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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Go West! Migration junger Ostdeutscher von 1990 bis 2006

Meeting Abstract

  • Elmar Brähler - Universität Leipzig, Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Leipzig
  • Peter Förster - Forschungsstelle Sozialanalysen, Leipzig
  • Yve Stöbel-Richter - Universität Leipzig, Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Leipzig
  • Hendrik Berth - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Dresden

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds779

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds779.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Brähler et al.
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Gliederung

Text

Einleitung/Hintergrund: Seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 sind etwa eine Million Ostdeutsche in die alten Bundesländer umgezogen. Dies waren für allen Frauen, jüngere und gut ausgebildete Personen. Unsere Studie untersucht im Zeitverlauf die Motive und Folgen einer innerdeutschen Ost-West-Migration.

Material und Methoden: Die Sächsische Längsschnittstudie [1] begleitet seit 1987 eine Stichprobe junger Erwachsener (Geburtsjahrgang 1973, 2006 N = 387) aus den neuen Bundesländern auf ihrem Weg vom DDR- zum Bundesbürger. Die Teilnehmer waren 1987 ca. 14 und 2006 ca. 33 Jahre alt. 54 % sind Frauen. Die meisten Teilnehmer leben in einer Partnerschaft und haben Kinder. Nahezu alle verfügen über eine abgeschlossene Berufsausbildung, mehr als 25 % haben studiert. Wanderungsbewegungen werden seit Beginn der 90er Jahre erfasst.

Ergebnisse: Im Jahre 1995 waren 13,1 % der Teilnehmer und 2006 24,3 % in die alten Länder umgezogen. Männer sind in dieser Stichprobe wanderungsbereiter als Frauen. Unterschiede in Abhängigkeit vom Bildungsgrad zeigten sich nicht. Als Hauptgründe für die Migration wurden die Situation auf dem Arbeitsmarkt der neuen Ländern (76 %), erlebte eigene Arbeitslosigkeit, die Verdienstmöglichkeiten (47 %) und die besseren Arbeitsbedingungen in den alten Ländern (45 %) genannt. Die wenigsten der Migrierten erwägen eine Rückkehr nach Ostdeutschland, sie sind in ihrer neuen Heimat gut integriert und fühlen sich wohl. Zwischen Migrierten und Nicht-Migrierten gibt es in vielen Einstellungs- und Meinungsbereichen deutliche Unterschiede, etwa in Beurteilung verschiedener Politikbereiche, Lebenszielen/Zukunftszuversicht oder der allgemeinen Zufriedenheit, aber auch im Bereich des psychischen Befindens (erlebter globaler Distress, Körperbeschwerden). Nicht-Migrierte sind meist kritischer eingestellt.

Diskussion/Schlussfolgerungen: Die Wanderung von Ost nach West wird 16 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung von jungen ostdeutschen Erwachsenen als Normalität erlebt. Die Migration wirkte sich eher positiv auf die Einstellungen, Meinungen und das psychische Befinden aus. Ursachen hierfür können sowohl Persönlichkeitseigenschaften aber auch die objektiv schlechtere (ökonomische) Situation der neuen Länder sein.


Literatur

1.
Berth H, Förster P, Brähler E, Stöbel-Richter Y. Einheitslust und Einheitsfrust. Junge Ostdeutsche auf dem Weg vom DDR- zum Bundesbürger. Eine sozialwissenschaftliche Längsschnittstudie von 1987-2006. Gießen: Psychosozial-Verlag; 2007. http://www.wiedervereinigung.de/sls. Externer Link