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51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (gmds)

10. - 14.09.2006, Leipzig

Die elektronische Gesundheitskarte - Anforderungen aus Sicht von Ärzten und Patienten in der Modellregion Ingolstadt

Meeting Abstract

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  • Siegfried Jedamzik - Facharzt für Allgemeinmedizin, 1. Vorsitzender des Praxisnetzes GO IN e.V. und Geschäftsführer Baymatik e.V., Ingolstadt

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (gmds). 51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Leipzig, 10.-14.09.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06gmds441

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2006/06gmds371.shtml

Veröffentlicht: 1. September 2006

© 2006 Jedamzik.
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Gliederung

Text

Einführung der elektronischen Gesundheitskarte im Jahre 2006 wird das deutsche Gesundheitswesen und dessen Organisationsstrukturen deutlich verändern. Ihre erfolgreiche Anwendung setzt jedoch voraus, dass sich über 350.000 Ärzte, 21.000 Apotheken und 300 gesetzliche Krankenkassen in einem gemeinsamen Netzwerk wieder finden müssen. Rund 80 Millionen Versicherte werden die neue eGesundheitskarte erhalten. Mit der Einführung kann vor allem die Behandlungsqualität und Effizienz im Gesundheitswesen gesteigert werden. Dadurch kann dem mangelnden Datenaustausch im Gesundheitssystem entgegengewirkt und zu einer erheblichen Kosteneinsparung beigetragen werden. Gleichzeitig sollen die Patientendaten vor jeglichem Missbrauch geschützt werden. Ärzte erhoffen sich von der eGK einen Abbau der Fehl-, Über- und Unterversorgung des Patienten, eine Qualitätsverbesserung bei beschleunigten Behandlungsprozessen, eine Transparenz zum aktuellen Behandlungsstand des Patienten und eine optimale Kommunikation und Koordination zwischen Leistungserbringern und Patient.

Ohne eine elegante Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen, einer elektronischen Abbildung der Geschäftsprozesse der Beteiligten und der Einführung von quantitativen Steuerungselementen wird der Umbau erfolglos bleiben oder im schlechtesten Fall im bürokratischen Chaos enden.

Derzeit diskutieren Vertreter von Patientenorganisationen und Versicherte über die rechtlichen Rahmenbedingungen und ökonomische Relevanz sowie technische Aspekte, die Realisierung der zentralen Telematik-Anwendung und die Einbindung der eGK in Praxisinformationssysteme und Telematik-Infrastruktur. Einige ungeklärte Fragen und zahlreiche Unwägbarkeiten liegen auf dem noch langen Weg bis zur flächendeckenden Einführung der elektronischen Gesundheitskarte.

Die Ziele sind klar: verbesserte Kommunikation zwischen allen im Gesundheitswesen Beteiligten, mehr Transparenz, weniger Bürokratie, mehr Effizienz, schließlich Kosteneinsparungen. Die elektronische Gesundheitskarte als der Schlüssel zu einer standortunabhängigen Krankenakte soll dann am Ende zu einer digitalen Prozesssteuerung des Patienten im gesamten Gesundheitssystem führen. Die elektronische Gesundheitskarte und damit verbunden die Telematikinfrastruktur eröffnen eine neue Dimension in der Verbesserung der Qualitätssicherung. Patienten müssen weniger und kürzere Wege zurücklegen, es entfallen unnötige Doppeluntersuchungen. Die Telematik ermöglicht umfassende Informationsmöglichkeiten und Beratungsleistungen. Untrennbar verbunden mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ist die Einführung des elektronischen Arztausweises, einer Chipkarte in Scheckkartenformat. Dieser mit Foto versehene Ausweis ermöglicht es personenbezogen über einen Mikroprozessor Dienste wie die Authentifizierung, die Verschlüsselung von Daten und die elektronische Signatur abzurufen. Ohne den elektronischen Arztausweis werden Patientendaten zugänglich sein, elektronische Patientenakten geführt und unterschrieben werden können. Bei aller Euphorie über die schöne neue Telematikwelt im Gesundheitswesen darf auch nicht verschwiegen werden, dass es aus Sicht der Ärzteschaft in einigen Punkten noch Nachbesserungsbedarf gibt. Die Umstellung auf die elektronische Datenübermittlung via elektronischer Gesundheitskarte und elektronischem Arztausweis erfordert zunächst auch Investitionskosten bei den Ärzten. Zwar werden die Kosten für die Einführung des elektronischen Arztausweises über Budgetzuschläge refinanziert. Unberücksichtigt bleiben jedoch die individuellen Investitionskosten für den Telematik-Einsatz in der einzelnen Praxis.

