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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Kleinräumige Analyse der Prostatakrebsinzidenz – ein Indikator für graues Screening?

Meeting Abstract

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  • Ron Pritzkuleit - Institut für Krebsepidemiologie, Lübeck
  • Alexander Katalinic - Institut für Krebsepidemiologie, Lübeck

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds893

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds893.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Pritzkuleit et al.
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Gliederung

Text

Einleitung/Hintergrund: Das Prostatakarzinom ist mit jährlich fast 50.000 Neuerkrankungen der häufigste Tumor des Mannes in Deutschland. Die Inzidenz stieg in den letzten 20 Jahren kontinuierlich an. Ab dem Diagnosejahr 2004 scheinen die Neuerkrankungszahlen leicht zu sinken [1]. Ein solch wechselnder Inzidenzverlauf wird häufig im Zusammenhang mit der Einführung von Screeningmaßnahmen beobachtet. Im Jahre 2002 wurde die Leitlinie zur PSA-Bestimmung in der Prostatakarzinomdiagnostik konsertiert. Es ist unklar wie häufig dieses Verfahren eingesetzt wird. Steigende Inzidenzraten und eine Verschiebung zugunsten prognostisch günstigerer Tumorstadien können Indikator für die Nutzung der PSA-Bestimmung in der Form eines grauen Screenings sein.

Material und Methoden: Die Krebsregisterdaten Schleswig-Holsteins 1999-2004 wurden in Phasen eingeteilt – Phase I vor der Leitlinie (99-01), Phase II: Implementierung (02-03), Phase III: Routine (04). Die Daten wurden mit der ScanStatistic (SaTScan [2]) auf regionale Häufungen untersucht. Anschließend wurde für die gefundenen Gebiete die Tumorstadienverteilung ausgewertet.

Ergebnisse: Die europastandardisierten Inzidenzraten steigen bis 2003 und fallen dann ab (Phase I: 95,7; II: 125,6; III: 108,5 jeweils pro 100.000), gleichzeitig steigt der Anteil an T1-Tumoren (I: 16,9%; II: 19,4%; III: 26,1%; p<0,05).

Es konnten für alle drei Zeiträume Gebiete identifiziert werden, in denen die Inzidenz statistisch signifikant erhöht war, wobei die Gebiete einander nicht entsprechen.

Beim Vergleich des T1-Anteils zwischen den gefundenen Gebieten und dem Rest des Landes zeigt sich in Phase I kein signifikanter Unterschied, in Phase II ein signifikant geringer Anteil (5,7 Prozentpunkte, p=0,003) und in Phase III ein signifikant höherer Anteil (11,1 Prozentpunkte, p=0,002) an T1-Tumoren.

Diskussion/Schlußfolgerungen: Ungeklärt bleibt, ob in Gebieten höherer Inzidenz auch vermehrt die PSA-Bestimmung zum Einsatz kommt. Unterstellt man, dass aufgrund dieses Verfahrens mehr Tumoren gefunden werden, bleibt die Frage warum in Phase II der T1-Anteil zunächst sinkt. Eventuell tritt ein Verzögerungseffekt auf, so dass eine Verschiebung zugunsten prognostisch günstiger Tumoren erst nach einem längeren Zeitraum bevölkerungsbezogen beobachtet werden kann.


Literatur

1.
Katalinic A, Holzmann M, Pritzkuleit R, Gerdemann U, Raspe H. Krebs in Schleswig-Holstein. Inzidenz und Mortalität im Jahr 2004. Lübeck: Schmidt-Römhild, 2006.
2.
Kulldorff M. A spatial scan statistic. Communications in Statistics - Theory and Methods. 1997;26:1481-96.