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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Die Heilmittelversorgung von RückenschmerzpatientInnen – eine Analyse anhand der europäischen Leitlinien (Cost Action B 13)

Meeting Abstract

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  • Claudia Kemper - Universität Bremen, Bremen

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds191

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds191.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Kemper.
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Gliederung

Text

Einleitung/Hintergrund: Rückenschmerzen stellen ein weit verbreitetes und damit für unser Gesundheitssystem ein sehr teures Problem dar. Für die medizinische Versorgung der Betroffenen gilt die Forderung der Gesetzgebung nach Berücksichtigung von Qualität, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit (§2 und §12 SGB V). Der Begriff der Qualität schließt die Bewertung der Leistungen nach anerkannten Maßstäben ein. Einen solchen Maßstab, der die Gesundheitsversorgung verbessern kann, stellen Leitlinien dar, die als evidenz-basierte Entscheidungshilfe für die medizinische Versorgung dienen.

Die Physiotherapie bildet einen Teil der medizinischen Versorgung und findet nach ärztlicher Diagnose und Verordnung auf der Basis der Heilmittelrichtlinien u.a. auch bei Rückenschmerzen Anwendung.

Material und Methoden: Mit Hilfe von Abrechnungsdaten einer Krankenkasse für das Jahr 2004 aus den Bereichen der ambulanten ärztlichen und physiotherapeutischen Versorgung von ca. 1,5 Mio. Versicherten wurde das Leistungsgeschehen bei akuten und chronischen unspezifischen Rückenschmerzen analysiert. Der Maßstab zur Bewertung des ärztlichen Verordnungsverhaltens von physiotherapeutischen Leistungen ist die europäische Leitlinie zur verbesserten Behandlung von RückenschmerzpatientInnen COST Action B 13 (http://www.backpaineurope.org).

Ergebnisse: Von 314.658 Personen mit unspezifischer Rückenschmerzen (ICD-10 "M54") haben 31% eine Heilmittelverordnung für physiotherapeutische Maßnahmen wie Krankengymnastik, Massage oder Manuelle Therapie erhalten. Für Behandlungen, die nicht mit der Leitlinie übereinstimmen, hat allein diese Krankenkasse 7,71 Millionen Euro aufgewendet, was 22% der Gesamtausgaben für physiotherapeutische Leistungen entspricht.

Akute und chronische RückenschmerzpatientInnen werden zudem nicht differenziert therapiert, eine Unterscheidung ist nur bei der Häufigkeit der Behandlungen zu erkennen.

Diskussion/Schlussfolgerung: In der Heilmittelversorgung von RückenschmerzpatientInnen werden ineffektive Therapien zu oft verordnet, während Therapien, deren Nutzen nachgewiesen ist, zu selten oder an falscher Stelle eingesetzt werden.

Das Ziel der europäischen Leitlinien zum Umgang mit unspezifischen Rückenschmerzen ist ein verbessertes Versorgungsmanagement und eine erhöhte Behandlungsqualität. Dies kann aber nur erreicht werden, wenn die Anforderungen solcher Leitlinien in den Versorgungsalltag implementiert werden, was dringend notwendig erscheint, damit den gesetzlichen Ansprüchen von Qualität, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit entsprochen wird.