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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Langzeitstudie zur Evaluation des Modellprojektes: Neugeborenen-Hörscreening in der Oberpfalz und Oberfranken

Meeting Abstract

  • Uta Nennstiel-Ratzel - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim
  • Andreas Nikisch - Ludwig-Maximilians-Universität, München
  • Rüdiger von Kries - Ludwig-Maximilians-Universität, München
  • Inken Brokow - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim
  • Bernhard Liebl - Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, München
  • Manfred Wildner - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim
  • Jürgen Strutz - Universität, Regensburg

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds881

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds881.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Nennstiel-Ratzel et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Eine angeborene hochgradige beidseitige Hörstörung tritt bei ca. 1 von 1000 Lebendgeborenen auf. Das Durchschnittsalter bei Diagnosestellung einer mittel- bis hochgradigen Schwerhörigkeit liegt in Deutschland bei etwa 39 Monaten. Durch ein universelles Neugeborenen-Hörscreening kann das Diagnosealter im Einzelfall deutlich gesenkt und damit die Sprachentwicklung erheblich früher gefördert werden. Wird das Hörscreening nicht im Rahmen eines Programmes durchgeführt, kann die vollständige Erfassung aller Neugeborenen, sowie insbesondere die Durchführung aller notwendigen Kontrolluntersuchungen nicht gesichert werden. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) hat vor Einführung eines universellen Neugeborenen-Hörscreenings den Nachweis der Effektivität des Hörscreenings hinsichtlich des Langzeit-outcomes der betroffenen Kinder gefordert. Das Screeningzentrum des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit führt zur Evaluation der Effektivität des Modellprojektes eine Langzeitstudie durch.

Methode: Nach der Konfirmation der Diagnose Schwerhörigkeit im Rahmen des Modellprojektes werden die Eltern um eine schriftliche Einwilligung zur Langzeitstudie gebeten und erstmals zum ersten Geburtstag, dann einmal jährlich vom Screeningzentrum zur Hörhilfeversorgung, Frühförderung, Hör- und Sprachentwicklung sowie der psychomotorischen Entwicklung des Kindes befragt. Als Kontrollgruppen werden Kinder mit angeborenen Hörstörungen aus der Kohorte der Schulanfänger (Geburt vor Einführung des Modellprojektes) bei der Einschulungsuntersuchung durch das Gesundheitsamt und über die Schwerhörigenschulen rekrutiert. Die Eltern erhalten angepasste Fragebögen.

Ergebnisse: Im Zeitraum von Juni 2003 bis Juni 2006 wurden unter 30.517 gescreenten Kindern 23 mit einer beidseitigen hörgerätepflichtigen Schwerhörigkeit frühzeitig entdeckt, 12 davon nur durch das Tracking des Screeninzentrums. Das Diagnosealter lag im Mittel bei 4,8 Monaten. Von den im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung erfassten Kindern, liegen bislang 42 Fragebögen vor. Das Diagnosealter lag bei 21 dieser Kinder nach dem 18. Lebensmonat (4 Kinder 5Jahre, 5 Kinder 4Jahre). Die Ergebnisse der noch laufenden Erhebung werden bei der Tagung vorgestellt.

Schlussfolgerungen: Das universelle Neugeborenen-Hörscreening verbunden mit den im Rahmen des Modellprojektes etablierten, effektiven Strukturen ermöglicht eine erheblich frühere Therapieeinleitung bei den betroffenen Kindern.


Literatur

1.
Nennstiel-Ratzel U, Arenz S, von Kries R, Wildner M, Strutz J. Modellprojekt Neugeborenen-Hörscreening in der Oberpfalz: Hohe Prozess- und Ergebnisqualität sind nur durch ein interdisziplinäres Konzept erreichbar. HNO 2007;55(2):128-134