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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

"Neue", von Zecken übertragene Krankheitserreger

Meeting Abstract

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  • Hartmuth Kopp - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds849

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds849.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Kopp.
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Gliederung

Text

Zur Sommerzeit sind fieberhafte Erkrankungen nicht selten, die relativ isoliert bleiben und offensichtlich nicht ansteckend sind, denn Kontaktpersonen der Patienten bleiben gesund. Es ist anzunehmen, dass diese „Sommergrippen“ zu einem nicht unerheblichen Anteil durch Zecken ausgelöst werden. Diese Parasiten übertragen nicht nur FSME-Viren und Borrelien, sondern auch andere Erreger wie Ehrlichien, Babesien und Rickettsien, wie in Bayern und anderen Bundesländern in mehreren Untersuchungen nachgewiesen wurde. Bisher ist es noch weitgehend unklar, wie weit diese "neuen" zeckenübertragenen Infektionen bei uns verbreitet sind, da sie auch nur in Ausnahmefällen in die Differentialdiagnostik mit einbezogen werden.

Die Humane Granulozytäre Ehrlichiose (HGE) wird durch Anaplasma phagocytophilum verursacht, früher als "HGE-Agens" bezeichnet. Während in verschiedenen Teilen der USA von inzwischen mehreren hundert Krankheitsfällen humaner Ehrlichiose berichtet worden ist, gibt es in Europa derzeit nur einzelne Hinweise auf das Vorkommen von HGE, vor allem durch den Nachweis von spezifischen Antikörpern in gesunden Personen. Der Erreger wird durch Ixodes ricinus übertragen und kommt auch bei Wild- und Haustieren, zum Beispiel bei Hunden, vor.

Der erste Fall einer europäischen Babesiose beim Menschen wurde 1956 in Jugoslawien bei einem splenektomierten Patienten beobachtet, der an der fulminant verlaufenden Infektion verstarb. Auch die weiteren in Europa publizierten Fälle, bei denen jeweils Babesia divergens gefunden wurde, traten ausschließlich bei Splenektomierten auf. Der Erreger ist bei Rindern nicht selten und europaweit verbreitet.

Seit 1996 durchgeführte Beobachtungen aus Ungarn führten zur Beschreibung eines neuen Krankheitsbildes mit vergrößerten regionalen Lymphknoten und vesikulären ulzerativen Hautveränderungen an der Zeckenstichstelle. Mittels molekularbiologischer Untersuchungen von Lymphknoten-Biopsien konnte in mehr als der Hälfte der Fälle Rickettsia slovaca nachgewiesen werden. Als Überträger wurde die Schildzecke Dermacentor marginatus identifiziert.

"Referat der Sonderveranstaltung Zecken/Dr. Rinder"