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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Needs-Assessment kardiovaskulärer Implantate zur Behandlung chronisch venöser Insuffizienz (CVI)

Meeting Abstract

  • Ch.-Markos Dintsios - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Köln
  • Anja Hagen - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover
  • Ansgar Gerhardus - Universität Bielefeld, Bielefeld
  • Christian Krauth - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds068

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds068.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Dintsios et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Primärzielsetzung medizinischer Technologien ist die gesundheitliche Verbesserung der potenziellen Zielgruppe. Noch vor der Bewertung steht die Ermittlung des Bedarfes für die jeweilige Technologie. Venöse Gefäßimplantate stellen ein Novum mit einem kausal-therapeutischen Ansatz dar, deren Bedarf indikationsabhängig quantifiziert werden soll.

Methoden: Needs-based Technology Assessment zur Analyse der Trias Bedarf an, Nachfrage nach und Angebot von gesundheitlichen Versorgungsleistungen bei CVI sowie des Potenzials, vorhandene Bedarfslücken durch eine innovative Technologie für geeignete Zielgruppen abzudecken. Hierfür kommt das Instrumentarium der Epidemiologie, der Effektivitätsbewertung, der Gesundheitsökonomie sowie der Versorgungsforschung (Versorgungspfade, Inanspruchnahme) zur Anwendung.

Ergebnisse: Epidemiologisch abgeleitete Zielgruppe: Alter (5% >80jährige) und kongenitale Erkrankungen des Blutgerinnungssystems (36%) sind primäre Risikofaktoren für CVI. Kompressionstherapie bei postthrombotischen Patienten mit schwereren CVI-Graden zeigt geringe Erfolge. Als Referenzgröße für die neue Technologie gelten zumindest CVI III Patienten mit niedrigem Operationsrisiko (0,4-0,8% der Bevölkerung). Technologisch abgeleitete Zielgruppe: 50% postthrombotischer Patienten (PTS) mit primärer Klappeninsuffizienz (2 Mio.). In der täglichen Praxis sind etwa 10% der PTS Patienten an einer invasiven chirurgischen Therapie interessiert. 50% davon aus gefäßanatomischen Gründen für eine Venenklappentransplantation geeignet. 60% der verbleibenden Patienten besitzen eine kompetente Venenklappe im Bereich der oberen Extremität als mögliches Transplantat. Für 50.000 Patienten ergibt sich ein Bedarf für eine Alternative zur autologen Venenklappe als Transplantat. Ökonomisch abgeleitete Zielgruppe: aus Perspektive der Leistungsfinanzierer ist eine weitere Eingrenzung der Zielgruppe denkbar. Die Versorgung der Patienten im erwerbsfähigen Alter (45%) grenzt die Zielgruppe auf 0,03-0.07% der Gesamtbevölkerung ein. Die Technologie scheint für die abgeleiteten Zielgruppen mit einem inkrementellen Kosten-Effektivitäts-Verhältnis im Vergleich zur Kompressionstherapie von ca. 12.000 €/QALY kosteneffektiv zu sein.

Diskussion: Das Needs-Assessment konnte einen objektiven Bedarf für die abgeleitete Zielgruppe ermitteln. Für das Gesundheitssystem stellt sich die Aufgabe, innovative Technologien effizient zu steuern, so dass kein Freiraum für Über-, Fehl- oder Unterversorgung entsteht. Hierbei kann Needs-Assessment noch vor Technologieentwicklung und –diffusion einen wichtigen Beitrag leisten.