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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Entwicklung evidenzbasierter und patientenorientierter Versorgungsempfehlungen für Betroffene mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED)

Meeting Abstract

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  • Susann Conrad - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Lübeck
  • Cathleen Muche-Borowski - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Lübeck
  • Heiner Raspe - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Lübeck
  • Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung
  • Kompetenznetz Darmerkrankungen

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds058

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds058.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Conrad et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung/ Hintergrund: Morbus Crohn (MC) und Colitis ulcerosa (Cu) sind chronische Darmerkrankungen charakterisiert durch rezidivierende, entzündliche Schübe. Die jährliche Inzidenz beider Erkrankungen zusammen liegt bei etwa 6/ 100.000 Einwohner mit steigender Tendenz [1]. Insgesamt ist zurzeit mit ca. 320.000 Betroffenen in Deutschland zu rechnen [2]. Im Verlauf ihrer Erkrankung sind die Betroffenen mit verschiedensten körperlichen, seelischen und sozialen Problemen konfrontiert. Aus sozialmedizinischer Sicht sind die Erkrankungen hauptsächlich wegen des frühen Manifestationsalters (zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr) sowie der oft erheblichen Auswirkungen auf Aktivitäten und Teilhabe in allen Lebensbereichen bedeutend. Wesentlich beeinflusst werden Verlauf und Prognose der CED durch das Krankheitsverständnis, die Mitarbeit und das Selbstmanagement der Kranken.

Material und Methoden: Basierend auf systematischen Leitlinien- und Literaturstudien sowie ExpertInnen-Interviews, ist ein 108 - fast immer geschlossene - Fragen umfassendes Erhebungsinstrument entwickelt worden. Über CED-Schwerpunktpraxen und -Ambulanzen, die DCCV und über Anzeigen sind die Selbstausfüllfragebögen bundesweit verteilt worden.

Ergebnisse: Von 2702 verteilten Fragebögen konnten 1083 ausgewertet werden (Rücklauf 40%). Häufiger haben Frauen (65%) und MC-Kranke (58%) teilgenommen. Das mittlere Alter liegt bei 42, die mittlere Erkrankungsdauer bei 12 Jahren. Auffallend häufig sind „starkes Leiden“ unter Müdigkeit/ Erschöpfung (36%) und hohe Angstwerte (24%) [3]. Bei den Aktivitätseinschränkungen wird häufig die Ernährung (28%) angegeben. Durchschnittlich ein Viertel empfindet „starke Beeinträchtigung“ in verschiedenen Lebensbereichen. Weiterhin fallen „häufiger“ Stress (41%), negative subjektive Erwerbsprognose (21%), großer Informationsbedarf (~59%), Probleme mit Krankenversicherungen (27%) sowie verbreitete Anwendung alternativer Heilmethoden (95%) auf. Es gibt eine häufige Unzufriedenheit mit körperlicher Leistungsfähigkeit (46%). Fast alle werden in hausärztlichen (97%) sowie gastroenterologischen Praxen versorgt (93%). Die Hälfte hält die medizinische Versorgung von CED-Kranken für verbesserungswürdig.

Diskussion/ Schlussfolgerung: Alle wesentlichen psychosozialen Problemlagen wurden vermutlich abgebildet. CED-Kranke bedürfen einer multi- und interdisziplinären, wohnortnahen und krankheitsbegleitenden Versorgung unter Einschluss auch edukativer, psychologischer und sozialtherapeutischer Interventionen. Dazu sind regional und flächendeckend Versorgungsnetze zu entwickeln bzw. zu festigen.


Literatur

1.
Stange EF, Schreiber S, Fölsch U, et al. Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn. Z Gastroenterol. 2003, 41: 19-68 (Sonderdruck). Stange EF, Riemann J, von Herbay A, et al. Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa. Z Gastroenterol. 2001, 39: 19-71.
2.
DCCV e.V. Bundesgeschäftsstelle, Webmaster, Paracelsusstr. 15, 51375 Leverkusen. http://www.dccv.de/ Externer Link
3.
Zigmond AS, Snaith RP. The hospital anxiety and depression scale. Acta Psychiatr Scand. 1983; 67: 361-370.