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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Acrylamid-Belastung der bayerischen Bevölkerung

Meeting Abstract

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  • Brigitta Kütting - Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin Universität Erlangen - Nürnberg, Erlangen

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds859

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds859.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Kütting.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Acrylamid rückte durch den Nachweis vor allem in kohlehydratreichen Lebensmitteln in den Fokus des umweltmedizinischen Interesses. Daher war es Ziel, umweltmedizinisch relevante Ursachen für eine Acrylamid-Belastung in der Bayerischen Bevölkerung zu identifizieren und diese zu quantifizieren.

Methoden: Im Zeitraum vom 27.05.2003 bis zum 16.01.2004 konnten 1008 freiwillige Probanden aus dem Freistaat Bayern rekrutiert werden und gaben ihr schriftliches Einverständnis zur Teilnahme an der Untersuchung. Alle Probanden wurden gebeten, einen standardisierten, semiquantitativen Fragebogen zu Ernährungsgewohnheiten und zum Rauchverhalten auszufüllen. Zur Expositionserfassung einer Acrylamidbelastung wurde allen Probanden venöses Blut entnommen, um die Hb-Addukte von Acrylamid zu bestimmen.

Die Rekrutierung der Probanden erfolgte durch Werbekampagnen unter Federführung des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Die Ethikkommission der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg erteilte ein positives Votum.

Ergebnisse: Die höchste im Untersuchungskollektiv gemessene Acrylamid-Addukt-Konzentration konnte mit 331,03 pmol/g Globin bei einem männlichen Raucher gemessen werden. Raucher wiesen Acrylamid-Addukt-Konzentrationen zwischen 8,2 pmol/g Globin und 331,03 pmol/g Globin auf (Medianwert: 66,98 pmol/g Globin; Mittelwert: 82,57 pmol/g Globin), wohingegen bei den Nichtrauchern (n=857) Acrylamid-Addukt-Konzentrationen von unterhalb der Nachweisgrenze von 6 pmol/g Globin bis zu einem Spiegel von 103,44 pmol/g Globin reichten (Mittelwert: 28,23 pmol/g Globin; Medianwert: 26,54 pmol/g Globin). Rauchen ist eine wesentliche Belastungsquelle. Insbesondere bei Nichtrauchern ist die Ernährung eine wesentliche Acrylamidbelastungsquelle.

Schlussfolgerung: Neurotoxische Wirkungen sind aufgrund der in der Bayerischen Bevölkerung gemessen Hb-Addukt-Konzentrationen nicht zu erwarten. Für die reproduktionstoxischen Effekte der Substanz Acrylamid sind im Tierversuch um ein vielfaches höhere Dosen als für neurotoxische Effekte erforderlich, so dass auch diese Wirkung auszuschließen ist. Der orale Aufnahmeweg bei umweltmedizinischer Exposition macht irritative und kontaktallergische Wirkungen der Haut ebenfalls unwahrscheinlich. In Bezug auf die mutagene und kanzerogene Wirkung der Substanz Acrylamid kann sowohl aufgrund des Metabolismus der Substanz Acrylamid mit der Gefahr der DNA-Adduktbildung als auch aufgrund der vorliegenden epidemiologischen Studien keine Entwarnung für die Bevölkerung gegeben werden.