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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Die alternde Gesellschaft und ihre „Kosten“: Diskussionsbeiträge aus der Gesundheitsberichterstattung

Meeting Abstract

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  • Daniela Krämer - Regierungspräsidium Stuttgart, Stuttgart
  • Eva Herbert - Regierungspräsidium Stuttgart, Stuttgart

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds852

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds852.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Krämer et al.
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Gliederung

Text

Die möglichen Folgen des Alterungsprozesses in der Bevölkerung werden kontrovers dis-kutiert. Aus der Tatsache, dass in allen Gesundheitssystemen die durchschnittlichen Ausgaben für ältere Menschen pro Person 3- bis 4-mal so hoch liegen wie bei Jüngeren, wird die Prognose abgeleitet, dass die mittleren Aufwendungen rasch ansteigen, wenn der Anteil der über 65-Jährigen an der Bevölkerung wächst.

Mit Kennzahlen der Gesundheitsberichterstattung kann gezeigt werden, dass die Altersstruktur und der Alterungsprozess einer Bevölkerung nur einen kleinen Teil der Pro-Kopf-Ausgaben eines Gesundheitswesens bzw. ihres Anstiegs erklären. In den 1990er Jahren stiegen in Baden-Württemberg die Gesundheitsausgaben pro Person jährlich etwa um 5,5 %, der Anteil der älteren Bevölkerung nahm jedes Jahr um 0,13 % zu.

Ebenso wenig wie die Altersstruktur einer Gesellschaft lässt ihre Lebenserwartung Rückschlüsse auf die Kosten des jeweiligen Gesundheitssystems zu. Japan hatte zu Anfang des 21. Jahrhunderts mit über 85 Jahren eine der höchsten Lebenserwartungen für Frauen und mit 7,6 % einen der niedrigsten Anteile für Gesundheitsausgaben am BIP. Die USA gaben 14,4 % ihres BIP für Gesundheit aus, die Lebenserwartung für Mädchen war mit 79,9 Jahren unter den Industrieländern eher niedrig.

Ein bedeutender Anteil bei den Steigerungen der Gesundheitsausgaben kann auf die Ver-änderungen in der Behandlung der gesamten Bevölkerung zurück geführt werden. Unter den Faktoren wird die steigende Anzahl der praktizierenden Ärzte genannt. In Baden-Württemberg versorgte 1990 ein Arzt in freier Praxis 821 Einwohner, 2004 waren es 656 Personen. Als Ursache für diese Kapazitätserhöhung wird die gesteigerte Nutzung ärztlicher Versorgungsleistungen durch den einzelnen Bürger, insbesondere durch die in ihrer Anzahl steigenden älteren Bürger angenommen. Ein Anstieg von 3,4 % im Anteil alter Menschen zwischen 1990 und 2004 erklärt eine Kapazitätserhöhung um mehr als 1 Viertel im ambulanten und stationären Bereich nicht ausreichend.

Gesundheitsberichterstattung kann als Instrument der Politikberatung auf der Grundlage ihrer Indikatorensätze und wissenschaftlicher Untersuchungen rationale Informationen zur Diskussion beitragen.