gms | German Medical Science

50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds)
12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie (dae)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie
Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie

12. bis 15.09.2005, Freiburg im Breisgau

Systemvalidierung von Studiensoftware für die akademische klinische Forschung: eResearch Network am Koordinierungszentrum für Klinische Studien Düsseldorf

Meeting Abstract

  • Gerd Felder - KKSD, Heinrich-Heine Universität, Düsseldorf
  • Wolfgang Kuchinke - KKSD, Heinrich-Heine Universität, Düsseldorf
  • Dimitrios Venizeleas - KKSD, Heinrich-Heine Universität, Düsseldorf
  • Christian Ohmann - KKSD, Heinrich-Heine Universität, Düsseldorf

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 12. Jahrestagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc05gmds373

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2005/05gmds268.shtml

Veröffentlicht: 8. September 2005

© 2005 Felder et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Viele akademische Institutionen, aber insbesondere die KKS (Koordinierungszentren für Klinische Studien), führen inzwischen GCP-konforme Studien durch und setzen gleichzeitig Software zur elektronischen Unterstützung klinischer Studien ein. Ihnen stellt sich die Frage nach der Validierung ihrer Systeme, speziell dann, wenn die Datensammlung über das Internet erfolgt. Für GCP-konforme Studien reicht es nicht aus, eine funktionierende und getestete Softwarelösung einzusetzen; die Benutzung der Software muss auf GxP-Konformität hin validiert werden. Dazu gibt es inzwischen eine Anzahl von Richtlinien für den Einsatz von EDC (Electronic Data Capture) und elektronischen Dokumenten in GCP-konformen klinischen Studien. Der Validierungsprozess der Systeme hat einen hohen Stellenwert für die Qualitätssicherung klinischer Studien angenommen, da bei der Computerunterstützung klinischer Studien nicht nur GCP-konform, mit einem validen und sicheren System gearbeitet werden muss, sondern auch die Validität des Systems über die gesamte Einsatzdauer der Software aufrechterhalten werden muss. Die Benutzung validierter Computersysteme in der klinischen Forschung ist eine seit vielen Jahren etablierte Forderung, die sich spätestens seit der AMG-Novelle 2004 auch auf einen Großteil der Investigator-Initiated Trials, also auf die akademische klinische Forschung erstreckt. Im kommerziellen Umfeld wird eine Validierung der Systeme in der Regel durch Beratungs-Firmen oder als zusätzlich zu zahlender Service durch den Softwareprovider vorgenommen. Allerdings ist eine derartige Validierung durch externe Firmen derart kostenintensiv, dass sie im universitären Umfeld nur schwer umgesetzt werden kann. Am KKS Düsseldorf wurde deshalb exemplarisch eine umfassende und dabei ressourcenschonende Systemvalidierung der Studiensoftware durchgeführt. Auf welchen Voraussetzungen diese basiert, wie sie durchgeführt wurde und welche Dokumente erstellt wurden, wird in diesem Abstract geschildert und kann für andere akademische Zentren, die eine Studiensoftware in GCP-Studien einsetzen wollen, von Nutzen sein.

Material und Methoden

Das zu validierende System ist das eResearch Network der Firma eResearch Technology. Es handelt sich hierbei um eine Studiensoftware, die aus den Modulen eData Management, eStudy Conduct, eDictionary und eDataEntry besteht, die durch das Internetportal (eResearch Community) einen webbasierte Zugang besitzen. Die Validierung am KKS Düsseldorf basierte auf Vorarbeiten, die durch die AG Systemvalidierung der TMF durchgeführt wurden. Folgende Vorschriften fanden dabei unter anderem Anwendung: GCP [1], FDA-21 CFR Part 11 [2], FDA Guidance for Industry, Electronic Records [3], EG-Annex 11 [4] und GAMP 4 [5]. Insbesondere wurden für die Einordnung der Software und die Risikoanalyse GAMP-Kategorien benutzt. In diesen Regularien ist aber der Validierungsprozess in seinen Einzelschritten und seinem notwendigen Umfang, sowie in seiner Durchführung nur unzureichend beschrieben und häufig nicht GCP-, sondern GMP-zentrisch orientiert. Basierend auf weiterer Literatur [6], [7], [8] und Diskussionen mit GCP-Auditoren wurde deshalb ein GCP-orientierter, durch Risikoanalyse geregelter, ressourcenschonender Validierungsplan entwickelt.

