gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Die Kompetenznetze in der Medizin - ein Überblick

Meeting Abstract

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  • Antje Schütt - Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze (TMF) e.V., Berlin
  • Sebastian C. Semler - Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze (TMF) e.V., Berlin

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds170

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds272.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Schütt et al.
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Gliederung

Text

Einleitung

Seit 1999 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) so genannte Kompetenznetze in der Medizin, um die in der medizinischen Forschung zunehmend wichtiger werdende überregionale Vernetzung zu unterstützen. Ziel der Kompetenznetze ist zum einen die krankheitsspezifische Verknüpfung verschiedener nationaler Forschergruppen und Forschungseinrichtungen (horizontale Vernetzung), und zum anderen die engere Verzahnung der Forschung mit der Patientenversorgung (vertikale Vernetzung). Insgesamt sind in den vergangenen Jahren in drei Stufen 17 medizinische Kompetenznetze gegründet worden. In einer Session zum Thema „Biometrie in Medizinischen Kompetenznetzen“ soll in einem einführenden Vortrag dargestellt werden, welche Kompetenznetze es gibt, wie der Stand ihrer Arbeiten ist, welchen Mehrwert sie bieten und welche langfristigen Perspektiven sie haben können.

17 Kompetenznetze für verschiedene Krankheitsbereiche

Medizinische Kompetenznetze sind jeweils auf ein spezifisches Krankheitsbild ausgerichtet, das durch eine hohe Morbidität, Mortalität und/oder durch hohe krankheitsbezogene Kosten für die Gesellschaft gekennzeichnet ist. Sie umfassen die Krankheitsbereiche Onkologie, Neurologie/Psychiatrie, Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf- und chronisch-entzündliche Erkrankungen (Tabelle 1 [Tab. 1]).

Die Kompetenznetze in der Medizin betreiben krankheitsorientierte Forschung zur effizienteren Entwicklung neuer medizinischer Problemlösungen, sie verbessern den Wissenstransfer aus der Forschung in die Versorgung und bringen praxisrelevante Fragen in die Forschung ein, und sie schaffen eine Mehrwert, indem sie die Qualität und Kosteneffizienz in der Gesundheitsversorgung durch Forschungstransfer und Evaluationsforschung verbessern. In die Kompetenznetze eingebunden sind neben den Forschergruppen aus unterschiedlichen Disziplinen auch Ärzte in Klinik und Praxis sowie Patienten-Selbsthilfeorganisationen.

Ähnliche, kleinere Netzwerke sind daneben in den vergangenen Jahren unter anderem zu seltenen Erkrankungen geschaffen worden. Die Kompetenznetze in der Medizin arbeiten zudem eng mit den Koordinierungszentren für Klinische Studien (KKS) zusammen. Die Kompetenznetze haben sich mit den KKS und weiteren medizinischen Forschungsverbünden in der Telematikplattform für Medizinische Forschungsnetze (TMF) zusammengeschlossen, um übergreifende Probleme und Anforderungen, die sich aus der Forschungsarbeit an verteilten Standorten ergeben, gemeinsam zu lösen. Die Themen reichen von der Erarbeitung generischer Datenschutzkonzepte über Richtlinien und Standards für den Aufbau und Betrieb von Biomaterialbanken, allgemeine Fragen der Durchführung klinischer Studien bis hin zur Entwicklung von Methoden und Lösungen für den Aufbau von IT-Infrastrukturen für medizinische Forschungsverbünde.

Ergebnisse und Mehrwert

Die Kompetenznetze in der Medizin haben seit ihrer Gründung in den verschiedenen thematischen Bereichen und methodischen Ebenen greifbare Ergebnisse hervorgebracht. So konnten in der horizontalen Ebene Kandidatengene für polygenetische Erkrankungen oder genetische und Protein-Profile von Krankheitssubtypen identifiziert werden. Stammzell-Therapieansätze wurden geprüft oder beispielsweise die Prädiktion des Erfolgs von Chemotherapien vorangetrieben.

In der vertikalen Ebene haben eine Reihe von Kompetenznetzen bereits Leitlinien entwickelt und dafür gesorgt, dass die Evidenz zur Diagnose und Therapie einer Erkrankung gebündelt wird. Einige Netze haben Meta-Analysen durchgeführt und die Ergebnisse beispielsweise in der Cochrane Library publiziert. Qualitätsmanagementsysteme wurden implementiert und gesundheitsökonomische Aspekte evaluiert. Die Ergebnisse aus der Arbeit der Kompetenznetze sind in hohem Maße für Patienten und Ärzte nutzbar gemacht worden, so beispielsweise im ‚Nürnberg Bündnis gegen Depression‘ oder bei der Entwicklung von Therapiestrategien bei Pneumonie. Alle Kompetenznetze stellen auf ihren Internetseiten für Ärzte und Patienten umfangreiche Informationen bereit.

In den Forschergruppen, die in einem Kompetenznetz mitarbeiten, ist die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen seither deutlich gestiegen. Insgesamt sind die Netze auch international sehr attraktiv und haben sich seit 1999 national wie international gut positionieren können.

Ausblick

Die Förderung der Kompetenznetze in der Medizin war durch das BMBF zunächst für jeweils fünf Jahre konzipiert. Es hat sich jedoch gezeigt, dass der Aufbau der notwendigen Infrastrukturen zeitaufwändig und die Entwicklung von Konzepten und Lösungen zur langfristigen Finanzierung und Sicherung dieser notwendigen Strukturen langwierig ist. Deshalb wurde zumindest den neun Kompetenznetzen, die bereits 1999 ihre Arbeit aufgenommen haben, zur Sicherung der etablierten zentralen Strukturen eine weitere, reduzierte Förderphase von drei Jahren bewilligt.

Insgesamt sind die Netze große nationale Kooperationen eingegangen und haben sich als attraktiver Partner beispielsweise für die pharmazeutische Industrie erwiesen. Mit der Vernetzung auf nationaler Ebene ist die Basis geschaffen worden, auf der auch auf europäischer Ebene Forschungsprojekte eingeworben und federführend durchgeführt werden können. Die Zusammenarbeit der Netze in der TMF kann darüber hinaus dazu beitragen, dass infrastrukturelle Fragen und Dienste gebündelt und damit ressourcenschonend behandelt und gesichert werden können.

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