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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

High-Tech Home Care: Pflegende Angehörige als NutzerInnen und LeistungserbringerInnen im gesundheitlichen Versorgungssystem

Meeting Abstract

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  • Julia Lademann - Institut für Public Health und Pflegeforschung, Universität Bremen, Bremen

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds227

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds227.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Lademann.
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Gliederung

Text

Hintergrund: High-tech home care (HTHC) ist eine Versorgungsform, die als solche in Deutschland zwar bislang noch nicht explizit etabliert ist, aber implizit im Rahmen häuslicher Pflege realisiert wird [3]. Schwerstpflegebedürftige stellen eine spezielle Klientel dar, die einer intensivpflegerischen und medizinisch-technischen Versorgung bedarf. Dazu zählen beispielsweise PatientInnen, die künstlich ernährt und beatmet werden und/oder ein dauerhaftes Monitoring ihrer Herzkreislauffunktionen benötigen. Da die Betroffenen oftmals in ihren körperlichen sowie geistigen Fähigkeiten sehr stark eingeschränkt sind, ist eine häusliche Versorgung ohne pflegende Angehörige kaum möglich.

Methoden: Da über HTHC in Deutschland kaum empirische Daten vorliegen, wurde eine qualitativ-explorative Studie durchgeführt. Ein erster Zugang erfolgte über ExpertInneninterviews mit Pflegedienstleitungen ambulanter Pflegedienste, die schwerst- und intensivpflegebedürftige PatientInnen betreuen. Im Mittelpunkt der Studie standen leitfadengestützte Interviews zur Erhebung der Sichtweisen pflegender Angehöriger in HTHC. Wie diese sich selbst im Versorgungssystem positionieren und die darin handelnden Professionellen wahrnehmen, stand im Mittelpunkt der Untersuchung. Die computergestützte Auswertung erfolgte gemäß der Grounded Theory über kodieren und kategorisieren des Datenmaterials [1].

Ergebnisse: Die ExpertInneninterviews liefern einen ersten Einblick über Versorgungssituationen sowie über Chancen, Probleme und Entwicklungen in der ambulanten Schwerstkrankenpflege. Die Interviews mit den pflegenden Angehörigen zeigen, dass diese sowohl LeistungserbringerInnen als auch NutzerInnen im Versorgungssystem sind, da sie versorgungsbezogene Leistungen erbringen sowie das Gesundheitssystem zur eigenen Entlastung bzw. anwaltschaftlich für die Pflegebedürftigen nutzen. Damit übernehmen pflegende Angehörige in HTHC eine Schlüsselposition, ohne deren Mitwirkung die Realisierung einer solchen Versorgungsform kaum möglich ist.

Schlussfolgerungen: Auch wenn sich HTHC in der bundesdeutschen Versorgungslandschaft bislang als Ausnahmefall darstellt, kann davon ausgegangen werden, dass sowohl aufgrund des medizinisch-technischen Fortschrittes als auch der gesundheitspolitisch vorangetriebenen Ambulantisierung der Ausbau und die Weiterentwicklung dieser Versorgungsoption hierzulande dringend ansteht. Eine explizite Berücksichtigung von pflegenden Angehörigen in ihren Rollen als LeistungserbringerInnen und NutzerInnen im Versorgungssystem ist aufgrund ihrer Bedeutung in HTHC unabdingbar [2].


Literatur

1.
Kuckartz U. Computergestützte Analyse qualitativer Daten. Opladen: Westdeutscher Verlag; 1999.
2.
Lademann J. Intensivstation Zuhause. Was pflegende Angehörige in High-Tech Home Care leisten und wie sie das Versorgungssystem nutzen. Bern: Huber; in Erscheinung.
3.
Schaeffer D, Ewers M, Hrsg. Ambulant vor stationär. Perspektiven für eine integrierte ambulante Pflege Schwerkranker. Bern: Huber; 2002.