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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Soziale Ungleichheit und Inanspruchnahme präventiver Leistungen – Ergebnisse der Versorgungsforschung

Meeting Abstract

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  • Christian Janßen - Universität zu Köln, Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Sozialhygiene, Köln
  • Oliver Ommen - Zentrum für Versorgungsforschung Köln (ZVFK), Köln
  • Kirstin Grosse Frie - UKE - Zentrum für Psychosoziale Medizin, Institut für Medizin-Soziologie, Hamburg

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds181

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds181.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Janßen et al.
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Gliederung

Text

Innerhalb der sozialepidemiologischen Forschung sind mittlerweile zahlreiche Befunde publiziert worden, die konstant einen sozialen Gradienten für Morbidität und Mortalität zeigen [2]. Zur Erklärung dieses Unterschiedes können verschiedene soziologische Modelle herangezogen werden [1], von denen das Modell zur Erklärung der gesundheitlichen Ungleichheit von Mielck [3] am vollständigsten zu sein scheint. In diesem Modell wird davon ausgegangen, dass die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht eine Krankheit mit verursacht bzw. deren Verlauf beeinflusst. Dies geschieht über ein schichtspezifisches Zusammenwirken von Lebensumständen, Lebensgewohnheiten, Verhaltensweisen und Einstellungen. Dies führt dazu, dass Unterschichtangehörige a) höheren gesundheitlichen Belastungen, b) geringeren Bewältigungsmöglichkeiten, c) schlechtere medizinische Versorgung und d) ungesünderes Verhalten aufweisen als Mittelschichtangehörige und diese wiederum ungesündere als Oberschichtangehörige.

Der vorliegende Beitrag fokussiert die Frage, ob Unterschiede im medizinischen Versorgungssystem in Deutschland für die gesundheitliche Ungleichheit zwischen den verschiedenen sozialen Schichten verantwortlich gemacht werden können. Dieser Beitrag steht somit im Kontext der Versorgungsforschung, welche ein interdisziplinäres Forschungsgebiet darstellt, das u. a. die Wirksamkeit der medizinische Versorgung unter Alltagsbedingungen evaluiert [4]. Der Begriff der Versorgung umschließt sowohl die Krankenversorgung als auch Prävention und Gesundheitsförderung.

Im Ergebnisteil werden die Ergebnisse einer systematischen Literaturrecherche vorgestellt, welche zunächst im Hinblick nach Veröffentlichungen zum Thema "soziale Ungleichheit und Gesundheit" und in einem zweiten Schritt explizit nach empirischen Befunden den Einfluss von sozialer Ungleichheit auf die medizinische und gesundheitsbezogene Versorgung in Deutschland untersucht. Dabei zeigen die Ergebnisse, dass insgesamt wenig Befunde für eine Über-, Unter- oder Fehlversorgung sozial benachteiligter Menschen identifiziert werden können. Insbesondere in der Prävention gibt es jedoch empirische Evidenz für eine sozial ungleich verteilte Nutzung. In der Diskussion soll auf die zentrale Rolle der Prävention eingegangen werden, wobei auch "examples of good practice" gegeben werden, um daran Forderungen an zukünftige präventive Maßnahmen aufzuzeigen.


Literatur

1.
Janßen C, Pfaff H. Psychosocial environments. In: Kerr J, Weitkunast R, Moretti M, editors. ABC of Behavior Change. Churchill Livingstone: Elsevier; 2005. p. 153-65.
2.
Marmot M, Wilkinson RG. Social Determinants of Health. New York: Oxford; 2006.
3.
Mielck A. Soziale Ungleichheit und Gesundheit. Bern: Huber; 2000.
4.
Pfaff H, Schrappe M, Lauterbach KW, Engelmann U, Halber M. Gesundheitsversorgung und Disease Management. Bern: Huber; 2003.