gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

e-procurement im Krankenhaus – eine Übersicht über aktuelle Trends zur elektronischen Beschaffung von Arzneimitteln und Medikalprodukten

Meeting Abstract

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  • Ursula Hübner - Fachhochschule Osnabrück - University of Applied Sciences, Osnabrück

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds134

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds448.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Hübner.
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Gliederung

Text

Einleitung

Beschaffung (procurement) von Medikalprodukten, d.h. von medizinischem Sachbedarf und Implantaten, ist heute immer noch in vielen Fällen eine Aufgabe des operativen Einkaufs und wird mit konventionellen Medien, wie Telefon, Fax und Brief, bewältigt. Die Beschaffung von Arzneimitteln erfolgt ebenfalls häufig unter Einsatz konventioneller Mittel über die Krankenhausapotheke.

Unter dem Druck, die Kosten durch die DRG Erlöse zu decken und diese in Form einer Kostenträger dem Patienten zuordenbar zu machen, stehen alle Kostenarten auf dem Prüfstand, auch die von Medikalprodukten und Arzneimitteln.

Einkauf im Krankenhaus

Dabei gilt es, günstige Preise für hinreichend hoch qualitative Produkte zu erzielen. Bereinigung des Produktespektrum und Reduktion der Lieferantenzahl gelten als Voraussetzungen dafür, die Kosten in den Griff zu bekommen [1], da nur darüber entsprechende Bestellmengen eines Produktes bei einem Hersteller verbunden mit entsprechend günstigeren Preisen zustande kommen. Paradebeispiele für gebündelten Einkauf stellen die seit langem in den USA operierenden group purchasing organisations (GPOs) dar [2]. Solche Anstrengungen können nicht mehr allein durch einen operativen Einkauf gelöst werden, sondern bedürfen der Aktivität von Ärzten [3], Pflegekräften und eines stärker strategisch ausgerichteten Einkäufers [4]. Die Fachexpertise auf Seiten der Ärzte und Pflegekräfte ergänzt um betriebswirtschaftliches Knowhow eines strategischen Einkäufers erst bringen ein Krankenhaus in die Lage, richtige Entscheidungen zu treffen.

Prozessoptimierung

Sind Produkt- und Lieferantenspektrum in einem Krankenhaus standardisiert und sind Rahmenverträge mit Herstellern und Lieferanten vereinbart, lassen sich daraus eine Reihe weiterer Maßnahmen zur Optimierung der Prozesse rund um die Beschaffung ableiten. Dazu zählen

  • die Einführung von Modulschränken ggf. mit Versorgungsassistenten auf Stationen [5] ,
  • die Einführung von OP-Sets,
  • die Einrichtung von elektronischen Verfahren zur Zuordnung von Produkten zu Patienten beispielsweise durch Barcodes an den Modulschränken oder per Dokumentation der Verordnungen, Bestellungen oder Gabe pro Patient in der elektronischen Patientenakte [6], [7], [8].

Ergänzt werden diese durch e-procurement Verfahren [9] im engeren Sinn, insbesondere

  • die Abwicklung der Bestellung über elektronische Medien mit Pausilibilitätsprüfungen,
  • die Verfügbarkeit von Informationen über den Bestell- und Lieferstatus für die Stationen,
  • die Ermöglichung einer verbesserten Qualitätskontrolle bei Anlieferung durch die Stationen oder den Wareneingang (Abgleich Bestell- und Lieferschein) und
  • elektronische Rechnungen.

Dadurch wird eine stärkere Automatisierung operativer Tätigkeiten verursacht und es werden Daten zur Auswertung in elektronischer Form verfügbar machen.

Technologien für e-procurement

Elektronische Beschaffung wird Stand heute mit unterschiedlichen Kommunikationsstandards und Technologien umgesetzt. EDI kann in Form von EANCOM [10] in traditioneller Form realisiert werden oder als WebEDI auf Basis von XML [11]. Für die direkte Anbindung zwischen einem KIS des Krankenhauses und dem ERP System des Lieferanten werden APIs genutzt, z.B. BAPIs (Business Application Programmable Interfaces) für SAP R/3 Systeme. Für eine Koppelung von Internetapplikationen steht SOAP zur Verfügung und für eine gemeinsame Nutzung von Anwendungsprogrammen und Katalogdaten Application Service Providing (ASP) Lösungen.

Zunächst einmal unabhängig von der Technologie haben sich unterschiedliche Vernetzungsformen etabliert. Dabei spielen die sogenannten Handels- oder Transaktionsplattformen, wie beispielsweise GHX, medicforma, Medical Columbus und pharmamall, eine wesentliche Rolle, die Daten in geeigneter Form zwischen Krankenhaus und Lieferant/Hersteller zu vermitteln. Jedoch gibt es auch Krankenhäuser mit individuellen Verbindungen zu den Lieferanten und Herstellern. Shop-Lösungen sind zwar grundsätzlich denkbar, haben sich jedoch wegen der geringen Integration in die technische Infrastruktur des Bestellers nur in Sonderfällen bewährt, beispielsweise für Krankenhäuser ohne eigene Materialwirtschaft [12].