eGK Feldtest in der Modellregion Ingolstadt

Als Modellregion in Bayern wurde das Praxisnetzwerk GO IN e.V. (http://www.goin.info/cms/) ausgewählt, das mit seiner Organisationsstruktur als eines der größten Netze nach § 73 SGB V und § 63 SGB V in der Bundesrepublik auf vielen Ebenen bekannt ist. Neben dem Praxisnetzwerk GO IN sind auch die Kliniken und Krankenhäuser der Region Ingolstadt sowie Apotheken, Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) und die Verrechnungsstelle süddeutscher Apotheker (VSA) in das Modellprojekt integriert. In einem breiten Konsens haben sich in die Selbstverwaltung und die regionalen Strukturen im Verein Baymatik (http://www.baymatik.de/) zusammengefunden, um in der Pilotregion Ingolstadt das Modellvorhaben in Abstimmung mit der gematik GmbH durchzuführen.

Das Praxisnetz GO IN e.V. ist ein Zusammenschluss von 504 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen in der Region Ingolstadt. Mit seinen Vertragspartnern - der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, der AOK Bayern und dem BKK Landesverband Bayern – verfolgt GO IN das Ziel, die Qualität und die Wirtschaftlichkeit der medizinischen Versorgung zu verbessern. 36 Betriebskrankenkassen nehmen über den BKK Landesverband Bayern am Strukturvertrag nach § 73 SGB V teil. Die AOK Bayern ist durch ein Modellvorhaben nach § 63 SGB V mit dem Praxisnetz GO IN vertraglich verbunden. Über 250.000 Patienten haben bis heute ihren schriftlichen Beitritt zum Praxisnetz GO IN erklärt.

Als erste Maßnahmen einer verbesserten Betreuungsstruktur wurden bereits im Jahr 2001 der Patientenpass in Printform mit wichtigen Informationen wie Dauerdiagnosen, Dauermedikationen, Laborwerten etc., und der Patientenbegleitbrief zum besseren und schnelleren Datenaustausch der Ärzte untereinander eingeführt. Zur Qualitätsverbesserung der medizinischen Versorgung bestehen 42 Qualitätszirkel unterschiedlicher Fachdisziplinen. Jährlich finden über 80 Fortbildungsveranstaltungen für GO IN-Ärzte statt. Seit April 2004 gibt es wöchentlich Mittwochs die GO IN Telefonsprechstunde. Im Februar 2003 hat GO IN eine eigene Notfallpraxis in Betrieb genommen. Sie wurde in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns unter der Trägerschaft von GO IN errichtet und wird von GO IN und der Hausärztlichen Bereitschaftsdienstgruppe Ingolstadt in den Räumlichkeiten des Klinikums Ingolstadt betrieben. Bislang haben über 45.000 Patienten die Notfallpraxis der GO IN-Ärzte in Anspruch genommen. Weitere Projekte zur Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsverbesserung, z.B. Qualitätsmanagement-Systeme in Arztpraxen, umfangreiches Fortbildungsangebot für Arzt und Helferin, usw., werden angeboten; Kooperationen mit Krankenhäusern der Region liegen in vielfältiger Form vor. Eine Reihe von Projekten zur Verbesserung der Qualitätssicherung konnten in Zusammenarbeit mit der KVB erfolgreich umgesetzt werden.

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