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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Migrationssensible Datenerhebung für die Gesundheitsberichterstattung (GBE)

Meeting Abstract

  • Caren Weilandt - WIAD Wissenschaftliches Institut der Ärzte Deutschlands, Bonn
  • Jeffrey Butler - Bezirksamt Mitte, Berlin
  • Niels-Jens Albrecht - Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg
  • Gabriele Ellsäßer - Landesgesundheitsamt Branenburg, Wünschdorf
  • Maria Gavranidou - Fachstelle Migration und Gesundheit, München
  • Monika Habermann - Hochschule Bremen, Bremen
  • Jutta Lindert - Evangelsiche Fachhochschule, Reutlingen

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds942

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds942.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Weilandt et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Die amtliche Statistik, auf die sich die GBE in erster Linie bezieht, enthält wenige Informationen über Gesundheit und soziale Lage von Migrant/innen. Zudem fehlen oft Informationen zur räumlichen Zuordnung, die v.a für die kommunale und Landesgesundheitsberichterstattung wichtig sind. Die Erhebung solcher Merkmale ist nicht in der gesetzlichen Grundlage der wichtigsten Datenquellen für die GBE enthalten. Das Merkmal Staatsangehörigkeit, das sporadisch in der Statistik enthalten ist, wird immer weniger aussagekräftig hinsichtlich eines Migrationshintergrundes ist. Dies erschwert die Adressierung von gesundheitlichen Ungleichheiten mit präzisen Maßnahmen.

Methoden: Es wurde eine Bestandsaufnahme der wichtigsten Datenquellen für die Gesundheitsberichterstattung vorgenommen. Hierbei wurden jeweils die Merkmale aufgeführt, die möglicherweise für die Bestimmung der sozialen Lage, des Migrationshintergrundes und der örtlichen Zuordnung der anonymisierten Personendaten verwendet werden können. Anhand von Empfehlungen für die Erfassung des Migrationsstatus in epidemiologischen Untersuchungen konnte festgestellt werden, welche Indikatoren in den jeweiligen Quellen fehlen. Anschließend werden „good practice“ Beispiele vorgestellt, die sich lokal bewährt haben oder als Pilotprojekte durchgeführt werden.

Ergebnisse: Abgesehen von Bevölkerungsdaten, die anhand der Einwohnermelderegister sehr detailliert und kleinräumig verfügbar sind, können gesundheitsrelevante Routinedaten nur begrenzt nach der Staatsangehörigkeit unterschieden werden und dann oft nur nach „deutsch“ und „nicht-deutsch“. In diese Kategorie fallen die Todesursachenstatistik, die Geburtenstatistik, der Mikrozensus, die Arbeitslosenstatistik und die Sozialhilfestatistik. Andere potentielle Quellen erheben nicht einmal das Merkmal „Staatsangehörigkeit“ (auch nicht “deutsch” und “nicht-deutsch”). Hierunter fällt insbesondere die amtliche Krankenhausdiagnosestatistik. Es gibt sehr wenige amtlichen Statistiken, die Informationen zur gesundheitlichen Lage, zum Migrationsstatus und zur sozialen Lage enthalten. Wenige gesundheitsrelevante Statistiken enthalten Indikatoren des Migrationsstatus, die über die Staatsangehörigkeit hinausgehen.

Schlussfolgerungen: Die Tatsache, dass wichtige epidemiologischen Informationen in vielen Quellen der Gesundheitsberichterstattung fehlen, führt dazu, dass die GBE nicht uneingeschränkt als Datenbasis für eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung, -planung und -förderung benutzt werden kann.