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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Depressive Begleitsymptomatik bei Krebspatienten – Psychologischer Unterstützungsbedarf und Inanspruchnahme psychologischer Behandlung

Meeting Abstract

  • Nicole Ernstmann - Zentrum für Versorgungsforschung Köln, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln, Köln
  • Melanie Neumann - Zentrum für Versorgungsforschung Köln, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln, Köln
  • Markus Wirtz - Institut für Psychologie, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Pädagogische Hochschule Freiburg, Freiburg
  • Elfriede Bollschweiler - Klinik und Poliklinik für Visceral- und Gefäßchirurgie, Uniklinik Köln, Köln
  • Mathias Warm - Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität zu Köln, Köln
  • Jürgen Wolf - Klinik I für Innere Medizin der Universität zu Köln, Köln
  • Holger Pfaff - Zentrum für Versorgungsforschung Köln, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln & Abteilung für Medizinische Soziologie, Institut und Poliklinik für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Sozialhygiene, Medizinische Fakultät der Universität zu Köln, Köln

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds084

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds084.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Ernstmann et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Psychische Störungen, insbesondere Depressionen, treten bei Krebspatienten gehäuft auf. Von den behandelnden Ärzten wird gefordert, diese Störungen zu erkennen, um den betroffenen Patienten Hilfe anbieten zu können. Wenig geklärt ist jedoch, wie sehr die Schwere der Symptome nach DSM-Kriterien mit dem Bedarf an psychologischer Unterstützung zusammenhängt. Die vorliegende Arbeit untersucht daher das Vorkommen und die Schwere der depressiven Symptomatik in einer onkologischen Stichprobe und beschreibt den Zusammenhang der Symptomausprägung mit dem Bedarf an psychologischer Unterstützung und deren Inanspruchnahme.

Material und Methoden: Die Stichprobe bestand aus N=328 Patienten der Uniklinik Köln mit den Hauptdiagnosen Bronchial-, Ösophagus-, Kolorektal-, Mamma-, Prostata- und Hautkarzinom. Das mittlere Alter der Teilnehmer lag bei 59 Jahren. 51% der Teilnehmer waren Frauen. Zur Untersuchung der depressiven Symptome wurde die deutsche Version des Major Depression Inventory (MDI) eingesetzt.

Ergebnisse: Nach DSM-IV-Kriterien waren insgesamt 19% der Patienten von einer depressiven Störung betroffen. 9% (29 Patienten) zeigten Symptome einer leichten Depression, 4% (14 Patienten) gaben Symptome einer mäßigen Depression an und 6% (18 Patienten) litten unter einer schweren Depression. Von denjenigen Patienten, die an einer mäßigen oder schweren Depression litten, waren 6% (2 Patienten) in psychologischer Behandlung, weitere 53% (17 Patienten) äußerten Bedarf an psychologischer Unterstützung. Von denjenigen Patienten, die laut DSM-IV-Kriterien keinen behandlungsbedürftigen depressiven Symptome zeigten, gaben 16% (42 Patienten) an, Bedarf an psychologischer Unterstützung zu haben.

Diskussion: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass nur wenige Krebspatienten mit mäßigen bis schweren depressiven Störungen psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen, jedoch über die Hälfte Bedarf an psychologischer Unterstützung äußert. Hinzu kommen Patienten, die gemäß der DSM-IV-Kriterien nicht unter einer depressiven Störung leiden, jedoch Bedarf an psychologischer Unterstützung angeben. Diese Befunde weisen darauf hin, dass eine differenzierte Betrachtung der Besonderheiten der depressiven Symptomatik der Krebspatienten notwendig ist, um den Bedarf an psychologischer Unterstützung bei onkologischen Patienten wahrnehmen und erfüllen zu können.