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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Wissen über HIV-Infektion und -Prävention bei Aussiedlern und jüdischen Zuwanderern aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) in Deutschland

Meeting Abstract

  • Laura Kouznetsov - Psychosoziale AIDS-Beratungsstelle der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, München
  • Alexander V. Kuznetsov - Psychosoziale AIDS-Beratungsstelle der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, München
  • Ralf Wienecke - Psychosoziale AIDS-Beratungsstelle der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, München
  • Stefan A. Zippel - Psychosoziale AIDS-Beratungsstelle der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, München

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds209

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds209.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Kouznetsov et al.
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Gliederung

Text

Zwischen 1991 und 2005 wurden mehr als 2 Mill. Aussiedler und jüdische Zuwanderer aus GUS in Deutschland aufgenommen. Im Angesicht der HIV-Epidemie in GUS ist anzunehmen, dass zwischen den nach Deutschland eingereisten GUS-Immigranten auch HIV-positive immigriert sind oder immigrieren werden. Es sind aber keine Studien über das Wissen hinsichtlich HIV-Infektion und -Prävention bei GUS-Immigranten in Deutschland vorhanden.

Es wurden im Jahr 2005 927 Aussiedler und 278 jüdische Zuwanderer (16-65 J.) mittels eines anonymen Fragebogens auf Russisch und Deutsch postalisch in Bayern befragt. Der Fragebogen umfasste die Fragen zu soziodemografischen Daten, Einstellungen zum Thema HIV/AIDS, Wissen über HIV-Übertragung und Schutz vor einer HIV-Infektion.

Die Rücklaufquote betrug insgesamt 38,1 % (459), 451 Fragebögen wurden ausgewertet (340 Aussiedler und 111 jüdische Zuwanderer). Mehrheit der Aussiedler/ jüdischer Zuwanderer kamen aus (in %): Russland (42,1/21,8), Kasachstan (41,4/0), Ukraine (8,9/54,4), Kirgisien (3,6/6,9), Weißrussland (0/6,9), Usbekistan (0,7/4,0). Mehrheit der Aussiedler/ jüdischer Zuwanderer wussten (in %), dass HIV eine unheilbare Krankheit des Immunsystems ist (82,9/79,4), dass HIV durch gemeinsames Benutzen von Spritzen/Nadeln (97,0/95,5), durch den Vaginalverkehr (82,5/82,9) und von der HIV-positiven Mutter auf ihr Kind (78,7/78,4) übertragbar ist. Aber sie waren nicht ausreichend über HIV-Übertragung durch Anal- (65,1/73,0) und Oralverkehr (50,0/48,6) informiert. Mehr jüdischer Zuwanderer als Aussiedler glaubte an HIV-Übertragung beim Friseur/bei der Maniküre (43,2/32,5; p<0,05) und durch Insektenstiche (27,9/19,5; p<0,05). Einige Aussiedler und jüdische Zuwanderer glaubten an HIV-Übertragung beim Küssen (18,3/16,2), an Vorhanden einer HIV-Impfung (17,1/17,3) oder an Verzicht auf Bluttransfusion als HIV-Präventionsmaßnahme (54,8/48,2). 68,6 % der Aussiedler and 63,6 % jüdischer Zuwanderer nannten “treu sein dem Sexualpartner/der Sexualpartnerin” als Schutz vor einer HIV-Infektion.

Aussiedler und jüdische Zuwanderer waren etwa gleich über HIV-Infektion und -Prävention informiert, es gab aber einige wenige Differenzen hinsichtlich der HIV-Übertragungsmissverständnisse zwischen den befragten Immigrantengruppen.

Diese Pilotstudie zeigt einen Wissensmangel und einen Aufklärungsbedarf zum Thema HIV/AIDS bei GUS-Immigranten.