gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Validierung von open-source-Studiensoftware: Vorgehen und Ergebnisse

Meeting Abstract

  • Katja Krockenberger - KKS-UKT gGmbH, Tübingen
  • Andrea Schröter - KKS-UKT gGmbH, Tübingen
  • Kornelia Bez - KKS-UKT gGmbH, Tübingen
  • Petra Knaup - Institut für Medizinische Biometrie und Informatik, Heidelber
  • Christoph H. Gleiter - KKS-UKT gGmbH, Tübingen

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds510

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds269.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Krockenberger et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Mit Inkrafttreten der 12. AMG-Novelle am 06. August 2004 [1] wird die EU-GCP-Direktive 2001/20/EG [2] in Deutschland gesetzlich verankert. Diese fordert für die elektronische Verarbeitung von Studiendaten die Verwendung eines validierten Studiensoftwaresystems [3], [4] ohne dabei zwischen zulassungsrelevanten und wissenschaftsgetriebenen klinischen Studien (Investigator Initiated Trial, IIT) zu unterscheiden [5]. So müssen in Zukunft auch in IIT Behördeninspektionen erwartet werden.

Da für IIT in der Regel wenig Geld zur Verfügung steht, bietet sich für das Datenmanagement der Einsatz von open-source-Software für die elektronische Verarbeitung von Studiendaten an. Es ist unklar, ob Systeme, die auf open-source-Software basieren, nach der Direktive und geltenden Gesetzen validiert werden können, da bei open-source-Produkten die Qualität der Entwicklung nicht gewährleistet werden kann [6]. Deshalb ist es Ziel dieses Beitrages, ein Vorgehen zur Validierung von Studiensoftware, die auf open-source-Produkten beruht, vorzustellen, und die Ergebnisse der zugehörigen Validierung an der KKS-UKT gGmbH aufzuzeigen.

Material und Methoden

Um das Datenmanagement klinischer Studien mit einem validierten System auf der Basis einer open-source-Software anbieten zu können, wird eine Vorgehensweise vorgeschlagen, die sich auf die Schritte einer prospektiven Validierung stützt [7], [8], [9], [10]:

  • Erstellung Validierungsplan inkl. Qualitäts- und Projektplan [11]
  • Erstellung Anwender-Lastenheft [12]
  • Stichprobenartiger Quellcodereview auf Basis der Sun-Standards [13]
  • Erstellung Pflichtenheft
  • Durchführung einer Good Clinical Practice (GCP)-Risikoanalyse
  • nstallation der Studiensoftware PhOSCoTM auf Standardhardware und Standardsoftware ORACLE und Durchführung der Installationstests
  • Abschluss der Installation Qualification – Phase mit IQ-Bericht
  • Erstellung der sehr ausführlichen Testspezifikationen aufgrund des Pflichtenheftes und der Risikoanalyse und Durchführung der Tests [14]
  • falls Akzeptanztests Fehler entdecken, werden diese dokumentiert, kategorisiert und Maßnahmen abgearbeitet
  • Abschluss der Operational und Performance Qualification-Phase mit OQ-/PQ-Bericht
  • Erstellung und Prüfung des abschließenden Validierungsberichtes
  • Erstellung des technischen Systemhandbuchs und Erstellung/Erweiterung des Benutzerhandbuchs
  • Erstellung aller notwendigen SOPs im Bereich Informationstechnologie und Datenmanagement
  • Freigabe des validen Studiensoftwaresystems
  • Einsatz des betrieblichen Change Controls
  • Festlegung der Vorgehensweise beim Außerbetriebsetzen des Systems

Durch den Einsatz einer open-source-Software fehlt der Nachweis einer qualitätsgesicherten Entwicklung der Software. Aus diesem Grund sind die ausführlichen Testspezifikationen so auszulegen, dass alle Funktionen des Systems mehrfach und teilweise mit einem Zeugen getestet werden. Außerdem muss das betriebliche Change Control besonders gut durchdacht werden, um eine Versionskontrolle der Software jederzeit gewährleisten zu können.

Neben diesen Punkten muss die Freigabe des Systems speziell gehandhabt werden. In einem ersten Schritt kann das System nun für den Einsatz von EU-weiten, nicht-zulassungsrelevanten Studien freigegeben werden. Die Performance Qualification-Phase der Systemvalidierung wird durch den Einsatz in solchen klinischen Studien und die dadurch gewonnene Erfahrung vertieft. Erst nach einem zuvor definierten Zeitraum wird das System für zulassungsrelevante Studien im EU-Raum freigegeben.

