studie untersucht, deren Ergebnisse abgewartet werden sollten.

Die Frage der Kosteneffektivität eines generellen oder auch auf die Personen mit normalen Lipidspiegeln begrenzten CRP-Screenings ist derzeit ungeklärt.


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