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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Finanzielle Probleme, Nettoeinkommen und Depressivität

Meeting Abstract

  • Silke Andrich - Universitätsklinikum Essen, Essen
  • Nico Dragano - Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf
  • Susanne Moebus - Universitätsklinikum Essen, Essen
  • Andreas Stang - Universität Halle/Wittenberg, Halle
  • Stefan Möhlenkamp - Universitätsklinikum Essen, Essen
  • Klaus Mann - Universitätsklinikum Essen, Essen
  • Karl-Heinz Jöckel - Universitätsklinikum Essen, Essen
  • Raimund Erbel - Universitätsklinikum Essen, Essen
  • Johannes Siegrist - Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds012

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds012.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Andrich et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Niedriges Einkommen ist mit höherer Morbidität und Mortalität assoziiert. Dieser Einfluss auf die Gesundheit ist zum Teil auf die vielfältigen Folgen materieller Benachteiligung zurückzuführen. Inwieweit auch eine durch finanzielle Probleme ausgelöste psychische Belastung eine Rolle spielt, ist bisher aber wenig untersucht. Dieser Vortrag erörtert, ob selbstberichtete finanzielle Probleme – auch unabhängig vom tatsächlichen Einkommen – mit Depressivität zusammenhängen.

Methoden: Die Daten stammen aus der Basisuntersuchung der bevölkerungsbezogenen Heinz Nixdorf Recall Studie. Aus dem Sample gehen 4311 Männer und Frauen (45 Jahre u. älter) mit vollständigen Angaben für alle relevante Variablen in die Analysen ein. Selbstberichtete finanzielle Probleme werden mit zwei Fragen operationalisiert: „Haben sie finanzielle Probleme? (‚Nein’ – ‚Probleme, aber dadurch nicht oder mäßig belastet’ – ‚Probleme und dadurch stark belastet’)“ und „Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer finanziellen Lage? (‚unzufrieden’ – ‚zufrieden’)“. Das Einkommen wird als Äquivalenzeinkommen (Netto) einbezogen. Als zusätzliche Kontrollfaktoren sind Alter, Geschlecht, Schulbildung, Erwerbsstatus, Familienstand, chronische Vorerkrankungen und negative Affektivität in die Analysen eingeschlossen. Die Allgemeine Depressionsskala (ADS) stellt die unabhängige Größe der binären logistischen Regressionsmodelle dar. Hierzu wurde der kontinuierliche Score der Skala dichotomisiert (>17).

Ergebnisse: Unabhängig vom Einkommen haben Personen, die angeben, durch finanzielle Probleme belastet (3,8%) oder mit ihrer finanziellen Lage unzufrieden zu sein (11,4%), erhöhte Depressivitätswerte. Diese statistische Beziehung bleibt auch nach Kontrolle von Drittvariablen robust. Die Odds Ratio für Personen mit hoher Belastung beträgt im voll kontrollierten Modell 4,35 [95% Konfidenzintervall: 2,85-6,65] im Vergleich zu unbelasteten Probanden. Der entsprechende Schätzer für den Indikator Zufriedenheit beträgt 2,35 [95% Konfidenzintervall: 1,72-3,21].

Fazit: Finanzielle Probleme sind in dieser Untersuchung in allen Einkommensklassen mit Depressivität assoziiert. Es ist anzumerken, dass die Prävalenz solcher Belastungen in unteren Einkommensklassen höher ist, so dass die mit finanziellen Schwierigkeiten einhergehende psychische Belastung eine zusätzliche Erklärung der höheren Krankheitslast in unteren sozialen Schichten sein könnte.


Literatur

1.
Schmermund A, Möhlenkamp S, Stang A, Grönemeyer D, Seibel R, Hirche H, Mann K, Siffert W, Lauterbach K, Siegrist J, Jöckel KH, Erbel R. Assessment of clinically silent atherosclerotic disease and established and novel risk factors for predicting myocardial infarction and cardiac death in healthy middle-aged subjects: Rationale and design of the Heinz Nixdorf Recall Study. American Heart Journal. 2002;144:212-8.
2.
Stang A, Moebus S, Dragano N, Beck E, Möhlenkamp S, Schmermund A, Siegrist J, Erbel R, Jöckel K. Baseline recruitment and analyses of nonresponse of the Heinz Nixdorf Recall Study: Identifiability of phone numbers as the major determinant of response. Eur J Epidemiol. 2006;20:489-96.