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51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (gmds)

10. - 14.09.2006, Leipzig

Komplementäre und alternative Behandlungsmethoden in der pädiatrischen Onkologie – Ergebnisse einer Elternbefragung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kinderkrebsregister

Meeting Abstract

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  • Claudia Spix - Deutsches Kinderkrebsregister, IMBEI, Mainz
  • Alfred Längler - Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, Abteilung Kinder- und Jugendmedizin, Herdecke
  • Peter Kaatsch - Deutsches Kinderkrebsregister, IMBEI, Mainz

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (gmds). 51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Leipzig, 10.-14.09.2006. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2006. Doc06gmds058

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2006/06gmds015.shtml

Veröffentlicht: 1. September 2006

© 2006 Spix et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Es musste davon ausgegangen werden, dass komplementäre und alternative Behandlungsmethoden (CAM), wie in anderen Ländern auch, ähnlich ihrem bekannten Einsatz in der Erwachsenenonkologie, zunehmend auch im Bereich der pädiatrischen Onkologie eingesetzt werden [1], [2], [3]. Ihr Einsatz geschieht in der Regel unkontrolliert und oft ohne Wissen des behandelnden pädiatrischen Onkologen. Auf Basis einer repräsentativen Befragung eines gesamten deutschen Diagnosejahrgangs sollten belastbare Aussagen zur Häufigkeit, den angewendeten Methoden und den Begleitumständen der Anwendung in der pädiatrischen Onkologie in Deutschland erhoben werden.

Material und Methoden

Alle Familien der im Deutschen Kinderkrebsregister erfassten Patienten, die im Zeitraum 1.1. bis 31.12.2001 erkrankten, sollten mit einem in einer Pilotphase getesteten per Post zugesandten Fragebogen zur Häufigkeit der Anwendung von CAM befragt werden. Dazu wurde erst die Zustimmung der behandelnden Kliniken eingeholt. Die Datenauswertung erfolgte nach Erfassung des Datenrücklaufes anonymisiert. Den Eltern wurde zugesichert, dass ihre Aussagen nicht an den behandelnden Arzt weitergegeben werden. Da im Deutschen Kinderkrebsregister Basisinformationen zu den angeschriebenen Patienten vorliegen, war eine relativ ausführliche Nonresponderanalyse, z.B. zur räumlichen Verteilung der Teilnahmebereitschaft, möglich.

Ergebnisse

Der Befragung stimmten 79 von 80 der in Deutschland an der Behandlung dieser Kinder beteiligten Kliniken zu. 79 einzelne Kinder wurden von den Kliniken aufgrund unterschiedlicher Gründe von der Befragung ausgeschlossen. Der Fragebogen konnte 1595 Familien zugestellt werden. 1082 Fragebögen wurden zurückgeschickt, teilweise nach einer schriftlichen Erinnerung. 77 Familien lehnten die Teilnahme an der Befragung ab. Sechs Fragebögen waren nicht auswertbar. Somit konnten 1064 Fragebögen in die Datenanalyse einbezogen werden (66%). 35 % der Befragten gaben an, im Verlauf der Erkrankung ihres Kindes CAM angewandt zu haben. Anhand der vorliegenden Informationen und der gemachten Angaben wurde untersucht, welche Randbedingungen die Anwendungsbereitschaft beeinflussen. Bei gleichzeitiger Berücksichtigung aller Einflussfaktoren in einem multiplen Modell ergab sich als wichtigster Faktor die Vorerfahrung mit der Anwendung von CAM. Bei den CAM-Anwendern wurde untersucht, welche und wie viele CAM-Verfahren über welchen Zeitraum angewandt wurden und was die Gründe für den Einsatz waren. Besonders hervorzuheben ist hier, dass „mangelndes Vertrauen in die Maßnahmen der Schulmedizin“ fast nie genannt wurde. Darüber hinaus wurden die Anwender u.a. gefragt, wer sie zu CAM beraten hat, ob der behandelnde Onkologe über die CAM-Anwendung informiert war und wie die Eltern subjektiv die erwünschten und unerwünschten Wirkungen der CAM-Verfahren einschätzen.

Diskussion

Die Anwendung von CAM durch die Eltern von Kindern mit Krebs ist auch in Deutschland ähnlich häufig wie im übrigen europäischen Ausland. Durch diese Untersuchung soll zu einer größeren Offenheit in der kontroversen Diskussion beigetragen werden. Weiterhin zeigt sie, für welche Verfahren eine Überprüfung der Wirksamkeit komplementärer Methoden besonders angebracht ist.


Literatur

1.
Kelly KM.: Complementary and alternative medical therapies for children with cancer. Eur J Cancer. 2004 Sep;40(14):2041-6.
2.
Martel D, Bussieres JF, Theoret Y, Lebel D, Kish S, Moghrabi A, Laurier C.: Use of alternative and complementary therapies in children with cancer. Pediatr Blood Cancer. 2005 Jun 15;44(7):660-8.
3.
Molassiotis A, Cubbin D.: 'Thinking outside the box': complementary and alternative therapies use in paediatric oncology patients. Eur J Oncol Nurs. 2004 Mar;8(1):50-60.