Ergebnisse

Das methodische Vorgehen orientierte sich gemäß den regulatorischen Vorgaben an einer prozessorientierten Validierungsphilosophie. Das zentrale GAMP-Konzept [5] besagt, dass jede Softwarelösung einem Life Cycle unterliegt und entsprechend validiert werden muß (Abb. 1 [Abb. 1]). Nach Anschaffung und Installation werden die Qualifikationsphasen IQ – Installationsqualifikation, OQ – Operationale Qualifikation, PQ – Prozeßqualifikation durchgeführt. In unserem Ansatz wurden IQ und OQ durch den Vendor durchgeführt. PQ wird als Teil der gesamten Systemvalidierung (Abbildung 2 [Abb. 2]) mit Hilfe einer Teststudie vom Nutzer geleistet. Der validierte Zustand der Software wird durch Change Control durch den User aufrechterhalten und endet mit dem Retirement des Systems. Für die Durchführung der Systemvalidierung wurden folgende Basisdokumente erarbeitet: Systemvalidierungsmasterplan, Validierungsprojektplan (Softwarequalifikationen), Sicherheitskonzept und Traceabilitymatrix (TM). Hierbei spielt die TM die zentrale Rolle bei der Validierung. Sie basiert auf dem während der Spezifikationsphase entwickeltem Anforderungsprofil und dient der Nachverfolgung der Erfordernisse durch die Validierungsphasen. Der System Validation Master Plan (SVMP) ist das übergeordnete Dokument, das die Betrachtungsweise, Erwartungen und den Validierungsansatz skizziert und auf alle anderen Validierungsdokumente verweist. Er beschreibt weiterhin auch Schulung, Support und Änderungskontrollen (Change Management). Der Validierungsprojektplan (VP) definiert die verwendeten Validierungsmethoden, das zu validierende System sowie die Aufgabenbereiche und Verantwortungsbereiche. Am Ende der Validierung steht eine unabhängige Überprüfung durch einen Auditor .

Diskussion

Es konnte gezeigt werden, dass auch akademische Institutionen mit vertretbarem Aufwand ihre Studiensoftware validieren können. Die Validierung des Systems war Teil des übergreifenden Sicherheits- und Qualitätsmanagements des Koordinierungszentrums, wie es im Qualitätsmanagementhandbuch beschrieben ist. Das bestehende Qualitätssicherungssystem musste aber aufgrund der Systemvalidierungsmaßnahmen erweitert werden. Es ergab sich der Bedarf nach neu zu erstellenden SOPs (Standardarbeitsanweisungen) und einem Review mit anschließender Adaptation verschiedener Prozesse. Hohe Anforderungen gab es an die Projektplanung, um möglichst viele Mitarbeiter sinnvoll in die Validierungsprozesse zu integrieren. Der Aufwand und die Ressourcen konnten durch folgende Maßnahmen in vertretbaren Grenzen gehalten werden: umfangreiche begleitende Projektplanung, Risikoansatz bei der Validierung (GCP-kritische Teile wurden identifiziert und bevorzugt validiert), Zusammenlegung von PQ mit der Systemvalidierung, Überlassung der IQ und OQ an den Softwareprovider und ein gemeinsames Vendoraudit zusammen mit anderen KKS.


Literatur

1.
Deutsche Übersetzung der Leitlinien zur Guten Klinischen Praxis (GCP), CPMP/ICH/135/95
2.
FDA, 21 CFR Part 11, Electronic records, Electronic Signature; Final Rule, Federal Register, 62, No. 54, 13429 (1997).
3.
Guidance for Industry, Computerized Systems Used in Clinical Trials, FDA, ORA.
4.
EG - GMP-Leitfaden, Annex 11, EWG III/8263/89
5.
The Good Automated Manufacturing Practice (GAMP) Guide for Validation of Automated Systems in Pharmaceutical Manufacture (ISPE), Vol. 4
6.
Goldman SR: Handbook of Computer and Computerized System Validation for the Pharmaceutical Industrie, 1st Books Library, 2003
7.
B. Mullendore, Computer Validation Master Plan, Technical Guide, IVT 2002
8.
Orlando L. 21 CRF Part 11: Complete Guide to International Computer Validation Compliance for the Pharmaceutical Industry, CRC Press, 2004.