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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Zusammenhänge zwischen kumulativer Benachteiligung und Krankheit? Der Vergleich von Einzeilindikatoren sozialer Differenzierung und Schichtungsindize

Meeting Abstract

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  • Siegfried Geyer - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover
  • Richard Peter - Universität Ulm, Ulm

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds109

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds109.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Geyer et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Für jeden der in Studien zu gesundheitlichen Ungleichheiten zur Operationalisierung sozialer Differenzierung verwendeten Indikatoren Einkommen, Berufsposition und Bildungsstand wurden Zusammenhänge mit Maßen für Gesundheit und Krankheit gefunden; die Interkorrelationen zwischen den drei Merkmalen sind jedoch gering oder moderat.

Vor diesem Hintergrund läßt sich die Hypothese formulieren, dass Individuen, die auf allen drei Merkmalen die höchsten Positionen inne haben, die niedrigsten Erkrankungsrisiken aufweisen. Umgekehrt sollten die höchsten Risiken bei Individuen auftreten, die auf allen drei Indikatoren die niedrigsten Positionen inne haben. Diese Annahme kumulativer Risiken hat in der Soziologie seit Merton eine hohe Popularität; sie ist auch eine zentrale Voraussetzung für die Bildung von Sozialschichtindize.

Wir untersuchten die Effekte kumulativer Risiken im Vergleich zu Einzelindikatoren.

Methoden: Zur empirischen Untersuchung der beschriebenen Zusammenhänge wurden die folgenden Datensätze verwendet:

1.
Daten des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP) aus der Erhebungswelle 2005 (Alter 30-60 Jahre; N= 10.502), Ergebnisvariable: subjektive Gesundheit
2.
Querschnittsdaten der AOK Mettmann aus dem Jahr 1995 (Alter 25-75 Jahre; N=97.707), Ergebnisvariable: Diabetes Typ 2
3.
Längsschnittdaten der AOK Mettmann (Alter 25-65; N= 147.264), Ergebnisvariable: Gesamtmortalität

Ergebnisse: Es gibt Hinweise auf das Vorhandensein kumulierter Effekte von Einkommen, Schulbildung und beruflicher Position. Die Effekte der Indexvariablen waren in allen Fällen aber nicht signifikant stärker als die Effekte der bedeutsamsten Einzelvariablen.

Schlussfolgerungen: Die Konzeptualisierung sozialer Differenzierung über die Bildung von Schichtungsindize erbringt gegenüber der Verwendung von Einzelindikatoren keinen Vorteil, stattdessen verbirgt dieses Vorgehen das Auffinden des für eine Ergebnisvariable bedeutsamsten Einzelindikators. Von der Verwendung von Schichtungsindize ist daher abzuraten.


Literatur

1.
Geyer S, Hemström Ö, Peter R, Vagerö D. Education, income and occupational class cannot be used interchangeably in social epidemiology. Empirical Evidence against a common practice. Journal of Epidemiology and Community Health. 2006;60:804-10.
2.
Peter R, Gessler H, Geyer S. Socioeconomic status, status inconsistency and risk of ischemic heart disease. Journal of Epidemiology and Community Health. 2007;61 (im Druck).