Für diese vom Standard abweichenden Regelungen ist besonders wichtig, dass sie gut dokumentiert werden, und dass auch der Grund für die Abweichungen gut dokumentiert ist.

Ergebnisse

Die KKS-UKT gGmbH setzt die open-source-Software PhOSCoTM der Guillemot Design Ltd [15] zusammen mit dem relationalen Datenbankmanagementsystem ORACLE ein. PhOSCoTM bietet alle Funktionen einer kommerziellen Lösung wie z. B. die Erstellung von elektronischen Datenerhebungsbogen, die Programmierung von Plausibilitätsprüfungen usw. Um zu gewährleisten, dass das System GCP-konform ist, hat die KKS-UKT gGmbH eine Systemvalidierung nach der oben genannten Methodik durchgeführt. Die Validierung selbst wurde dabei einer zusätzlichen Qualitätssicherung in Form eines erfolgreich abgeschlossenen Audits durch eine erfahrene, international tätige Auditorin dokumentiert.

Diskussion

Die in der KKS-UKT gGmbH durchgeführte Systemvalidierung zeigt, dass ein Studiensoftwaresystem auf Basis einer open-source-Software validiert werden kann. Damit kann die KKS-UKT gGmbH das Datenmanagement mit PhOSCoTM anbieten.

Allerdings ist das vorgestellte Vorgehen durch die Größe und Komplexität des zu validierenden Systems beschränkt, da die Methodik aufgrund der detaillierten Testphase sehr ressourcen- und damit kostenintensiv ist. Auf der anderen Seite ist dadurch das Risiko von Mängeln, die erst in der Produktionsphase entdeckt werden und behoben werden müssen, minimiert worden.


Literatur

1.
12. AMG-Novelle vom 30. Juli 2004. Bundesgesetzblatt 2004; 41 piii: 2031-2053.
2.
RICHTLINIE 2001/20/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATS vom 4.April 2001 (http://pharmacos.eudra.org/F2/eudralex/vol-1/DIR_2001_20/DIR_2001_20_DE.pdf, letzter Zugriff: 14.04.2005).
3.
Kobelt R, Wachtmann D, Kaiser P, El-Samalouti V. Audit 2000: VI. Validierung von Computersystemen in der klinischen Prüfung. Pharm. Ind. 2001; 63(5): 439-443
4.
Kobelt R, Wachtmann D, Kaiser P, El-Samalouti V. Audit 2000: VI. Validierung von Computersystemen in der klinischen Prüfung. Pharm. Ind. 2001; 63(6): 571-576
5.
Appel B. Können Industrie-unabhängige Arzneimittelstudien unter der 12. AMG-Novelle noch durchgeführt werden?. DZKF 2005; 1/2: 48-55
6.
Zhao L, Elbaum S. Quality assurance under the open source development model . The Journal of Systems and Software 2003; 66: 65-75.
7.
General Principles of Software Validation; Final Guidance for Industry and FDA Staff(http://www.fda.gov/cdrh/comp/guidance/938.html, letzter Zugriff: 15.03.2005).
8.
Neal C. Prerequisites for Successful Validation. Journal of Validation Technoloy 2003. 9(3): 240-245
9.
Stokes T. Computer Systems Validation, Part 1: Software Purchase and GCP Compliance. Applied Clinical Trials 1996; September: 71-75.
10.
Stokes T. Computer Systems Validation, Part 5: A Structured Approach to Retrospective Evaluation. Applied Clinical Trials 1997; June: 82-85
11.
Oechslein C. Grundlagen zur Erstellung eines Validierungsmasterplans. Pharm. Ind. 2004; 66(6): 769-770
12.
Bender H. Inhalt von Lasten- und Pflichtenheften im Rahmen der Designqualifizierung. Pharm. Ind. 2004; 66(7): 901-903
13.
Code Conventions for the JavaTM Programming Language (http://java.sun.com/docs/codeconv/html/CodeConvTOC.doc.html, letzter Zugriff: 11.04.2005).
14.
Lucas I. Testing Times in Computer Validation. Journal of Validation Technology 2003; 9(2):153-16
15.
Linzbach M, Calder M, Rothé A, Schupke W, Venezielas D. PhOSCoTM das Handbuch. Dresden: Sächsisches Druck- und Verlagshaus GmbH; 2003