Bedeutung von Klassifikationen

Ein bedeutsames Merkmal der verschiedenen Vernetzungsformen ist die Verankerung und Pflege der Katalogdaten. Damit Katalogdaten aktuell sind, sollten sie durch den Hersteller gepflegt werden. Aus diesem Grund befinden sich häufig die Kataloge beim Hersteller oder bei einer Transaktionsplattform, die auch das Clearing zwischen dem Warenstamm des Krankenhauses und den Katalogdaten der Hersteller vornimmt. Um Medikalprodukte mehrerer Hersteller zu vergleichen und um statistische Auswertungen zu Controllingzwecken, insbesondere für Managementberichte, zu ermöglichen, bedarf es zusätzlich einer Klassifikation und klassifizierter Produkte. Bislang hat sich jedoch keine Klassifikation aus der Reihe der möglichen Kandidaten, wie beispielsweise UNSPSC [13], GPI [14] und EGAR [15], als allgemein akzeptiert dargestellt. Dies mag an der mangelnden Verfügbarkeit, d.h. einer eingeschränkten allgemeinen Zugänglichkeit oder einer fehlenden bzw. mangelhaften Übersetzung liegen, kann jedoch auch andere Gründe haben, wie beispielsweise ein noch steigerungsfähiges Interesse der Hersteller und der Krankenhäuser an dieser Thematik.

Ausblick

Auch wenn wie eingangs geschildert die meisten Krankenhäuser bei der Beschaffung konventionell vorgehen, so gibt es doch seit einigen Jahren Häuser die frühzeitig die entsprechenden Vorarbeiten erledigten und elektronische Lösungen implementierten [16]. Die Erfahrungen dieser „early adopters“ gilt es einem breiten Publikum aus IT-Leitern (CIOs), Krankenhausmanagern und Klinikern nahe zu bringen, um e-procurement Ansätze zu multiplizieren. Zusätzlich bedarf es weiterhin grundlegender Überlegungen und wissenschaftlicher Arbeiten zum Informationsmanagement, insbesondere zu dem Bereich Nomenklaturen und Klassifikationen von Medikalprodukten und für Konzepte zur Nutzung von strukturierten und klassifizierten Produktdaten für betriebswirtschaftliche (Steuerung der Kosten) und für klinische Zwecke (Steuerung der Qualität).


Literatur

1.
Isenberg D. eCommerce in der Krankenhauspraxis. In: Drauschke S, Pieper U. Beschaffungslogistik und Einkauf im Gesundheitswesen. Neuwied: Luchterhand, 2002, S. 197-252.
2.
Burns LR. The Health Care Value Chain. San Francisco: Jossey-Bass, 2002.
3.
Rosenstein A. Physician Involvement in Materials and Supply Management - Hospitals. Physician Executive, Jan-Feb. 2004, http://www.findarticles.com/p/articles/mi_m0843/is_1_30/ai_112801157, zugegriffen am 29.3.2005
4.
Foest W. Klinikeinkauf - vom fünften Rad zum Antriebsmotor? In: Drauschke S, Pieper U. Beschaffungslogistik und Einkauf im Gesundheitswesen. Neuwied: Luchterhand, 2002, S. 335-373
5.
http://www.cli-ma.de/content/modulsystem/allgemeines.html, zugegriffen am 29.3.2005
6.
http://www.omnicell.com/resources/nurses.asp, zugegriffen am 29.3.2005
7.
http://www.parexcellencesystems.com/success_stories.asp, zugegriffen am 29.3.2005
8.
http://www.janomed.com/html/informationstechnologie.html, zugegriffen am 29.3.2005
9.
Goldschmidt AJW, Röther T. e-Procurement im Krankenhaus. Der elektronische Einkauf ist auf dem Vormarsch. Forum der Medizin_Dokumentation und Medizin_Informatik mdi. 2002, Heft 1: 9-11
10.
Pretzel J, Dicks A, Hähn M, Rosenstein T. e-Business im Krankenhaus - Kosten-Nutzen Analyse zweier Pilotkrankenhäuser. Köln, CCG, 2004, http://www.ghxeurope.com/CCG%20Studie%20-%20eBusiness%20im%20Krankenhaus%20April%202004.pdf
11.
Buxmann p, Ladner f, Weitzel T. Anwendung der Extensible Markup Language (XML) - Konzeption und Implementierung einer WebEDI Lösung. Wirtschaftsinformatik 2001, 43( 3): 257-267
12.
Hübner U, Kammeyer G, Marx M, Sander W, Elmhorst M, Mönter J. Arzneimittelbestellung per Internet. krankenhaus umschau 2002, 71(4): 256-261
13.
UNSPSC http://www.unspsc.org zugegriffen am 29.3. 2005
14.
GPI Einsatz http://www.medicforma.com/ueberMedicforma/index.htm zugegriffen am 29.3.2005
15.
CEN Workshop Agreements. European Generic Article Register CWA 14445 und CWA 14446. Brussels, 2002 http://www.cenorm.be/cenorm/businessdomains/businessdomains/isss/cwa/hospital+procurement.asp zugegriffen am 29.3. 2005
16.
7. E-Commerce-Konferenz "Best Practice-Beispiele der Elektronischen Beschaffung zwischen Klinik und Hersteller. MedInform-Veranstaltung 24.2.2005 Köln