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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Hyperkinetische Störungen: Ein bundesweiter Vergleich der Hospitalisationsraten

Meeting Abstract

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  • Andreas Stang - Universität Halle, Halle

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds404

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds404.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Stang.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Über die Symptome Unaufmerksamkeit, motorische Unruhe und Impulsivität wird eine Gruppe von Störungsbildern definiert, die in den Klassifikationssystemen ICD-10 und DSM IV als Hyperkinetische Störungen (HKS) bzw. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) beschrieben werden. Zur HKS-Häufigkeit ist in Deutschland wenig bekannt. Ziel ist es, Hospitalisationsraten für HKS anhand der aktuellsten bundesweiten Diagnosedaten der Krankenhauspatienten im Jahr 2003 zu ermitteln. Hierbei interessiert der Einfluss des Alters, Geschlechts, sowie in einer ökologischen Analyse die Wohnregion und die Ärztedichte der Kinder- und Jugendpsychiater und –psychotherapeuten (KJPP) auf die Hospitalisationsraten.

Methoden: Es wurde der Scientific Use File der bundesweiten Krankenhausdiagnosestatistik des Jahres 2003 (17.3 Millionen Hospitalisationen) verwendet. Bevölkerungszahlen stratifiziert nach Alter, Geschlecht und Bundesland wurden vom Statistischen Bundesamt bereitgestellt. Es wurden altersspezifische und -standardisierte Hospitalisationsraten berechnet und nach Geschlecht, Alter und Bundesland stratifiziert. In einer ökologischen Analyse wurden die bundeslandspezifischen altersstandardisierten Hospitalisationsraten des HKS mit den bundesland-spezifischen Dichten der KJPP (Ärzte pro 100.000 Einwohner) korreliert (Spearman’scher Rangkorrelationskoeffizient).

Ergebnisse: Im Jahre 2003 erfolgten 5.365 Hospitalisationen wegen HKS. Die Hospitalisationsraten sind in den neuen Bundesländern mehr als doppelt so hoch wie in den alten Bundesländern. Die medianen Verweildauern sind bei männlichen Patienten in Ost- und Westdeutschland praktisch gleich. Die mediane Verweildauer bei weiblichen Patienten ist in Ost-Deutschland hingegen deutlich kürzer als in West-Deutschland. Je höher die Dichte der ambulant tätigen KJPP in dem jeweiligen Bundesland ist, desto niedriger sind die Hospitalisationsraten für das HKS (Spearman männlich: r=-0.69, weiblich: r=-0.76). Die Dichte der stationär tätigen KJPP hat nur einen geringen Einfluss auf die Hospitalisationsraten für das HKS. UDie Dichte niedergelassener Kinder- und Jugendmediziner hat keinen Einfluss auf die Hospitalisationsraten des HKS haben.

Diskussion: Eine plausible Erklärung für einen Teil dieses Unterschiedes ist die niedrigere Ärztedichte ambulant tätiger Kinder- und Jugendpsychiater (und –psychotherapeuten) in Ost-Deutschland. Neben der Ärztedichte könnten auch unterschiedliche Schweregrade und Prävalenzen der HKS eine Rolle spielen.