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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Veränderungen von Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen bei Menschen mit türkischem Migrationshintergrund der ersten und zweiten Generation – eine Analyse des Mikrozensus 2005

Meeting Abstract

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  • Anna Reeske - Universität Bielefeld, Bielefeld
  • Jacob Spallek - Universität Bielefeld, Bielefeld
  • Oliver Razum - Universität Bielefeld, Bielefeld

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds321

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds321.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Reeske et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Migranten haben – verglichen mit der Mehrheitsbevölkerung – teilweise andere Gesundheitsrisiken und gesundheitsbezogene Verhaltensweisen [1], die sich vermutlich mit zunehmender Zeitdauer seit Migration und insbesondere über die Generationen hinweg verändern [2]. Wir überprüften diese Hypothese der Migration als „gesundheitlichem Übergang“ anhand der Prävalenz zweier Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen – Rauchen und Übergewicht – bei türkischen Zuwanderern (1. Generation) und deren in Deutschland geborenen Kindern (2. Generation).

Material und Methoden: Wir schätzten die Prävalenz von Rauchen und Übergewicht anhand des repräsentativen Mikrozensus 2005 (umfasst 1% der Bevölkerung). Darin stehen erstmals Informationen zur Verfügung, die eine Unterscheidung verschiedener Generationen türkischer Migranten ermöglichen. Wir stratifizierten die Ergebnisse nach Geschlecht und Alter.

Ergebnisse: Unter den türkischen Männern der ersten Einwanderergeneration rauchen 36,4%, in der zweiten Generation nur noch 23,7%. In der deutschen Mehrheitsbevölkerung sind es 21,4%. Unter türkischen Frauen raucht ein geringerer Anteil als unter türkischen Männern. Bei den türkischen Frauen zeigt sich keine Abnahme über die Generationen, vielmehr ist die Rauchprävalenz mit 26,7% in der zweiten Generation am höchsten, ähnlich wie bei jüngeren deutschen Frauen. Türkische Migranten der ersten Generation sind etwas häufiger übergewichtig als die deutsche Vergleichsbevölkerung. Die Prävalenz von Übergewicht nimmt in der 2. Generation ab.

Diskussion: Wir zeigen erstmals und repräsentativ, wie sich die Prävalenz von Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen unter Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in Deutschland über die Generationen hinweg verändert. Bei türkischen Einwanderern der ersten Generation ist die Prävalenz höher als in der deutschen Bevölkerung und ähnelt der Prävalenz in der urbanen Türkei [3]. In der zweiten Generation findet sich dagegen eine Annäherung an die Prävalenzen der deutschen Mehrheitsbevölkerung. Die Hypothese, die Migration als „gesundheitlichen Übergang“ interpretiert und postuliert, dass sich die Prävalenzen von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren mit der Zeit und dem Generationenwechsel denen der deutschen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund annähern, wird gestützt.


Literatur

1.
Razum O, Geiger I, Zeeb H, Ronellenfitsch U. Gesundheitsversorgung von Migranten. Deutsches Ärzteblatt. 2004;101:A2882-A2887.
2.
Razum O, Twardella D. Time travel with Oliver Twist – towards an explanation for a paradoxically low mortality among recent immigrants. Trop Med Int Health. 2002;7:4-10.
3.
Tezcan S, Altintas H, Sönmez R, Akinci A, Dogan B, Cakir B, Bilgin Y, Klör HU, Razum O. Cardiovascular risk factor levels in a lower middle-class community in Ankara, Turkey. Trop Med Int Health. 2003;8:660-7.